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Social-Media-Recruiting und Active Sourcing Wie Sie im War of Talents die Nase vorn haben

Bis zu 950.000 Stellen bleiben laut Prognosen im Gesundheitswesen bis ins Jahr 2030 unbesetzt. Viele Healthcare-Einrichtungen nutzen daher die sozialen Medien, um Kandidaten zu suchen oder direkt anzusprechen. Schlagworte wie Social-Media-Recruiting und Active Sourcing erobern den Fachjargon. Wie kann die erfolgreiche Suche und Ansprache gelingen?

Themenseiten: Personalien, Personalentwicklung und Social Media

Es klingt ganz einfach. Man erstelle ein aussagekräftiges Profil in sozialen Netzwerken wie Facebook, XING oder Linked­In und spreche über Anzeigen in den Netzwerken geeignete Bewerber an. Beispiele innovativer Start-ups wie Phantominds aus Hamburg zeigen, dass v.a. systemgesteuertes Active Sourcing ein erfolgversprechender Ansatz für Social Media Recruiting ist. Für eine der geburtenstärksten Kliniken Deutschlands konzipierte das Unternehmen Facebook-Recruiting-Kampagnen. Mit einem Budget von circa 1.000 Euro konnten 35 Leads, ernsthaft interessierte Bewerber, angesprochen werden. Dabei erreichte die Kampagne über 63.000 Menschen und erzielte über 200 Beitragsreaktionen aus Likes und Kommentaren. Über ein Reporting erhielt das Haus die Kontaktdaten und konnte direkt in Interaktion mit den Kandidaten treten. Die Kosten pro Lead sprechen eine deutliche Sprache: circa 29 Euro.

Active Sourcing reicht für erfolgreiches Recruiting nicht aus

Was sich einfach und kostengünstig anhört, führt bei näherer Betrachtung zu einem echten Paradigmenwechsel im Recruiting. Erfolge feiert künftig der, der seine Hausaufgaben im Vorfeld gemacht hat, aktiv auf potenzielle Kandidaten zugeht und den Community-Gedanken der sozialen Netzwerke wirklich lebt. Aktiv auf Kandidaten zugehen? Sollen sich Bewerber nicht beim Arbeitgeber auf eine Print- oder Onlineanzeige bewerben? Genau hier liegt der angesprochene Paradigmenwechsel.

Wer mit Social-Media-Recruiting bzw. Active Sourcing nachhaltig erfolg­reich sein will, der kommt nicht umhin, grundlegende Veränderungen im Bewerbungsprozess herbeizuführen. Rekrutierung kann die Personalabteilung nicht mehr „nebenbei“ und „allein“ machen – dieser Irrglaube ist fatal. Um alle Maßnahmen zum Erfolg zu bringen, braucht es die nötigen Kapazitäten und Qualifikationen innerhalb der Personalabteilung sowie ein abteilungsübergreifendes Teamwork aller Fachabteilungen.

Denn weder die Einführung eines Bewerbermanagementsystems noch eigens aufgelegte Programme zur Arbeitgeberattraktivität, verhelfen nachhaltig zu einer Erhöhung der Bewerberzahlen. Stolpersteine für den Erfolg sind aufwändige, langwierige Rekrutierungsprozesse und ungeklärte Zuständigkeiten zwischen Personalabteilung und Fachabteilungen.

Mangelnde Konsistenz der Arbeitgebermarke im Außenauftritt und in der Binnensicht vergraulen viele neu eingestellte Mitarbeiter. Sie werfen nach kurzer Zeit das Handtuch, wenn sie feststellen, dass der nach außen getragene Schein in der Innensicht trügt. Denkt man an die Kosten pro Bewerber, verlieren Einrichtungen hier viel Geld. Das Ziel muss deshalb lauten: Mitarbeiter halten, statt verwalten! Ganz wie im klassischen Vertrieb.

Rückgrat für erfolgreiches Bewerbermanagement

Voraussetzung für den Erfolg jeglicher Recruitingmaßnahmen inklusive Social-Media-Recruiting und Active Sourcing sind nicht nur grundlegende Veränderungen im Bewerbungsprozess, sondern auch eine konzertierte „Aufräumaktion“ im Inneren und im Außen der Arbeitgebermarke.

Wie führen nun ineinandergreifende Prozesse und Maßnahmen zum Erfolg von Social-Media-Recruiting und Active Sourcing? Unabdingbar ist es, sich die eigenen Prozesse genau anzuschauen und dazu alle Beteiligten einzubinden. Es ist extrem wichtig, die Prozesse aus der Bewerbersicht zu betrachten und sich mit Blick auf die nach außen gerichtete Arbeitgeberattraktivität Fragen zu stellen, wie beispielsweise:

  • Welche Erwartungen und Vorstellungen hat der Bewerber?
  • Welche Berührungspunkte gibt es während des Prozesses mit dem Bewerber sowie mit Fach- und Führungskräften?

Im Inneren muss die Arbeitgeberattraktivität genauso stimmig sein. Es lohnt sich, einen Blick hinter die eigenen Kulissen zu werfen und zu überlegen: Was läuft heute gut? Was könnte man optimieren? Natürlich aus Sicht der Führungskräfte und der Mitarbeiter. Hier sollten die fachlichen Aufgaben Hand in Hand mit den Führungskräften geklärt werden. Daran anknüpfend ist zu klären, wo man ansetzen muss, um Veränderungen herbeizuführen und eine nach innen und außen stimmige Arbeitgebermarke zu präsentieren.

Der richtige Kanal oder: nicht wahllos Anzeigen schalten!

Einer der bedeutendsten Faktoren für den Erfolg von Rekrutierungsmaßnahmen ist darüber hinaus die Art und Weise wie und auf welchen Kanälen gesucht wird. Das althergebrachte Prinzip, Anzeigen in Print- oder Online-Medien zu schalten und darauf zu hoffen, dass sich die richtigen Bewerber schon melden, hat ebenfalls ausgedient. Es gilt zu analysieren, über welche Kanäle die richtigen Bewerber zu ihrem potenziellen Arbeitgeber finden.

Aufbau einer Bewerbercommunity für nachhaltiges Recruiting

Über das Active Sourcing sollten auch diejenigen aktiv angesprochen werden, die aktuell (noch) nicht auf der Suche sind, die aber innerlich auf dem Weg sind und erst später in die aktive Suche nach einer neuen Stelle einsteigen. Sie sind der erste Baustein für den Aufbau einer Bewerbercommunity. Denn mit Active Sourcing erreichen Healthcare-Einrichtungen nicht nur Bewerber, die bereits innerlich gekündigt haben, sondern schaffen es, über den Aufbau einer „Community“ deutlich früher mit potenziellen Bewerbern in Kontakt zu treten. So haben die Einrichtungen im War of Talents die Nase vorn. Dabei gilt es natürlich, die „Community“ zu hegen und zu pflegen – also in regelmäßigem Kontakt mit den potenziellen Kandidaten zu bleiben. Dazu sollten die verschiedenen Fachbereiche in die „Pflege“ der Kandidaten eingebunden werden. Der Bewerbungsprozess wird zum Beauty Contest und somit immer mehr zu einem Vertriebsprozess für das eigene Haus. Wer hier glänzt, wird nachhaltig für seine Recruitingbemühungen belohnt und nutzt die Chance, die der Paradigmenwechsel bietet.

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