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Lesetipp Zufriedenheit ist lohnender als Glück

Warum lohnt sich Zufriedenheit mehr als das Erreichen von Glück? Dieser Frage geht Christina Berndt in ihrem Buch „Zufriedenheit. Wie man sie erreicht und warum sie lohnender ist als das flüchtige Glück“ nach. Ein Ratgeber, der anhand von Studien, Praxisbeispielen und Selbsttest verdeutlicht, warum unsere Gesellschaft Glück anstrebt, die Zufriedenheit meist völlig außer Acht lässt und dadurch unglücklicher ist als sie es sein müsste.

„Die heutige Zeit konzentriert sich einseitig auf die Vorteile des Wohlgefühls.“ Das schreibt der Psychologieprofessor Joseph Forgas, University of New South Wales in Sydney, in seiner aktuellen Trübsinns-Forschung mit dem Titel „Don’t Worry, Be Sad“. Dabei gehöre jedoch die miese Laune, die „Diysphorie“, nicht nur zum Alltag des Menschen hinzu, sondern sei eminent wichtig. Nur eine von vielen wissenschaftlichen Studien und Einordnungen in diesem Buch.

Unsere heutige Gesellschaft ist immer auf der Suche nach Glück. Dass das Glücksgefühl jedoch meist nicht von langer Dauer ist und das Streben nach Zufriedenheit viel lohnender ist, bedenkt jedoch kaum einer. Das schreibt Christina Berndt in ihrem Buch „ Zufriedenheit. Wie man sie erreicht und warum sie lohnender ist als das flüchtige Glück.“, dass 2016 beim dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG erschienen ist. Die Autorin erläutert in ihrem ersten Kapitel, warum wir nach Glück streben, was die Glücksforschung besagt und warum Zufriedenheit uns eigentlich dauerhafteres Glück beschert. Glücklich sein, das würde jeder wollen. Wer ist schon gerne unglücklich. Schon alleine die Antwort „Ich bin zufrieden“ auf die Frage, wie es einem gehe, suggeriere beim Gegenüber ein schlechtes Gefühl. Es vermittle automatisch ein „Naja“ und würde häufig als Kapitulation vor den Ansprüchen des Lebens aufgefasst werden. Unsere Leistungsgesellschaft fordere, dass man an jedem Tag das Beste aus seinem Leben herausholen solle und dass „dieses Streben nach Perfektion“ paradoxerweise ganz schön unglücklich machen könne. Die Autorin verdeutlicht das u.a. anhand der Erreichung von selbst gesteckten Zielen. Habe man etwa ein Projekt, das gut zum Abschluss gebracht wurde, stellt sich nach Erreichung des Ziels ein Glücksgefühl ein. Man sei euphorisiert und fühle sich gut. So schnell wie das Gefühl jedoch gekommen sei, so schnell würde es auch wieder verblassen. Um länger etwas von diesem Glücksgefühl zu haben, bringt die Autorin hier an, man solle sich auch zu einem späteren Zeitpunkt daran erinnern, was man in jenem Moment gefühlt habe.

Vom flüchtigen Glück

Wie Glückshormone ausgeschüttet werden und was diese mit unserem Körper machen, wird anhand eines in den 1950 Jahren vom Psychologen James Olds von der Haward University USA durchgeführten Versuches mit Laborratten verdeutlicht: „Dabei entdeckte er, dass bei der Aktivierung einer bestimmten Region im Gehirn so ausgesprochen angenehme Gefühle entstanden, dass für die Ratten kein Halten mehr war“, schreibt Berndt. Olds entwickelte eine Apparatur, bei der auf Knopfdruck das Belohnungszentrum der Ratten aktiviert wurde. Diesen Knopf konnten die Ratten selbstständig betätigen. Das Ergebnis: Die Ratten drückten ihn bis zu 8.000 Mal am Tag und das tagelang. Bis sie vor Erschöpfung zusammenbrachen, weil sie vergessen hatten, zu essen und schlafen. Selbst Sex sei unwichtig geworden. Olds bewies damit, dass Glück süchtig mache, und dass das Streben danach zerstörerisch sein könne. Mit Hilfe anderer Wissenschaftler untermauert die Autorin somit ihre These, dass dauerhaftes Glück nicht für unseren Körper gemacht sei und das ein Streben nach Zufriedenheit auf Dauer glücklicher mache.

Das zweite Kapitel besteht aus einem Selbsttest zur eigenen Zufriedenheit. Am Ende des Tests sagt die erreichte Punktzahlt das Maß der eigenen Zufriedenheit aus. „Zur eigenen Zufriedenheit trägt man am meisten selbst bei.“ Damit leitet Berndt in ihr drittes Kapitel ein. Gerade die Zufriedenheit ließe sich vom Verstand her beeinflussen und könne wachsen. Die Themen des größten Kapitels dieses Buches beschäftigen sich deswegen mit den Fragen:

  • Wie viel Zufriedenheit ist dem Menschen mitgegeben?
  • Ist sie ein Teil seiner Persönlichkeit oder ist sie gar ausschließlich in seinen Genen verankert?
  • Was passiert im Gehirn, wenn ein Mensch zufrieden ist?
  • Wie viel steuern äußere Lebensumstände dazu bei?
  • Wie kann ein Mensch seine Zufriedenheit beeinflussen?
  • Wie hängt Zufriedenheit und die Sinnsuche zusammen?
  • Was spielt sich im Körper ab, wenn man zufrieden ist?
  • Was ist der aktuelle Stand der Wissenschaft im Punkto Zufriedenheit?

Anhand von neun Geschichten unterschiedlichster Menschen, veranschaulicht Berndt verschiedene Themen, um ein zufriedenes Leben zu führen. Diese Beispiele sind sowohl im dritten als auch vierten, dem vorletzten Kapitel, integriert.

Zufriedenheit kann erlernt werden

Hier geht die Autorin auf das Thema ein, wie man Zufriedenheit lernen kann. Anhand eines weiteren Selbsttest wird die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit aufgezeigt. Es werden dem Leser Rezepte an die Hand gegeben, wie ein zufriedeneres Leben geführt werden kann und welche konkreten Schritte dafür eingeleitet werden sollten bzw. müssten.

Im letzten Kapitel zieht die Autorin ein Fazit: „Wir sind nicht fürs andauernde Glücklichsein gemacht. Momente des Glücks sind ungeheuer reizvoll – gleich ob unsere Hormone durch akutes Verliebtsein, wegen eines Erfolges, nach der Shoppingtour oder im Drogenrausch Hochstimmung verbreiten. Aber sie halten nur eine überschaubare Zeit vor. […] Das echte Leben mit all seinen Höhen und Tiefen, mit Freude und Trauer, mit Lust und Freust ist doch wunderbar. Es lehrt uns, die guten Momente intensiv zu genießen und uns mit Hilfe der schlechten für die nächsten Krisen zu trainieren. Allein unsere Haltung entscheidet darüber, dass wir unser Dasein mehr wohl als übel finden und wir eher zufrieden als unzufrieden damit sind.“

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