KHZG Wie Kliniken ein integriertes, digitales Versorgungssystem aufbauen

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Für eine vernetzte und digitale Gesundheitsversorgung braucht es eine langfristige Strategie. KHZG-Mittel können hierfür einbezogen werden. Welche Potenziale sich dadurch ergeben, zeigt das Beispiel Schweden.

KHZG vernetzte digitale Versorgung
Das KHZG bildet eine solide Grundlage für ein vernetztes digitales Versorgungssystem. – © sdecoret (stock.adobe.com)

Um die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzuteiben, listet das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) elf Fördertatbestände auf und der Staat steuert 4,3 Milliarden Euro bei. Die Vergabe der Mittel ist angelaufen und die bewilligten Maßnahmen haben das Potenzial, die deutsche Kliniklandschaft nachhaltig zu verändern. Die KHZG-Kriterien fordern u.a. die Interoperabilität der Systeme, die Aufgliederung in elf Fördertatbestände birgt dennoch die Gefahr, dass voneinander isolierte Lösungen entstehen, was dem Grundgedanken der Digitalisierung entgegensteht: Eine digitale Krankenhauslandschaft muss eine vernetzte sein.

Wie entscheidend eine integrierte Strategie für die Gesundheitsversorgung in Deutschland ist, zeigt ein Blick auf die Ergebnisse des im Februar veröffentlichten DigitalRadars. Hier schnitten gerade jene Bereiche, die eine intensive Vernetzung erfordern, vergleichsweise schlecht ab: Informationsaustausch, Telemedizin und Patientenpartizipation. Von 100 möglichen Punkten erreichte der Informationsaustausch 25 und die Umsetzung von Telemedizin nur 18 Punkte. Die Patientenpartizipation schnitt mit nur fünf Punkten ab.

Interoperable Digitalstrategie entwickeln

Der Wille zur Digitalisierung ist da: Bis zum Ende der Antragsfrist im Dezember 2021 haben Krankenhäuser und Kliniken fast die vollständige KHZG-Fördersumme beantragt. Offen bleibt oft die Frage, wie die KHZG-Gelder konkret verwendet werden sollten, um eine wirkungsvolle Digitalstrategie zu entwickeln und umzusetzen.

Das KHZG regelt diesbezüglich einige Muss-Voraussetzungen. So müssen Krankenhäuser bis spätestens 2025 ein Patientenportal zur Durchführung einer digitalen Anamnese oder Online-Terminvereinbarung, eine digitale Behandlungsdokumentation, ein digitales Entscheidungs-Unterstützungssystem und ein digitales Leistungsmanagement vorweisen können. Damit das Abhaken dieser Kriterien jedoch nicht nur ein Mittel zum Zweck wird und die Maßnahmen einen wirklichen Mehrwert schaffen, bedarf es Lösungen, die die individuellen Gegebenheiten eines jeden Hauses berücksichtigen:

  1. Kliniken sollten sich von vornherein bewusst sein, was genau sie mit digitalen Lösungen überhaupt erreichen wollen.
  2. Sie sollten die Frage beantworten: Wo können Abläufe digitalisiert und damit effizienter gestaltet werden?
  3. Ebenso sollten sie überlegen, wo Prozesse digital ausgelagert werden können um für eine Entlastung des Personals zu sorgen.
  4. Die Digitalisierung sollte nicht um der Digitalisierung Willen umgesetzt werden, sondern mit dem klaren Ziel, die eigene Wirtschaftlichkeit und Versorgungsqualität zu optimieren.

Integrierte Versorgung am Beispiel Patientenportal

Ein digitales Patientenportal kann zum zentralen Element der Patientensteuerung für Krankenhäuser werden. Als Schnittstelle zwischen Krankenhausverwaltung, medizinischem Personal sowie Patientinnen und Patienten nutzt es die Möglichkeiten der Digitalisierung, um Prozesse einfacher und effizienter zu gestalten, damit medizinisches sowie pflegerisches Personal mehr Zeit für die Versorgung hat. Denn gerade der Faktor Zeit ist für Mediziner und Medizinerinnen von essenzieller Bedeutung. So haben Ärztinnen und Ärzte in Deutschland für Patienten und Patientinnen oft nur etwa knapp acht Minuten Zeit. Mit Blick auf den Verwaltungsaufwand kann mit einem Patientenportal genau die gleiche Zeit pro zu Behandelndem eingespart werden. Im Ergebnis werden die Kapazitäten des medizinischen Personals also dorthin gelenkt, wo sie gebraucht werden: zu den Patientinnen und Patienten.

Damit ein Patientenportal seinen Zweck erfüllen kann, muss die Integration in das bestehende Krankenhaus-IT-System gewährleistet sein. Nur auf diesem Wege können die Prozesse wirklich ineinandergreifen und die Interoperabilität sichergestellt werden. Dafür benötigt es offene Schnittstellen und einfach zu integrierende Software.

Was Deutschland von Schweden lernen kann

Was eine integrierte digitale Gesundheitsversorgung für Potenziale bieten kann, zeigt Schweden. Hier ist das Gesundheitssystem in den meisten Regionen bereits vollständig digitalisiert – und das mit großem Erfolg. Zahlen von 24Health, einem großen skandinavischen Anbieter für Telemedizin-Dienstleistungen zeigen, dass 20 Prozent der schwedischen Patientinnen und Patienten keine direkte ärztliche Beratung mehr benötigen. Nach der digitalen Anamnese und Ersteinschätzung können sie sich mit entsprechenden Empfehlungen selbst behandeln. Weitere etwa 30 bis 40 Prozent können vollständig digital versorgt werden – zum Beispiel durch den Einsatz von Videotelefonie oder Chat. Bei den übrigen dient ein Patientenportal u.a. dazu, einfache administrative Aufgaben auszulagern, um sie anschließend an die richtigen medizinischen Expertinnen oder Experten zu verweisen. Damit wird die Behandlung für zu Behandelnde und Ärzteschaft zielgerichteter gestaltet. Auch die elektronische Patientenakte und das elektronische Rezept sind seit der Digitalisierungsoffensive im Jahr 2016 vollständig integriert und tragen zum „digital first“-Ansatz des Landes bei. Schwedens Weg in die digitale Gesundheitsversorgung hat die Kommunikation der Versorger untereinander verbessert und damit ein effektiveres Zuweisermanagement ermöglicht. Zudem profitieren die Patientinnen und Patienten u.a. von geringeren Wartezeiten.

Was Schweden so erfolgreich umgesetzt hat, ist auch in Deutschland möglich. Das KHZG bildet eine solide Grundlage für ein effizientes digitales Versorgungssystem. Es liegt nun einerseits an den Krankenhäusern, die Chance zu nutzen und einen Mehrwert aus der Digitalisierung zu ziehen, andererseits sind aber auch die Anbieter digitaler Lösungen gefragt, die Digitalisierung für Krankenhäuser und Kliniken in einem komplexen Umfeld einfach umzusetzen.