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Lesetipp Wie finden wir den Weg aus der Pflegekrise?

Die Herausforderungen der Pflege sind immens. Die Arbeitsbedingungen müssen sich verbessern, Qualifikationen und Kompetenzprofile der Pflegenden sind zu modernisieren. Deswegen hat die Stiftung Münch am Institut für Gesundheit und Pflegewirtschaft der Charité – Universitätsmedizin in Berlin eine Studie durchgeführt. Untersucht wurde, inwieweit wir von Pflegemodellen aus anderen Ländern lernen können. Die Ergebnisse werden in einem Buch zusammengefasst.

Insgesamt wurde die Situation in vier Ländern untersucht. Diese waren Großbritannien, Schweden, Kanada und die Niederlande. Anhand der Auswertung wurde eine Handlungsempfehlung erstellt, wie dem Reformbedarf in Deutschland begegnet werden kann. Grundlage der Auswertung bildeten sieben Fragen:

  1. Wie ist die Pflege in anderen Ländern grundsätzlich organisiert und wie reagiert sie auf den steigenden quantitativen und qualitativen Bedarf an Versorgungsleistung?
  2. Wie sind die Aufgaben und Verantwortlichkeiten innerhalb der Pflege sowie zwischen der Pflege und anderen Gesundheitsprofessionen verteilt?
  3. Wie wird in anderen Ländern mit den Herausforderungen bei der Gewinnung und Bindung von Pflegepersonal umgegangen?
  4. Welche Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie Entwicklungs- und Aufstiegsoptionen gibt es in der Pflege in anderen Ländern?
  5. Werden moderne Technologien, Digitalisierung und Robotik eingesetzt, um das Pflegepersonal zu unterstützen und in welcher Weise und mit welchen Erfahrungen geschieht das ggf.?
  6. Welche innovativen Konzepte zur Berufstätigkeit in der Pflege gibt es und wie wird dabei mit anderen Gesundheits- und Sozialberufen, mit Familie, Ehrenamt und Zivilgesellschaft kooperiert?
  7. Und welche Konzepte und Innovationen können ggf. auf Deutschland übertragen werden?

Auf insgesamt 173 Seiten veranschaulicht die Studie die unterschiedlichen Pflegemodelle der einzelnen Länder. Die Grundlage der Auswertung bildeten hierbei Literaturrecherchen und Befragungen von Experten aus der Pflegepraxis, der Pflegebildung und aus der Pflegewissenschaft.

Viele Unterschiede zum Deutschen Pflegesystem

In den untersuchten Ländern und auch in Deutschland bildet die dreijährige Ausbildung der Pflegefachpersonen die Basis der Ausbildung. Diese findet hauptsächlich im Hochschulsektor stattfindet. Nur die Niederlande bilden zusätzlich im sekundären Bildungssystem aus. In Kanada, Großbritannien und in den Niederlanden besteht außerdem eine Registrierungspflicht, die eine Fortbildungspflicht beinhaltet und regelmäßig erneuert werden muss. Die Vergleichsländer setzen neben Fachpersonal auf Assistenten und Helfer um den steigenden Bedarf zu decken. Außerdem bekommen Pflegeassistenten anspruchsvollere Aufgaben als die in Deutschland. Das geht so weit, dass Pflegende mit erweiterten Kompetenzen in multiprofessionellen Teams mit Ärzten und anderen Vertretern der Gesundheits- und Sozialberufe zusammenarbeiten. Damit die Entwicklung im Bereich der Ausbildung nicht stehen bleibt, werden eine Modernisierung und Regulierung im Pflegeassistenzbereich vorangetrieben.

Im Bereich der Personalgewinnung greifen Kanada, Schweden, Großbritannien und auch die Niederlande sowohl auf die Rekrutierung von ausländischem Pflegepersonal als auch auf Verbesserungen in der Aus- und Weiterbildung zurück. Moderne Technologien werden diskutiert und auch schon teilweise angewendet – gerade wenn es um die Entlastung von Personal geht. Daneben soll auch der Alltag der Bewohner vereinfacht werden.

Systeme lasse sich nicht eins zu eins übertragen

Die Untersuchungen ergaben, dass sich vorgestellte Innovationen nicht direkt auf Deutschland übertragen lassen. Trotzdem kann man im Vergleich mit anderen Ländern etwas lernen. Die abschließende Handlungsempfehlung gibt einen Einblick, wie dem Reformbedarf in Deutschland begegnet werden kann. Dort werden tabellarisch die einzelnen Länder und deren Arbeitsweisen gegenübergestellt. So bekommt der Leser einen guten Überblick über die wichtigsten Eckpunkte. Insgesamt geht das Konzept auf vier Schwerpunkte ein und zeigt einen guten Lösungsansatz auf, um die Pflege in Deutschland attraktiver zu gestalten.

Auf 235 Seiten zeigt das Buch „Pflege in anderen Ländern: Vom Ausland lernen?“ von Dr. rer. medic. Yvonne Lehrmann, Krankenschwester, Dipl. Pflege- und Gesundheitswissenschaftlerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am IGPW, Christiane Schaepe MPH, wissenschaftliche Mitarbeiterin am IGWP, Dr. rer. cur. Ines Wulff, Krankenschwester und wissenschaftliche Mitarbeiterin am IGWP und Univ. Prof. Dr. PH Michael Ewers MPH, Direktor am IGPW, wo Verbesserungspotenzial für das deutsche Pflegemanagement vorherrscht. Es richtet sich an diejenigen, die die Pflege hierzulande voranbringen wollen und Inspiration suchen.

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