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Lesetipp Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie die Ampel

In der aktuellen November-Ausgabe 2017 verfolgt HCM das Topthema Qualitätsmanagement, das viele Gesichter hat. Eines davon ist die Arzneimittelversorgung – und der widmet sich ein neuer, drei Pfund schwerer Wälzer der Stiftung Warentest: „Medikamente im Test“ heißt das Nachschlagewerk, das 9.000 geprüfte und bewertete Arzneimittel verzeichnet. Ein Muss nicht nur für die private Hausapotheke, sondern auch für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Teil der übersichtlichen Gestaltung sind Ampel-Bewertungen.

Eine Ampel für Lebensmittel wird immer wieder diskutiert – für Medikamente gibt es sie jetzt. Die Stiftung Warentest vergibt in einem neuen Buch für 9.000 Arzneimittel Rot, Gelb oder Grün. Grün, also „geeignet“ oder „auch geeignet“ sind von all den rezeptfreien und rezeptpflichtigen Arzneimitteln in „Medikamente im Test“ fast zwei Drittel. „Mit Einschränkung geeignet“ ist knapp ein Viertel, und jedes zehnte Mittel ist nur „wenig geeignet“. Eigentlich ist das dicke Nachschlagewerk für alle gemacht, die Medizin selbst kaufen oder sich ärztlich verschreiben lassen. Doch auch Ärzte und Apotheker könnten es nutzen, um Patienten verständlich und unkompliziert aufzuklären über Risiken, Nebenwirkungen, aber auch die Wirkweisen der Medizin.

Lebensnahe Erklärungen ohne Fachchinesisch

16 Kapitel sind nach Krankheitsbildern farbig sortiert – von Haut/Haare über Magen/Darm und Stoffwechsel bis hin zu Schmerzen/Fieber und Übergewicht –, dabei jeweils nach lebensnahen Fragestellungen („Ist eine Selbstbehandlung möglich?“, „Wann zum Arzt?“) gegliedert. In einfachen Tabellen werden alle Medikamente zu einer Krankheit alphabetisch aufgelistet – in den Ampelfarben. Hier können selbst Laien eine schnelle Entscheidung für oder gegen ein Medikament treffen.

Ergänzend werden die verschiedenen Wirkstoffe ganz genau erklärt – präzise, umfassend und ohne Fachchinesisch. Zusätzlich gibt es jeweils Infos für spezielle Zielgruppen wie Kinder, Schwangere oder Ältere. Und unter dem Stichwort „Wichtig zu wissen“ listen die Autoren rund um den renommierten Pharmakologen Prof. Gerd Glaeske alles Wesentliche auf, das man zum Krankheitsbild und zum Einsatz des Präparates wissen sollte, und auch, was außerdem helfen kann.

Zugelassene Arzneimittel von Gutachtern teils negativ(er) bewertet

Erste Bewertungen des Nachschlagewerkes in Internetportalen kritisieren, Stiftung Warentest habe für dieses Buch keine eigenen Tests durchgeführt, sondern primär Inhalte von Beipackzetteln wiedergegeben. De facto, so liest man es im Vorwort, würden zugelassene Arzneimittel von Gutachtern der Stiftung ab und an trotzdem negativ(er) bewertet, etwa, um auch langfristig z.B. Verträglichkeit und (Neben-)Wirkungen zu untersuchen, insbesondere in Hinblick auf eine Steigerung der Lebensqualität von Patienten.

Ähnlich wählerisch sei bei Studien vorgegangen worden: Nicht jede, die vorhanden war, wurde berücksichtigt, sondern insbesondere nach der Unabhängigkeit der Labore – statt primär auf herstellermotivierte Untersuchungen – geguckt. Gleichwohl: Der Slogan „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ ist damit nicht aufgehoben, das propagieren die Autoren auch nicht, denn schließlich will jeder Mensch gerade bei Krankheit individuell betrachtet sein.

Leicht zu benutzendes Mammutwerk

Am Nutzwert, zudem in dieser geballten Form zum Nachschlagen, ändert das sowieso nichts, weil beispielsweise zu „geeignet“ ebenso zu „auch geeignet“ unterschieden wird, was gute Übersichten zu Alternativen bietet. Die 768 Seiten im DIN 4-Format, die tatsächlich drei Pfund auf die Waage bringen, sind somit ein ge-wichtiger Beitrag. Die Pharma-Experten der Stiftung Warentest haben mit „Medikamente im Test“ ein praktisches, leicht zu benutzendes Mammutwerk erstellt.

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