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Krankenhausfinanzierung Wie Sie eingefrorenes Kapital freisetzen

Siemens Financial Services hat ein Whitepaper veröffentlicht, in dem alternative Finanzierungs­möglichkeiten vorgestellt werden, die Krankenhäusern helfen sollen, ihre Leistungen – trotz Ressourcendruck – zu verbessern. HCM hat nachgefragt und Erklärungen erhalten.

Topic channels: Krankenhausfinanzierung und Controlling
Wie Sie eingefrorenes  Kapital freisetzen
Schätzwerte des eingefrorenen Kapitals. -

Gesundheitssysteme, die von der öffentlichen Hand finanziert werden, stehen unter Druck. Sie sollen aufgrund des allgegenwärtigen Ressourcenmangels, der sowohl Personal als auch Finanzen anbelangt, ihre Ausgaben einschränken, aber zugleich in zukunftstaugliche Technik investieren, um ihre Versorgungserfolge zu verbessern. Gerade die Investition zu neuen Technologien stellt dabei oft eine erhebliche Herausforderung dar, wenn aus unterschiedlichen Gründen z.B. Betriebskosten eingespart werden sollen. Laut dem Whitepaper „Gesundheitssysteme entlasten“ von Siemens Financial Services (SFS) versuchen Gesundheitssysteme weltweit, verstärkt auf alternative Finanzierungslösungen zu setzen, „um zumindest einen Teil ihres Kapitalbedarfes zu decken“. In Zusammenarbeit mit Führungskräften aus dem Gesundheitssektor und Unternehmensberatern aus 14 Ländern hat SFS ein indikatives Modell zu Ressourcendruck und erzieltem Behandlungserfolg entwickelt. Der daraus errechnete Healthcare Value Indicator (HVI, siehe Grafik rechts) zeigt den Wert an, den ein Gesundheitssystem liefert. Um den HVI zu verbessern, fehlt es in vielen Gesundheitssystemen an Kanpital für neue Technologien. Aus Steuergeldern gespeiste Budgets sind laut SFS nicht in der Lage, die so entstandenen Investitionshindernisse zu überwinden. Doch: „Durch die stärkere Nutzung von alternativen Finanzierungsmöglichkeiten können Gesundheitssysteme ihr eingefrorenes Kapital (siehe Grafik) freisetzen. Welche das sind und wie deutsche Einrichtungen diese nutzen können, erklärt Kai-Otto Landwehr im HCM-Interview.

HCM: Herr Landwehr, in welchen Bereichen verspürt das deutsche Gesundheitswesen den größten Druck?

Landwehr: Besonders Krankenhäuser in öffentlicher und freigemeinnütziger Trägerschaft sind vom Investitionsdruck betroffen. Häufig fehlt das Geld für neue Medizintechnik, für Hardware und Software. Auch die Gebäudetechnik ist betroffen. Und: Die steigende Anzahl älterer Patienten mit entsprechenden Krankheitsbildern führt zu hohen Belastungen. Der Druck wächst ebenso, wenn es um die Diagnose und Behandlung chronischer Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs geht.

HCM: Wie gehen Entscheider hierzulande damit um und warum ist das u.U. nicht richtig?

Landwehr: Durch den hohen Innovationsdruck steigt die Belastung durch eingefrorenes Kapital. Das Festhalten an klassischen Beschaffungsmodellen wird zum immer größeren Risikofaktor. Stellenweise verändert sich die Art der Beschaffung weg von der klassischen Investition in Anlagegüter hin zu flexiblen Technologiepartnerschaften, die über einen längeren Zeitraum (z.B. zehn Jahre) Technologien zum jeweiligen Stand der Technik sicherstellen. Dies entspricht immer mehr einem Servicemodell, mit dessen Hilfe sich ein „Einfrieren“ des Kapitals reduzieren lässt.

HCM: In welchen Bereichen liegt in Deutschland das eingefrorene Kapital und wie kann man dort ansetzen?

Landwehr: Das eingefrorene Kapital liegt größtenteils in betrieblichen Ausgaben. Durch alternative Finanzierungslösungen können betriebliche Einsparungen, z.B. bei Energiekosten, laufend in Erneuerungen investiert werden. Darauf beruhen Pay-for-Outcome-Lösungen: Hier wird darauf gebaut, dass Digitalisierung und der Erwerb neuer Technologien einerseits zu einer höheren Behandlungsnachfrage und andererseits zu einer verbesserten Diagnostik und damit weniger Langzeitbehandlungen führen werden. Die monatlichen Zahlungen für den Erwerb der Technologie können dann durch die erzielten Einsparungen und Erträge abgedeckt werden.

HCM: Welche alternativen Finanzierungsmöglichkeiten empfehlen Sie auf Basis der SFS-Untersuchungen für deutsche Einrichtungen?

Landwehr: Welche Finanzierungsform die beste ist, muss individuell entschieden werden. Die größte Herausforderung für deutsche Einrichtungen liegt in mangelndem Kapital, das z.B. in neue Technologien im Bereich Diagnostik/medizinische Bildgebung und Therapiesysteme, in der gesamten klinischen Labordiagnostik, in der Informations-, Software- und Kommunikationstechnologie sowie in Erneuerungen in der Gebäudetechnik investiert werden kann. Daher würden für viele Gesundheitseinrichtungen maßgeschneiderte Zahlungspläne, Leasing in verschiedenen Ausgestaltungsmöglichkeiten, Nutzungsverträge inklusive Wartung, Mietkauf oder Energiespar-Contracting von Vorteil sein. Das Wichtigste ist jedoch, einen Finanzierungspartner zu finden, der versteht, welchen Nutzen bestimmte Investitionen haben und wie diese nachhaltig finanziert werden können.

HCM: Wie können deutsche Einrichtungen auf alternative Finanzierungsmöglicheiten umschwenken?

Landwehr: In Deutschland muss ein Umdenken stattfinden. Statt sich auf Mittel der Bundesländer und Eigenkapital zu verlassen, sollten Investitionen als Chance und laufende Ausgaben verstanden werden, die flexibel über spezialisierte Anbieter finanziert werden können. Mit individuellen und bedarfsgerechten Zahlungsplänen können Perspektiven für Innovationen und mehr Wirtschaftlichkeit eröffnet werden. Flexible Zahlungspläne und alternative Finanzierungsmöglichkeiten sollten statt Einmalinvestitionen (Kauf) gleich von Beginn mit eingebunden werden.

HCM: Sind alternative Finanzierungsmodelle eher ein Thema, das in der Einrichtung oder eher auf politscher Ebene diskutiert werden sollte?

Landwehr: Beides. Aber Einrichtungen sollten unabhängig von politischen Entscheidungen flexible Investitions- und Finanzierungsstrategien entwickeln, um mit den technologischen Entwicklungen Schritt halten zu können.

Eine Übersicht der von SFS vorgeschlagenen Finanzierungsmethoden finden Sie mit einem Klick hierauf exklusiv zum Download.


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