Gebäude&Technik -

BIM im Krankenhausalltag Wissen, was man will

„Man sollte Daten nicht erheben, nur um sie hinterher als Datenleichen zu horten. Vorab festzulegen, welche Informationen man mit Building Information Modeling (BIM) generieren und wie man diese später nutzen möchte, ist Voraussetzung für eine sinnvolle Anwendung dieser neuen Planungsmethode.“

Topic channels: FKT und Einrichtung & Ausstattung

Für Ulf Ermshaus, Leiter der FKT-Regionalgruppe Ostwestfalen-Lippe, ist das die zentrale Botschaft einer Fortbildungsveranstaltung zum Thema BIM im Alltag, die er gemeinsam mit Michael Goepfert, Leiter der FKT-Regionalgruppe NRW-Mitte, und Thomas Schade, dem Kontaktmann der Fachvereinigung Krankenhaustechnik zum CAFM RING, organisiert hatte. Veranstaltungsort war das Agaplesion ev. Klinikum Schaumburg in Obernkirchen. Das auf der grünen Wiese errichtete moderne Krankenhaus, das erst im letzten Jahr in Betrieb ging, konnte im Anschluss an die Veranstaltung besichtigt werden.

Unter Handlungsdruck

„Erst digital, dann real bauen“, fordert der Stufenplan „Digitales Bauen und Planen“ des ehemaligen Bundesverkehrsministers Alexander Dobrindt, der BIM bis 2020 für öffentliche Baumaßnahmen zum Standard erhebt. Diese Vorgabe erzeugt Handlungsdruck. Zu einem Zeitpunkt, an dem man noch kaum auf BIM-Erfahrungen aus repräsentativen Projekten zurückgreifen kann, gilt es nun, die neue Methodik bestmöglich auch und nicht zuletzt für das Gesundheitswesen zu nutzen.

Wenn es um den Detaillierungsgrad oder auf Neudeutsch Level of Detail (LOD) geht, mahnt Schade: „Die Datenmodelle müssen handelbar bleiben, z.B. auch verschickt werden und v.a. ökonomisch gepflegt werden können. Wozu brauche ich die Daten, wer soll sie später wie nutzen und auf dem Laufenden halten, sind entscheidende Fragen, die geklärt sein wollen, bevor sich die ersten Pioniere aufmachen ins Land des digitalen Planens, Bauens und Betreibens von Krankenhäusern.“

Nicht unterschätzt werden sollte: BIM kostet Zeit und Manpower. Man geht davon aus, dass die Methode sogar neue Berufsbilder wie den „BIM-Manager“ schaffen wird. Auf der Habenseite stehen dem durch BIM erzeugten Mehraufwand eine bisher nicht gekannte Transparenz und eine optimierte Abstimmung und Zusammenarbeit aller an der Planung, am Bau und dem späteren Betrieb beteiligten Gewerke und Entscheider gegenüber. Im Stufenplan „Digitales Bauen und Planen“ steht dazu: „(…) im Bereich unserer Kernkompetenzen wie Produktion, Planen und Bauen bieten digitale Technologien enorme Potenziale bei Qualität, Effizienz und Schnelligkeit. Durch ihren Einsatz können wir beim Bau von Großprojekten eine frühzeitige Vernetzung, enge Kooperationen und eine intensive Kommunikation aller Beteiligten sicherstellen. Wir können verschiedene Planungsvarianten frühzeitig visualisieren, Prozesse standardisieren, Transparenz herstellen, eine realistische Risikokalkulation erreichen und Bauzeiten wie Baukosten erheblichen reduzieren.“

Ziel jeder BIM-Anwendung ist es, Planung und Ausführung mit einem stets aktuellen digitalen Echtzeitmodell zu begleiten. Bei der Übergabe neuer Gebäude­(trakte) stellt dieser digitale Zwilling den späteren Nutzern der Immobilie umfassende, der gebauten Realität entsprechende Informationen über Maße, Raumaufteilungen, verbaute Materialien sowie technische Komponenten zur Verfügung. Im Idealfall optimiert BIM auf diese Weise nicht nur die Planungs- und die Bauphase, sondern auch den späteren Betrieb. Der Stufenplan „Digitales Bauen und Planen“ erklärt dazu: „BIM bildet den gesamten Lebenszyklus eines Bauprojekts virtuell ab: vom Entwerfen und Planen eines Bauwerks über den Bau und den Betrieb bis zu seinem Abriss. Durch diese Innovation erhalten alle Beteiligten Zugriff auf virtuelle Pläne, die Steuerung von Prozessen, umfangreiche Datenbanken und 3-D- bis 5-D-Bauwerksmodelle. Architekten, Bauherren, Planer, Ingenieure, Statiker, Betreiber und Gebäudeausrüster arbeiten Hand in Hand. Wir wollen das digitale Planen und Bauen bundesweit zum Standard machen. Die öffentliche Hand muss dabei als großer Bauherr vorangehen und den Kulturwandel treiben.“

Open oder Closed BIM?

