Urteil Zwilling getötet: Bewährungsstrafe für Gynäkologen

Zu jeweils 15 und 18 Monaten auf Bewährung verurteilt das Landgericht Berlin (LG) zwei Gynäkologen, die bei einer Kaiserschnittgeburt einen Zwilling mit Kaliumchlorid töteten. Nach der Öffnung des Uterus handele es sich nicht mehr um einen straffreien Schwangerschaftsabbruch, stellen die Richter klar.

Bewährungsstrafe
Kein Schwangerschaftsabbruch sondern Totschlag. So entschied das Landesgericht Berlin in einem Fall, der sich 2010 ereignet hat. – © Evgeniy Kalinovskiy (stock.adobe.com)

Die beiden Ärzte töteten 2010 mithilfe von Kaliumchlorid einen Zwilling mit einer schweren Hirnschädigung bei der Geburt, weil die Mutter nur das zweite, gesunde Kind leben lassen wollte. Das LG beschäftigt sich zum zweiten Mal mit dem Fall von Dr. Babett R., damals leitende Oberärztin der Klinik für Geburtsmedizin an einem Berliner Krankenhaus und Prof. Klaus V., damals Chefarzt der Einrichtung und ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Zur Vorgeschichte des Falls

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte 2020 die Schuld der Angeklagten bereits eindeutig geklärt: gemeinschaftlicher Totschlag im minderschweren Fall (Az. 5 StR 256/20). Die Richter hoben jedoch das Strafmaß auf, weshalb das LG jetzt nochmals darüber entscheiden muss. Babett R. wird zu 16 Monaten auf Bewährung verurteilt, Klaus V. zu 19 Monaten. Aufgrund der Länge des Verfahrens wird ein Monat der Strafe als vollstreckt angesehen. Wird das Urteil rechtskräftigt, droht ihnen die Entziehung der Approbation.

Bei der Mutter der Zwillinge kam es in der 32. Schwangerschaftswoche zur Geburt. Bereits zuvor hatte es Komplikationen gegeben, da sich die Föten die Plazenta teilten, außerdem wurde bei einem Zwilling eine massive Hirnschädigung festgestellt. Nach ausführlicher Beratung entschieden sich die Eltern für selektiven Fetozid. Nachdem das gesunde Kind geboren wurde, spritzen die Ärzte bei geöffneter Gebärmutter dem hirngeschädigten Zwilling 20 Milliliter Kaliumchlorid in die Nabelvene, was zu dessen Tod führte. Der Eingriff hätte nach Ansicht der Gerichte jedoch nur vor Beginn der Geburt vorgenommen werden dürfen. Mit Beginn der Eröffnungswehen beziehungsweise mit Öffnung des Uterus werde dem Strafrecht zufolge aus dem Fötus ein Mensch. Die Angeklagten äußerten ihr Bedauern, sie seien davon ausgegangen, dass ihr Verhalten zulässig sei.