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Lesetipp Wissen für alle

Spätestens durch die Digitalisierung hat das Weltwissen rasant zugenommen. Wo früher noch Gedichte zwecks Allgemeinbildung auswendig gelernt wurden, eröffnen Internet und Computer jetzt den Blick auf neue Perspektiven, die über unzählige Kanäle manchmal schlicht auch Unnützes verbreiten. Wie kann das Lernen heutzutage also noch aussehen? Vor allem: Was muss man inhaltlich kennen? Der Bildungsexperte Thomas Kerstan versucht eine Antwort – nicht nur für Kinder.

Die Diskussionen zur deutschen Bildungspolitik reißen seit Jahren nicht ab. Erst aktuell streiten Bund und Länder, wie die Schulen fortan zur Digitalisierung ausgestattet werden sollten. Klar ist, dass es ohne Technik – und den richtigen Umgang damit – nicht mehr geht.

Bildung hält zusammen

Klar ist aber auch, dass es dabei weniger um Inhalte geht. An dieser Stelle setzt Thomas Kerstan an: Für ihn fehlt es an Handhabe, um „Bildung als Kitt“ für die Gesellschaft zu erhalten. Denn nur eine Verständigung über echt Wissenswertes könne unser Zusammenleben befördern.

Einen „Kanon für das 21. Jahrhundert“, so die Unterzeile, will der Bildungsjournalist mit seinem Werk vorstellen und hat zu diesem Zweck 100 Werke verschiedenster Art herausgesucht. Gegliedert sind sie unter den vier Aspekten

  • künstlerisch-ästhetisch,
  • sprachlich-kommunikativ,
  • historisch-philosophisch und
  • mathematisch-naturwissenschaftlich.

Fokus auf dem 20. Jahrhundert

Dabei handelt es sich um Bücher, Kinofilme, Fernsehserien, Musikstücke, auch um Gemälde und Fotos. Interessanterweise überwiegend aus dem 20. Jahrhundert.

Günter Grass‘ „Blechtrommel“ und Gabriel Garcia Marquez‘ „Hundert Jahre Einsamkeit“ sind dabei, „All You Need Is Love“ von den Beatles, „Guernica“ von Pablo Picasso, der Kinohit „Krieg der Sterne“, das Grundgesetz oder die berühmte genetische Doppel-Helix. Aber muss „Doktor Schiwago“ wirklich sein?

Auswahl statt Dogma

Da kommt man ins Grübeln: Lohnen ältere Schöpfungen nicht ebenso oder hat die jüngste Zeit nicht vielleicht auch schon Wichtiges hervorgebracht? Keine Sorge, das „Abendlied“ von Matthias Claudius fehlt natürlich nicht, ebenso wenig „Hamlet“, „Das Lied von der Glocke“, „Hänsel und Gretel“, Bachs „Weihnachtsoratorium“ oder Mozarts „Zauberflöte.“

Um es deshalb zu relativieren: Kerstan versteht seine Liste nicht als unumstößliches Dogma. Tatsächlich kann so eine Auswahl nur subjektiv sein, und beim genauen Nachdenken fallen einem sofort noch ganz andere „Lieblingsstücke“ ein.

Update zur Hausbibliothek

Gleichwohl – und da ertappt sich auch der erwachsene Leser – verhält es sich so, dass neben vielen „Klassikern“ und „Gassenhauern“ noch manch Unbekanntes zu entdecken ist. Da geht es um „Deutschland und seine Muslime“, unseren „ökologischen Fußabdruck“, die Frage „Was ist koscher?“ oder das Videospiel „Minecraft“, das seit Erstveröffentlichung im Jahr 2009 manch ein Update erfahren hat.

Ein Update zur eigenen Hausbibliothek sind diese 250 Seiten deshalb auf jeden Fall, und die Mühe des Autors sorgt für große Unterstützung, das Allgemeinwissen nicht nur von Kindern zu hinterfragen. Schade, dass dazu jede Illustration fehlt – zumindest Gemälde und Fotos, aber auch Filmszenen oder Buchcover hätte man gern gleich gesehen. Und, Anregung für eine digitale Ausgabe im nächsten Jahrhundert: am liebsten noch Links zu allen Musikstücken dazu.

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