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Lesetipp Wohnen für alle Sinne: Architektur für Menschen mit Demenz

Menschen mit Demenz und anderen kognitiven Beeinträchtigungen haben besondere Ansprüche in Sachen Architektur. In ihrem Fachbuch "Demenzsensible Architektur – Planen und Gestalten für alle Sinne", beschreibt die Autorin Dr. Ing. Birgit Dietz, wie die richtige Umgebung Patienten helfen kann.

„Luitgard kommt zu Besuch. Im Wohnzimmer bleibt sie abrupt stehen. Vorwurfsvoll erklärt sie: ,Das Puzzle muss jetzt endlich einmal fertig gemacht werden, da fallen sonst die Kinder rein!`“ Die an vaskulärer Demenz erkrankte Schwiegermutter von Dr. Ing. Birgit Dietz, Autorin des Fachbuchs „Demenzsensible Architektur“, glaubt ein fehlendes Puzzleteil am Boden zu sehen. In Wahrheit handelt es sich nur um den Schatten eines Klavierhockers, der verschwindet, wenn Dietz die Klavierbeleuchtung ausschaltet. Schwiegermutter Luitgard ist beruhigt.

Was Menschen mit Demenz brauchen

Leiden Menschen an kognitiven Beeinträchtigungen oder erkranken gar an Demenz, ändern sich mit der Lebenslage auch ihre Bedürfnisse. Die Ansprüche an die Wohnform, das Wohnumfeld, steigen. In „ Demenzsensible Architektur – Planen und Gestalten für alle Sinne“, beschreibt Architektin Dietz den Wert einer sorgfältig gestalteten Umwelt für ältere und hochaltrige Menschen. Wenn die Anpassungsfähigkeit des Menschen an unterschiedliche Umgebungen abnimmt, soll die richtige Umgebung wie eine Art Prothese wirken. Defizite, wie eine eingeschränkte Sehfähigkeit und schlechtes Hören, sollen auf diese Weise ausgeglichen werden.

Auf 247 Seiten beschreibt die Autorin, in welchen Bereichen die richtige Architektur helfen kann – von der Unterstützung des Gedächtnisses bis hin zum Bereich der Sinne.

Kann altersgerechte Architektur die fünf Sinne ausgleichen?

Sehen, Hören, Tasten, Riechen, Schmecken. In Ihrem Sachbuch arbeitet Dietz die einzelnen Sinnesbereiche und Möglichkeiten, diese zu unterstützen, kategorisch ab. Der Grundgedanke, durch die Ausstattung eines Raumes alle Sinne anzuregen, sollte bei der Planung alters- und demenzsensibler Architektur berücksichtigt werden.

Im Bereich des Sehens helfen den Patienten beispielsweise übersichtliche und überschaubare Räume. Sind Bauteile, Oberflächen oder Möbel außerdem farbintensiv oder kontrastreich gestaltet, laden sie die Patienten zum Gebrauch auf und werden nicht vergessen. Im Bereich des Hörens können der richtige Schallschutz und die Raumakustik den Patienten entlasten. Und beim Tasten kann beispielsweise ein angenehmes Raumklima eine große Rolle spielen.

Die Zukunft demenzsensibler Architektur

Noch immer sind laut Dietz fundierte Erkenntnisse über den Einfluss einer bestimmten Umgebung auf das Verhalten und die Lebensqualität von Menschen Demenz rar. Für viele der gängigen Empfehlungen für Lebens- und Wohnformen für Menschen mit Demenz braucht es allerdings Innen- und Außenräume – sei es zur kognitiven Stimulation oder zur sozialen und körperlichen Aktivierung. Dietz liefert mit ihrem Fachbuch in einfacher und klarer Sprache einen wichtigen Beitrag zu diesem Thema – nicht nur für Architekten und Psychologen.

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