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Pflegeforschung an der Universität Augsburg Wie steht es um die palliative Versorgung in der Pflege?

Das Zentrum für Interdisziplinäre Gesundheitsforschung an der Uni Augsburg und das Institut für Praxisforschung und Projektberatung München nehmen die Umsetzung hospizlich-palliativer Angebote in stationären Pflegeeinrichtungen unter die Lupe. Dafür ist vor kurzem eine bundesweite Onlineumfrage alle Leitungskräfte stationärer Pflegeeinrichtungen gestartet.

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Wie steht es um die palliative Versorgung in der Pflege?
Eine neue Forschung an der Universität Augsburg untersucht die Hospizkultur und Palliativkompetenz im Alltag der stationären Pflege. -

Eine bundesweite Bestandsaufnahme der Umsetzung hospizlich-palliativer Angebote in den stationären Pflegeeinrichtungen ist das Ziel des Zentrums für Interdisziplinäre Gesundheitsforschung (ZIG) an der Universität Augsburg und des Instituts für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) München. Dafür ist gerade eine bundesweite Onlinebefragung aller Leitungskräfte stationärer Pflegeeinrichtungen gestartet. In einer zweiten Stufe sollen vertiefte Fallstudien zusammen mit Heimen durchgeführt werden, die einen genaueren Blick auf die jeweiligen hemmenden und fördernden Bedingungen vor Ort geben sollen.

Sterbebegleitung ist eine wichtige Aufgabe der Altenpflege und gehört somit zu den Kernkompetenzen deren Personals. Immer mehr wird auch eine hospizlich-palliative Versorgung in der Sterbephase gefordert. Wie sieht es damit im Alltag stationärer Pflegeeinrichtungen aus? Gibt es ausreichend Pflege- und Leitungskräfte mit einschlägigen Zusatzqualifikationen? Sind Hausärzte zur Kooperation bereit? Gibt es Palliativnetzwerke in der Region, mit denen die Einrichtungen zusammenarbeiten können? Und woher nehmen die Einrichtungen die notwendigen Ressourcen? Diesen und weitere Fragen geht das Projekt des ZIG und IPP in München nach.

Bundesweite Vollerhebung soll Aufschluss geben

Mit dem Forschungs- und Praxisprojekt „Sterben zuhause im Heim (SiH) – Hospizkultur und Palliativkompetenz in der stationären Langzeitpflege“ ist zum einen eine bundesweite Bestandsaufnahme der Umsetzung hospizlich-palliativer Angebote in den stationären Pflegeeinrichtungen gestartet, zum anderen will das Projekt Antworten darauf finden, welche Hürden dafür überwunden werden müssen und wie dies gelingen kann. „Mit einer bundesweiten Vollerhebung sowie vertiefenden Fallstudien soll das Thema erstmals auf eine sichere und umfassende Datenbasis gestellt werden“, so der Augsburger Soziologe Prof. Dr. Werner Schneider, der das Projekt leitet und seit den 1990er Jahren über Sterben und Tod, Hospiz- und Palliativversorgung forscht. Vor dem Hintergrund des im Dezember 2015 verabschiedeten Hospiz- und Palliativgesetzes (HPG) sollen Handlungsempfehlungen für eine qualitativ hochwertige Umsetzung des Hospiz- und Palliativgedankens in der stationären Pflege entwickelt werden.

Erste Ergebnisse: Weiterbildung spielt eine wichtige Rolle

Erste Ergebnisse aus ausführlichen Interviews mit Experten aus der stationären Pflege, dem Hospiz- und Palliativbereich sowie mit Hausärzten liegen bereits vor. Helga Dill vom IPP fasst die wichtigsten Punkte zusammen: „Für eine erfolgreiche Implementierung von Hospizkultur und Palliativkompetenz in der stationären Pflege ist es unabdingbar, dass die Leitung dahintersteht, ein Budget für Fort- und Weiterbildung zur Verfügung steht, im Haus bereits Qualitätsmanagement für die Kernprozesse eingeführt ist und Hausärzte kooperieren, die palliativmedizinisch geschult sind. Und eine wichtige Rolle spielen hier auch Kommunen sowie regionale Netzwerke.“

Befragung und Fallstudien liefern tiefergehende Einblicke

Wie sich der aktuelle Zustand in der stationären Pflege bundesweit darstellt, soll eine quantitative Onlinebefragung der Einrichtungsleitungen erheben, die ab Anfang November 2016 durchgeführt wird. Datenbasis hierfür sind die auf heimverzeichnis.de gelisteten mehr als 11.000 Einrichtungen. Dabei komme es v.a. darauf an, möglichst viele Einrichtungsleitungen für die Befragung zu gewinnen. Parallel dazu sollen Fallstudien in verschiedenen Pflegeeinrichtungen durchgeführt werden, um die Einführung und Etablierung von Hospizkultur und Palliativkompetenz im Pflegealltag vor Ort in den Heimen in der Tiefe zu beleuchten.  

Das Projekt wird von den Spitzenverbänden der Heimträger (freie Wohlfahrtspflege, private und öffentliche Anbieter) unterstützt. Finanziell gefördert wird es vom Bundesministerium für Gesundheit aufgrund eines Beschlusses des Bundestages.

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