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Krankenhausreform Zentrenbildung wird finanziell bestraft

Die Bildung von Zentren für die medizinische Versorgung von Schwerkranken ist zwar politisch gewollt – wenn es in den Einrichtungen allerdings zu Mengensteigerungen kommt, sollen die Kliniken nach dem Entwurf des Krankenhausstrukturgesetzes (KHSG) mit Abschlägen bestraft werden.

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Darauf weist die Deutsche Hochschulmedizin auf ihrem XI. Innovationskongress hin.  Es sei medizinisch sinnvoll, bestimmte Versorgungsleistungen in spezialisierten Zentren z.B. für Seltene Erkrankungen oder Krebstherapien zu konzentrieren, erläutert Ralf Heyder, Generalsekretär des Verbands der Universitätsklinika Deutschland (VUD). Wenn das KHSG wie geplant umgesetzt werde, bringe jedoch jeder zusätzliche Fall Defizite für die Klinik, in der das Zentrum angesiedelt ist. Diese Regelung treffe die Uniklinika besonders stark, da sie sehr viele Zentren eingerichtet haben. Ebenfalls bestraft würde eine Mengensteigerung in der Notfallmedizin, doch auch dort sei eine solche Entwicklung sinnvoll, so Heyder, weil die Unikliniken häufig Aufgaben von anderen Häusern übernehmen würden.

Nach dem Entwurf des KHSG müsse ein Krankenhaus für zusätzliche Fallzahlen einen Preisnachlass gewähren – eine Art Mengenrabatt. Der geplante „Fixkostendegressionsabschlag“ sei in dieser Form nicht akzeptabel. Der VUD-Generalsekretär geht davon aus, dass allein der Abschlag für Mehrleistungen die Hochschulmedizin 50 bis 100 Millionen Euro pro Jahr kosten werde. Mit dem Streichen des Versorgungszuschlags von 75 Millionen Euro sowie der Anpassung bei den Sachkosten, die bei den Uniklinika besonders hoch seien, rechnet der Verband mit Mindereinnahmen von bis zu 250 Millionen Euro pro Jahr ab 2017. „Das Gesetz kann richtig teuer für uns werden“, folgert Heyder.

Für Uniklinika katastrophal

„Weitere Einsparungen wären katastrophal für die Uniklinika, die bereits heute zum größten Teil rote Zahlen schreiben“, betont VUD-Vorsitzender Prof. Michael Albrecht. Dabei sehe das Reformpaket durchaus wichtige ordnungspolitische Neuerungen vor, die auch den Uniklinika zugutekommen würden, wie etwa Qualitätszuschläge, eine bessere Finanzierung der Notfallversorgung oder die Förderung medizinischer Zentren. Aber: „Vieles, was hilfreich für die Uniklinika wäre, wird wohl selbst im besten Fall noch Jahre auf sich warten lassen“, ist sich Prof. Dr. Heyo Kroemer, Präsident des Medizinischen Fakultätentages, sicher. Enttäuscht zeigen sich die Professoren zudem darüber, dass der Gesetzentwurf keine Lösung für die sogenannten Extremkostenfälle vorsieht, also die Behandlung von Patienten mit schweren, komplexen und mehrfachen Erkrankungen. Kliniken, die viele solcher Fälle haben, würden seit Jahren nicht ausreichend finanziert. Allein die Unterdeckung durch diese Fälle betrage 105 Millionen Euro im Jahr, so Heyder.

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