Gesundheitsdaten Zwischen Skepsis und Hoffnung

Zugehörige Themenseiten:
Digitalisierung

Welche Rolle spielen Daten in einem modernen Gesundheitswesen? Und wie kann die Allgemeinheit von den Fähigkeiten Künstlicher Intelligenz (KI) profitieren? Beim Expertengespräch der Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) werden die Spannungsfelder deutlich.

Daten können das moderne Gesundheitswesen verbessern, so viel steht fest. Doch es gibt auch Spannungsfelder. – © Mykola (stock.adobe.com)

Noch herrscht Skepsis gegenüber dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Das zeigt eine aktuelle repräsentative Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der SBK durchgeführt hat. Demnach stehen nur 39 Prozent der Befragten dem Einsatz von Algorithmen in der Medizin positiv gegenüber. Claudia Liane Neumann, Patient Advocate der Felix Burda Stiftung, führt die Zurückhaltung vor allem auf mangelnde Information zurück: „Solange man als Patient nicht genau weiß, was die KI macht, schafft das Unsicherheit.“ Aus Sicht von Prof. Alexandra Jorzig, Fachanwältin für Medizinrecht, kommt der Aufklärung über Daten und deren Verwendungsmöglichkeiten daher besondere Bedeutung zu. „Wir müssen die Patienten zu mündigen Patienten machen.“ Nur so seien diese in der Lage, ihr Recht auf informationelle Selbstbestimmung tatsächlich auszuüben. Eine aktive Rolle der Krankenkassen kündigt die Leiterin des Fachbereichs Datenmanagement bei der SBK, Christine Ott, an. Sie plädiert zugleich für bessere Zugriffsmöglichkeiten der Versicherer, etwa auf Daten in der elektronischen Patientenakte. Diese könnten die Kassen nutzen, um individuelle Beratungs- und Präventionsangebote zu entwickeln.

„KI ist die hoffnungsvollste Technologie in der Medizin“

Dass Daten enorme Potenziale bergen, ist auch für Bart de Witte unstrittig. Er ist KI-Experte und Gründer der NGO Hippo AI, mit der er KI in der Medizin als Open Source der Allgemeinheit zugänglich machen will. „KI ist die hoffnungsvollste Technologie, die wir in der Medizin je hatten“, sagt de Witte. Mit ihr verbinde sich die Vision einer krankheitsfreien Welt. Doch wo Chancen sind, lauern auch Risiken: Als Bedrohung nimmt de Witte insbesondere die wachsende Zahl datengetriebener Geschäftsmodelle wahr. Sie beinhalte die Gefahr, dass am Ende nur einige wenige ökonomischen Profit aus den Daten ziehen, während deren gesellschaftlicher Nutzen auf der Strecke bleiben könnte.