Digitalisierung -

Das war die conhIT 2018 „Wir kommen spät zur Party, geben aber Gas!“

In dieser etwas anderen Nachlese ist in Zitaten zusammengefasst, welche Themen das Gesundheits-IT-Event in diesem Jahr geprägt sowie Besucher, Referenten und Aussteller bewegt haben.

Topic channels: Digitalisierung, Informationstechnik und Telemedizin

„Es ist nicht so, dass Krankenhäuser nicht digitalisiert sind. (…) Das Problem ist, dass die unterschiedlichen Systeme nicht miteinander kommunizieren können.“ Das erklärte Christian Wolf, Visus Health IT GmbH, in einer der ersten Sessions gleich zu Beginn der conhIT (17. bis 19. April 201) in Berlin. In Wolfs Vortrag ging es um „Einsparungen durch intelligente medizinische Datenhaltung“ im Rahmen der digitalen Transformation des Gesundheitswesens für die ärztliche Profession.

Dr. Irmgard Landgraf sprach „von der digital vernetzten Zusammenarbeit zwischen Pflegeheim und Praxis.“ und stellte am Beispiel ihrer Arbeit vor, wie sich die ärztliche Pflegeheimversorgung durch den Einsatz von digitalen Akten verbessert, die Visiten effektiver macht und ihr „als Ärztin dabei hilft, gut vorbereitet dort zu erscheinen“. Landgraf führt eine internistische Hausarztpraxis am Agaplesion Bethanien Sophienhaus und eine Lehrarztpraxis der Charité Berlin.

„IT wird zur Chefsache.“ Dieser Trend zeichnet sich laut Andreas Kassner, stellvertretender Vorstand des Bundesverbandes Gesundheits-IT bvitg, ab. Aber: „Im Moment liegt das Krankenhaus-IT-Budget bei 1,5 Prozent. Das reicht bei weitem nicht aus. (…) Wir brauchen eine Finanzierungsbasis (…) Auch die Politik ist hier gefragt.“

„Ich bin sehr erstaunt, das war (…) ein Start wie ich ihn nie erlebt habe“, beteuerte Prof. Dr. Paul Schmücker, Präsident des conhIT-Kongressbeirates auf der Eröffnungspressekonferenz und spielte damit auf die teilweise bis auf den letzten Stehplatz gefüllten Konferenzräume an. Auch Roboter Pepper war bei der Pressekonferenz zugegen – als digitale Dekoration, die von Zeit zu Zeit freundlich vor sich hin gluckste. Weniger digital, dafür in Person anwesend, waren in diesem Jahr 577 Aussteller (ein Plus von 15 Prozent, Ausstellerrekord) und rund 10.000 Besucher. 

„Es geht ein Ruck durchs Land. (…) Wir kommen spät zur Party, geben aber Gas!“ Diese Entwicklung sieht Keynote Speaker und Geschäftsführer der Axel Springer hy GmbH Christoph Keese in Deutschland. Außerdem wagte er folgende Prophezeiung im Hinblick auf KI: „Die vollautomatisierte Krankenschwester wird nicht kommen – da fehlt es an Empathie. Aber es kann sein, dass die Krankenschwester der Zukunft mehr verdient als der spezialisierte Facharzt.“ Eine Anspielung auf die Diskussion darüber, dass z.B. im Bereich der Radiologie Fachärzte Gefahr laufen könnten, ersetzt zu werden.

„Der Patient wandelt sich und wird zum mitbestimmenden Subjekt. Das ist die eigentliche Revolution. (…) An vielen Stellen brauchen wir deshalb einen Paradigmenwechsel, nicht nur in der Technik. (…) Wenn der Patient selbst bestimmt und fordernd ist, kann das durchaus zeitintensiver werden“, gab Jens Naumann, Vorstandsvorsitzender des bvitg, bei der offiziellen Eröffnung zu bedenken. Dazu war auch der neue Bundesgesundheitsminister gekommen.

Digitale Transformation „nicht erleiden“

„Ich bin ein Überzeugter“, sagte Jens Spahn bei seiner ersten Rede bei der Eröffnung der conhIT. Digitalisierung mache „die Dinge effizienter“. „Wir wollen nicht erleiden, was dabei passiert“, erklärte er. Vielmehr wolle man es schaffen, die guten Chancen, die entstehen, zu nutzen. Und: Der Bundesgesundheitsminister sprach sich für Blockchain aus. „Es geht dabei darum, konkrete Anwendungen möglich zu machen. (…) Deutschland wird ein Land sein, das zeigt, dass wir ganz konkrete Anwendungen haben.“ Aus der IT-Werkstatt zum Thema Blockchain u.a. mit Experten von Seiten der Industrie ging laut Aussage der Veranstalter als Fazit hervor, dass Blockchain von der Mehrheit (noch) als Hype qualifiziert wird.

Auch die Telematikinfrastruktur, die bei so vielen Angesprochenen zunächst einmal mit Stirnrunzeln bedacht wurde, fand ihren Platz auf der conhIT. Einige Aussteller legten ihren Schwerpunkt darauf, jedoch bleibt nach wie vor die Frage der Umsetzung. Laut einem offiziellen Statement der conhIT hat sich der bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) für IT zuständige Vorstand Dr. Thomas Kriedel gegen das zuletzt wieder zunehmende „Bashing“ der Gematik, der Betreiberorganisation der Selbstverwaltung für die Telematikinfrastruktur ausgesprochen. Nicht die Gematik, sondern die Politiker seien schuld daran, dass die Digitalisierung des Gesundheitswesens im Schneckentempo erfolge: „Als Gematik-Insider kann ich nur sagen: Die Politik hat uns nicht den Rahmen gegeben, schneller zu entwickeln“, so Kriedel.

Das Geschäftsmodell muss „Heilung“ lauten – nicht Digitalisierung

„Digitalisierung ist kein Geschäftsmodell. (…) Digitalisierung ist wertlos, wenn ich keine Prozessstrategie von Managementebene habe“, erklärte Prof. Dr. Kurt Marquardt, Universitätsklinikum Gießen und Marburg bei der Session „Neue Geschäftsmodelle für Krankenhäuser durch Digitalisierung“. Marquardt stellte die Strategie seines Hauses dar, die sich auf Inspiration aus der Automobilindustrie stützt. „Es gibt keine Leitlinie für erfolgreiche Geschäftsmodelle. Wir müssen uns der Heterogenität stellen. Es gibt nur ein Versorgungsmodell, das Berechtigung hat, das ist die Heilung.“ 

„Externe Daten sagen viel mehr, als die, die wir nach der Entlassung haben. Diese müssen interoperable zur Verfügung gestellt werden“, forderte Dr. Peter Gocke, Chief Digital Officer der Charité Universitätsmedizin Berlin. Er sprach über Health Information Management als Basisbaustein zur digitalen Transformation in Krankenhäusern. Gemäß dem Motto des diesjährigen conhit: Transforming Healthcare.

„Disruptive Ansätze sind erfolgreich“, glaubt Christian Klose, Chief Digital Officer der AOK Nordost. Was nicht nur für Start-ups gelte: „Wir müssen digitales Denken und Agieren als normal erachten.“

Ob das bei der kommenden conhIT 2019 bereits so sein wird? Wir dürfen gespannt sein; dann auch auf das Format der Health-IT-Veranstaltung. An unterschiedlichen Stellen war zu vernehmen, dass eine Änderung des Konzeptes angedacht wird. Jedenfalls darf man sich den 9. bis 11. April 2019 bereits in den Kalender eintragen.

conhIT 2018
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