Healthcare-Barometer 2022 Zufriedenheit mit deutschem Gesundheitssystem gesunken

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Die PwC-Studie 2022 zeigt: Die Deutschen beurteilen den Gesundheitssektor zwei Jahre nach Beginn der Pandemie wieder kritischer. Aktuell zählen nur noch 59 Prozent der Befragten das System zu den Top drei der Welt. Die Zufriedenheit mit der Krankenhausversorgung hat um neun Prozentpunkte abgenommen.

Deutsches Gesundheitssystem im Vergleich
59 Prozent beurteilen das deutsche Gesundheitssystem als eines der besten der Welt – 13 Prozent weniger als im Vorjahr. – © PwC

Die Euphorie des vergangenen Jahres hat sich abgekühlt. Vor einem Jahr zählten 72 Prozent der Deutschen den Gesundheitssektor zu den Top drei weltweit. Mittlerweile ist dieser Wert um 13 Prozentpunkte gefallen. „Aus meiner Sicht war der hohe Zustimmungswert aus dem vergangenen Jahr ein Ausreißer, der auf die ersten Erfolge in der Pandemiebekämpfung zurückzuführen ist. Nach zwei Jahren Coronakrise hat sich die Euphorie aber abgekühlt, denn die Pandemie beschäftigt uns weiterhin und die Probleme des deutschen Gesundheitswesens sind immer noch da. Dazu zählen zum Beispiel die sehr langen Wartezeiten für Facharzttermine vor allem in der Psychotherapie“, kommentiert Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC Deutschland.

Krankenhäuser: Zufriedenheit mit Versorgung gesunken

Zwei Jahre Pandemie haben ihre Spuren in der deutschen Krankenhauslandschaft hinterlassen – das wirkt sich auch auf die Bewertung der Versorgung in Kliniken aus. Derzeit beurteilen sie nur noch 63 Prozent als gut oder sehr gut, während in der Vorjahresbefragung noch 72 Prozent Top-Noten gaben. „Aus unserer Sicht schlägt sich in der Bewertung nieder, dass in den Medien immer wieder von einer möglichen Überlastung der Krankenhäuser durch die Pandemie die Rede ist. Eventuell haben die Befragten auch selbst die Erfahrung gemacht, dass Operationen verschoben werden mussten. Allerdings liegt der Zustimmungswert noch immer klar über dem Vergleichswert aus der Zeit vor der Pandemie. Das spricht für die Wertschätzung der Arbeit der Krankenhäuser in der Pandemie“, erklärt Burkhart.

Medizinische Versorgung in deutschen Krankenhäusern
63 Prozent beurteilen die Versorgung in Kliniken als gut oder sehr gut. Frauen bewerten kritischer als Männer: 57 Prozent der Frauen erklären sich zufrieden, während es unter den Männern 69 Prozent sind. – © PwC

Geschlechterspezifische Unterschiede machen sich bemerkbar

„Frauen fühlen sich offenkundig gesundheitlich benachteiligt – ein Ergebnis, das uns alarmieren sollte“, sagt Sevilay Huesman-Koecke, Head of Business Development Gesundheitswirtschaft bei PwC Deutschland. „Wir müssen Frauen als Zielgruppe stärker in den Blick nehmen, so wie es auch die Gendermedizin fordert.“ Es dürfe nicht sein, dass Frauen in Forschungsstudien unterrepräsentiert seien und ein höheres Komplikations- und Sterberisiko bei Operationen haben. Die medizinische Versorgung könne nur dann nachhaltig verbessert werden und die individualisierte Medizin gefördert werden, wenn die gesundheitlichen Unterschiede zwischen Frauen und Männern in den Fokus rücken.

Eine Rolle bei der größeren Skepsis von Frauen gegenüber dem Gesundheitswesen spiele laut PwC auch, dass sie sich in der Regel stärker mit dem Thema Gesundheit beschäftigen und dadurch einen besseren Einblick hätten. Die Skepsis der Frauen äußert sich vor allem im Urteil zur Krankenhausversorgung: Lediglich 57 Prozent der Frauen erklären sich damit zufrieden, während es unter den Männern 69 Prozent sind. Ein ähnliches Bild zeichnet sich in der allgemeinen Bewertung des deutschen Gesundheitssystems ab, das 62 Prozent der Männer, aber nur 57 Prozent der Frauen zu den drei besten der Welt zählen.

Krankenkassen: Versicherte mit Leistungen einverstanden

Die Arbeit der Krankenkassen schätzten die Studienteilnehmenden – wie auch in den Vorjahresbefragungen – wert. So bezeichnen sich 88 Prozent als zufrieden oder sehr zufrieden. Nahezu ebenso viele, 83 Prozent, bestätigen, dass ihre Krankenkasse alle relevanten Leistungen bezahlt. Der Wert hängt allerdings auch von der Art der Krankenversicherung ab – mit 88 Prozent stimmen privat Versicherte dieser Aussage etwas häufiger zu als gesetzlich Versicherte (83 Prozent).

Große Zufriedenheit mit deutschen Krankenkassen
Etwa acht von zehn Bürgerinnen und Bürgern sind mit den Leistungen ihrer Krankenkasse zufrieden. – © PwC

Pharmabranche: Innovationen weiter voranbringen

Durch die Pandemie ist auch die Forschungsarbeit der Pharmakonzerne stärker in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Die Erfolge in der Impfstoffentwicklung haben ihnen in der Vorjahresbefragung einen sprunghaften Anstieg an Wertschätzung eingebracht – von 19 auf 35 Prozent ist die Zahl derer gestiegen, die Pharmakonzerne als innovative Unternehmen betrachten. Aktuell ist der Wert mit 33 Prozent immer noch vergleichsweise hoch. „Die Unternehmen haben jetzt die Chance, ihr Image nachhaltig zu verbessern. Denn die Deutschen wünschen sich innovative Produkte, die den Menschen neue Heilungschancen bieten“, bilanziert Huesman-Koecke.

Hintergrund zur Studie

Für die Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland wurden 1.000 Deutsche (Mindestalter: 18 Jahre) im Erhebungszeitraum Dezember 2021 befragt. Die Studie ist bevölkerungsrepräsentativ. Ergebnisse sind auf ganze Zahlen gerundet. Die detaillierten Umfrageergebnisse finden Interessierte hier.