Analyse Wie KI stationäre Gesundheitsversorgung unterstützt

Nur 30 Prozent der medizinischen Führungskräfte in Deutschland setzen auf Künstliche Intelligenz (KI). Ein Expertenteam von PwC analysiert die Hürden bei der Umsetzung im stationären Bereich.

Im neuen Whitepaper der PwC sollen die Vorteile beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz verdeutlicht werden. – © lassedesignen – stock.adobe.com

Im Zuge der Digitalisierung kommen in deutschen Krankenhäusern immer häufiger intelligente Systeme zum Einsatz. Mit Hilfe von KI können z.B. Operationen so optimiert werden, dass der Einsatz von Blutplasma und -konserven minimiert wird. Das hilft den Patientinnen und Patienten und schont finanzielle sowie lebensrettende Ressourcen. Chatbot-Apps führen automatisch die Anamnese durch und leiten daraus Diagnosen und Therapievorschläge ab, Robotersysteme assistieren bei komplexen Eingriffen im OP und die Untersuchung von Blut- und Gewebeproben im Labor läuft vollautomatisiert ab. „Durch smarte Technologien können Arbeitsabläufe in Krankenhäusern und Kliniken – wie auch in Arztpraxen und bei Krankenkassen – effizienter gestaltet werden, sodass mehr Zeit für Kernaufgaben bleibt“, kommentiert Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswesen bei PwC Deutschland. Eine KI könne große Datenmengen schnell analysieren und Zusammenhänge ableiten, um die Versorgungspraxis zu verbessern und das medizinische Personal zu entlasten.

Diese Ergebnissen haben Expertinnen und Experten von PwC in einem aktuellen Whitepaper zusammengefasst. Dort wird beleuchtet, welche Potenziale KI für den Krankenhaussektor haben. Zudem skizziert das Expertenteam die größten Herausforderungen, die mit der Implementierung von KI einhergehen – und wie Kliniken diese in den Griff bekommen können. Bereits 2017 kam PwC in einer Studie zu dem Ergebnis, dass sich durch den großflächigen Einsatz von KI in Europa die Gesundheits- und Folgekosten für Demenz, Brustkrebs und kindliche Adipositas innerhalb von zehn Jahren um fast 180 Milliarden Euro senken ließen. Doch um all diese Vorteile nutzen zu können, müssen Krankenhäuser einige Hürden überwinden.

Hürden für KI im stationären Bereich

Die folgenden Punkte stellen die größten Herausforderungen für den Einsatz von KI im stationären Bereich dar:

  • Digitalisierungsstrategie
  • Mangelnde Datenqualität
  • Fehlende Fachkompetenz für KI
  • Komplexe Rahmenbedingungen
  • Finanzierung
 

Vielen Krankenhäusern fehle es laut PwC an einer ganzheitlichen Digitalisierungsstrategie mit konkreten Zielen, Projektschritten und einer Erfolgsmessung. Zudem lasse die Datenqualität zu wünschen übrig: In Krankenhäusern entstehe jeden Tag eine Fülle von Daten, die sich nur mit KI nutzenstiftend auswerten lassen. „Dafür müssen die Daten jedoch qualitativ hochwertig, leicht verfügbar und nutzbar für KI Anwendungen sein. Das ist oftmals nicht der Fall“, berichtet Hendrik Reese, PwC-Experte für KI. Die Fachkompetenz für KI fehle im Großteil der deutschen Krankenhäuser. Schwer falle den Häusern auch die Auswahl eines geeigneten Anbieters von intelligenten Systemen. Auch fehlende Akzeptanz der Belegschaft steht einem Einsatz von KI im Weg. Dazu kommen die komplexen ethischen und regulatorischen Rahmenbedingungen für den KI-Einsatz. Nicht zuletzt erschweren Fragen der Finanzierung den Einsatz im Krankenhaus. Für viele Häuser sei es schwer zu berechnen, welches Einsparpotenzial geboten wird.

KI als Antwort auf die großen Herausforderungen

„Von den ersten Überlegungen bis zum reibungslosen Einsatz von KI im Versorgungsalltag ist es ein langer Weg. Damit diese Transformation gelingt, braucht es eine strategische Roadmap“, resümiert Reese. Der KI-Experte räumt ein, dass die Technologie durchaus auch Gefahren birgt: „Eine Risikoanalyse hilft dabei, Gefahrenquellen zu identifizieren, Eintrittswahrscheinlichkeiten zu ermitteln und verschiedene Szenarien durchzuspielen.“

Am Ende überwiegen die Vorteile, ist Burkhart überzeugt: „KI kann dazu beitragen, eine hohe Versorgungsqualität zu gewährleisten und die steigenden Gesundheitsausgaben zu begrenzen. Insofern ist sie eine passende Antwort auf die großen Herausforderungen des Gesundheitswesens: den Fachkräftemangel, die wachsende Zahl chronischer Erkrankungen und den demografischen Wandel.“

Förderanträge noch bis 2021 einreichen

„Das Potenzial von KI im Gesundheitswesen ist riesig. Doch bei der Integration von KI-Anwendungen in den medizinischen Alltag sind viele Führungskräfte zögerlich“, berichtet Burkhart. Mit Blick auf das im Oktober 2020 im Bundesrat gebilligte Krankenhaus-Zukunftsgesetz (KHZG), das Digitalisierungs- und Transformationsprojekte in Klinken fördern soll, müssen Förderanträge noch im Jahr 2021 gestellt und die bewilligten Projekte bis 2024 umgesetzt sein.

Das Whitepaper zur Analyse steht hier zum Download bereit.