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Interview mit Georg Sigl-Lehner, Angelika Thiel und Sonja Voss „Wir sind für die Pflegenden in Bayern da!“

Sie stehen im Kontrast zur Kammerbewegung, sie sind einzigartig in der Form des Zusammenschlusses und sie haben ein Mammutprojekt vor sich: Georg Sigl-Lehner, Angelika Thiel und Sonja Voss, die Spitze der neu einberufenen Vereinigung der Pflegenden in Bayern. Im Gespräch erklären sie u.a., wie sie ihre Position neben den Kammern sehen.

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HCM: Im Kreise der bundesweiten Pflegekammerbefürworter dürften Sie als Spitze der Vereinigung der Pflegenden in Bayern einen schweren Stand haben. Sehen Sie sich als Konkurrenten?

Sigl-Lehner: Als Konkurrenten sehe ich uns momentan gar nicht. Wir verfolgen letztendlich dieselben Ziele. Die Vereinigung ist wie die Kammern landesspezifisch aufgestellt. Wir sind in dieser Form, die auf Freiwilligkeit basiert, für die Pflegenden in Bayern da.

HCM: Auf der Grundlage einer Umfrage von 2013, die an so vielen Stellen kritisiert werden kann ...

Thiel: In der Umfrage wurde nur nach der Kammer und ihren Vor- und Nachteilen gefragt. Nach einer Vereinigung wurde nie gefragt. Deshalb ist es schwierig, diesen Teil des Ergebnisses als maßgebend zu bezeichnen. Aber: 51 Prozent haben dagegen gestimmt, weil sie keine Pflichtbeiträge wollten. So gesehen kommt die Vereinigung diesem Wunsch nach.

HCM: Sehen Sie die Umfrage also gar nicht so sehr als ihre Grundlage?

Thiel: Man muss sie zwar in der Gesamtheit betrachten, aber genau genommen, darf man das nicht. Um wirklich alle Möglichkeiten abzufragen, hätte man sie anders ausrichten müssen.

Sigl-Lehner: Man kann die Umfrage kritisch betrachten. Sie bildet kein klares Votum für die Kammer ab. Deshalb hat man sich für diesen Weg entschieden.

HCM: Worauf würde Ihre Wahl fallen, wenn Sie ganz direkt gefragt worden wären: Kammer oder Vereinigung?

Sigl-Lehner: Das ist doch klar, sonst würden wir ja nicht hier sitzen.

Thiel: Ganz klar die Vereinigung. Vor allem deshalb, weil es keine Mitgliedsbeiträge gibt. Es geht immer darum, dass die Pflegekräfte zu wenig verdienen. Außerdem ist es legitim, dass die Kosten der Vereinigung durch Steuergelder finanziert werden, da auch die Bevölkerung davon profitiert. Wir übernehmen Staatsaufgaben.

Voss: Ich würde ebenfalls für die Vereinigung stimmen, weil wir hier auch die Pflegefachhelfer mit an Bord haben.

HCM: Sind das auch die Eigenschaften, die Sie am bayerischen Weg überzeugen?

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HoppeK

Bundespflegekammer ohne Bayern

Am 15.05.2014 teilte mir Frau Staatsministerin Huml in einem persönlichen Gespräch im Maximilianeum mit, dass der Wirtschaftsflügel der CSU-Landtagsfraktion keine Pflegekammer in Bayern wünscht und sie sich als Staatsministerin dem Wunsch anschließe. In dem Gespräch meinte Sie weiter, die Pflegenden in Bayern so wenig verdienen, dass den Pflegenden kein Pflichtbeitrag zu zumuten sei. Federführend für die Implementierung der „Interessenvertretung“ in Bayern waren dann private Arbeitgeberverbände und die Gewerkschaft Ver.di, welche bei der Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bayerischen Landtages den Alleinvertretungsanspruch für die Pflegenden in Bayern für sich beanspruchte. Die notwendige pflegefachliche Expertise spreche ich beiden genannten ab. Ausschließlich examinierten Pflegefachkräften/ Pflegewissenschaftlern kann diese Expertise zuerkannt werden. Wenn jetzt in dem bayerischen Konstrukt, neben Arbeitgebern auch noch nichtexaminierte Pflegekräfte über ureigene heilberufliche, pflegefachliche Themen Entscheidungen treffen werden, kann man die aktuelle Stellungnahme der stellv. Vorsitzenden des DPR verstehen, dass die bayerische Interessenvertretung kein Mitglied einer zukünftigen Bundespflegekammer wird. Ich kann nur allen Pflegenden in Bayern raten, so wie ich ein Zeichen zu setzen und freiwilliges Mitglied in der Pflegekammer Rheinland-Pfalz zu werden.