„Ob man die Daten in einer offenen (Open) oder geschlossenen (Closed) BIM-Anwendung generiert, will gut überlegt sein“, erklärte Ermshaus. Open BIM heißt, dass verschiedene Programme zugelassen und später zu einem Datensatz vereint werden. Beim Closed BIM legt man sich von Anfang an auf eine für alle Projektpartner verpflichtende Software fest. Die offene Variante hat den Vorteil, dass man unter einer größeren Anzahl an Bewerbern wählen kann. Demgegenüber steht der Nachteil, dass für die spätere Datenpflege Lizenzen für alle eingesetzten Programme vorgehalten und die Nutzer entsprechend geschult werden müssen. Angesichts dieses Aufwands scheint Closed BIM auf den ersten Blick ganz klar die bessere Variante zu sein. Ermshaus mahnt hier jedoch zur Vorsicht: Die Vergabeverordnung legt dazu in § 11 Abs. 1 Satz 2 fest: „Elektronische Mittel und deren technische Merkmale müssen allgemein verfügbar, nichtdiskriminierend und mit allgemein verbreiteten Geräten und Programmen der Informations- und Kommunikationstechnologie kompatibel sein. Sie dürfen den Zugang zum Vergabeverfahren nicht einschränken.“ Closed BIM wäre danach vergaberechtlich gar nicht zulässig. Allerdings habe der Auftraggeber ein Leistungsbestimmungsrecht. Dieses komme zum Tragen, wenn es nachvollziehbare stichhaltige sachliche Gründe für Einschränkungen bei der Ausschreibung wie durch den Einsatz von Closed BIM gibt. Die Notwendigkeit einer besonders sicheren und datenverlustfreien Zusammenarbeit könnte für Krankenhäuser mit ihrer umfassenden technischen Gebäudeausstattung ein klares Argument für die Festlegung auf eine gemeinsame Software in der BIM-Anwendung sein. Die vorgegebene Software müsste dann aber nach Einschätzung von Prof. Christopher Zeiss von der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW zumindest branchenüblich sein (Heiermann, Zeiss, Summa: jurisPK-Vergaberecht, 5. Aufl. 2016, § 11 VgV Rn. 6). Eine konkrete Rechtsprechung, an der man sich orientieren könnte, gibt es dazu noch nicht. Wie die Gerichte über Klagen von Bewerbern entscheiden werden, die aufgrund einer nicht erwünschten Software vom Vergabeverfahren ausgeschlossen wurden, bleibt gespannt abzuwarten. Große Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang einer durchdachten, auf die Projektziele zugeschnittenen Leistungsbeschreibung zu. Ermshaus plant, für die FKT in einer entsprechenden Arbeitsgruppe ein modular aufgebautes Muster-Leistungsverzeichnis zu erarbeiten.

Vorsicht Kleingedrucktes

„Da Leistungen gemäß HOAI methodenneutral geliefert werden müssten, sollten für die Anwendung von BIM prinzipiell keine Mehrkosten entstehen. Architekten und Planer werden jedoch versuchen, den Zusatzaufwand für den mit BIM erzeugten Datensatz als vorher angemeldete besondere Leistung abzurechnen. Hier gilt es, die besonderen Vertragsbedingungen (BVB) genau zu beachten“, so Ermshaus. Wie der Rechtsanwalt Jörg Schielein ausführte, sei auf dem Markt noch kein einheitliches Leistungsbild fürs BIM-Management als gesonderte werkvertragliche Leistung erkennbar. Hier gibt es derzeit noch erheblichen „Gestaltungsspielraum“.

Wichtig sei bei der Vertragsgestaltung nicht zuletzt, dass sich Krankenhausbetreiber in ihrer Rolle als Bauherren in jedem Fall die Rechte an den mit BIM erstellten Datenbanken sichern. Datenschutz und Datenhoheit sollten bei der Vertragsgestaltung hohe Priorität genießen. Gute „BIM-Verträge“ strukturieren die gegenseitigen Rechte und (Mitwirkungs-)Pflichten aller Beteiligten kollisionsfrei und stellen die rechtzeitige Einbeziehung der Betroffenen, die Qualität und Fortschreibungsfähigkeit der Ergebnisse sowie klare Verantwortlichkeiten (Haftung) sicher. Schielein ist überzeugt: „Die BIM-Planungsmethode verspricht durch bessere und sorgfältiger koordinierte Planungsergebnisse sowie durch eine schnellere Reaktionsmöglichkeit auf Fehler eine Reduzierung der Haftungsfälle.“             Maria Thalmayr

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