Trinkwasserqualität im Krankenhaus Wie ein nachrüstbares System die Warmwasserinstallation optimiert

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Im Klinikum Paul Gerhardt Stift in Lutherstadt-Wittenberg wurde die Warmwassererzeugung und -zirkulation verbessert – für einen hygienisch einwandfreien Zustand und bessere Energiebilanz.

Hycleen Automation System im Paul Gerhardt Stift
Im Krankenhaus Paul Gerhardt Stift sichert das nachgerüstete Hycleen Automation System die Trinkwasserhygiene. – © GF Piping Systems

Das evangelische Krankenhaus Paul Gerhardt Stift ist ein Krankenhaus der Schwerpunktversorgung mit etwa 335 Betten für die ärztlich-pflegerische Behandlung von Patientinnen und Patienten. Eine wichtige Grundvoraussetzung für jedes Klinikum ist hygienisch einwandfreies Trinkwasser, da viele immungeschwächte und somit infektionsgefährdete Personen damit in Kontakt kommen. Neben der Trinkwasserhygiene spielen für die Verantwortlichen des Paul Gerhard Stifts hinsichtlich der Trinkwasseranlage auch die Energieeffizienz sowie die gemäß Trinkwasserverordnung verschärften Dokumentationspflichten der (Temperatur-)Messwerte eine große Rolle.

Nachrüstung des Warmwasser-Trinkwassernetzes

Das Krankenhaus entschied sich daher dazu, die Warmwassererzeugung und -zirkulation zu optimieren. Das Rohrnetz sollte größtenteils erhalten bleiben und hydraulisch abgeglichen werden. Aufgrund der Größe des Leitungsnetzes und einer fehlenden hydraulischen Berechnung im Paul Gerhardt Stift stellte dies eine besondere Herausforderung dar. Als Lösung entschied sich das Krankenhaus für GF Piping Systems und das Hycleen Automation System. Mit diesem System ließ sich die Installation trotz geringer Bestandsdokumentation nachrüsten.

Gefahr für Patientinnen und Patienten: verunreinigtes Trinkwasser

Krankenhäuser zählen zu den Orten mit erhöhten (Trinkwasser-)Hygieneanforderungen. Hier benutzt man das Wasser zur Patientenversorgung, beim Händewaschen vor Operationen, bei der Reinigung von Operationsinstrumenten und Krankenhausutensilien, im Verpflegungsbereich oder bei der Körperhygiene. Wasser enthält von Natur aus Mikroorganismen. Diese oder andere Stoffe dürfen jedoch nicht in gesundheitsschädigenden Konzentrationen darin vorkommen. Um dies sicherzustellen, sind Gebäudebetreiber wie das Krankenhaus gemäß der aktualisierten Trinkwasserverordnung sowie der Doppelrichtlinie VDI 3810 Blatt 2/VDI 6023 Blatt 3 zur richtlinienkonformen Auslegung, Instandhaltung und dem sachgemäßen Betrieb der Trinkwasserinstallation verpflichtet. Bei der Prävention krankheitserregender Bakterien spielen ausreichend hohe Temperaturen und ein optimaler Abgleich aller Warmwasser-Zirkulationsleitungen eine zentrale Rolle. Die permanente Temperaturüberwachung ist dabei einer der wichtigsten Indikatoren für die Sicherstellung der Trinkwassergüte .

Technische Aspekte

46 Zirkulationsregler und zwei zentrale Steuerungsgeräte (Master) kommen in der Anlage zum Einsatz. Diese sollen eine verlässlich funktionierende Hydraulik gewährleisten, damit eine möglichst gleichmäßige Durchströmung der Installation und eine optimale Verteilung der Wärmeenergie (bei Temperaturen von 55 bis 60 Grad) garantiert sind. Dank der neuen Softwareunterstützung ist im Paul Gerhardt Stift jetzt eine detaillierte Überwachung der Temperaturen, auch in den Steigzonen, möglich. Durch die mitlaufende Datenprotokollierung können die Verantwortlichen mit den aufgezeichneten Messwerten und Spülungsprozessen nachweisen, dass sie alle erforderlichen Maßnahmen für eine hygienische Warmwasserversorgung im Gebäude getroffen haben.

Um einen permanenten Abgleich in allen Strängen und somit eine konstant hohe Wassertemperatur über 55 Grad zu gewährleisten, bietet das Hycleen Automation System mehrere Möglichkeiten für einen automatisierten hydraulischen Abgleich. Das Ziel des Systems ist, die Anlage so in einem Zustand zu halten, der zuverlässig einem gesundheitsgefährdenden Legionellenwachstum entgegenwirkt. Mit dem neuen Zirkulations-Regelsystem von GF Piping Systems sind jetzt sowohl Spülapplikationen als auch die Regelung der Zirkulation in einem zentralen System gebündelt.

Trinkwasserhygiene zentral gesteuert

Die Software des Hycleen Automation Systems ist kompatibel mit den gängigen Gebäudeleittechnik-Systemen. Die Schnittstellen für REST-API und BACnet IP sind in der Hardware vorhanden und können freigeschalten werden. So ließ sich auch in diesem Fall das Hycleen Automation System in die bestehende Gebäudeleittechnik des Anbieters Siemens integrieren. Mit dem Steuerungsgerät Hycleen Automation Master können die Verantwortlichen die Sanitärtechnik per Touchscreen direkt am Einbauort bedienen. Neben den bereits vorinstallierten Anwendungen können die Nutzer über das Steuerungspanel auch ohne Programmieraufwand weitere Programme abhängig von der Zeit, der Temperatur, den Sensorwerten sowie externen Daten hinzufügen. Das System macht eine manuelle Einstellung an Ventilen oder Sensoren unnötig.

Automatische Spülungen und Reinigung sichern Trinkwasserqualität

Um die Ablagerung von Stoffen wie Kalk zu vermeiden, kann beispielsweise einmal pro Woche automatisch ein Reinigungsprozess gestartet werden. Alle Ventile öffnen sich für 30 Sekunden, schließen sich danach wieder komplett und fahren in die ursprüngliche Stellung zurück. Die dauerhafte Überwachung der Grenztemperaturen und der automatische Reinigungsprozess erhöhen die Betriebssicherheit. Eine optimal geführte Anlage kann laut GF Piping Systems zudem zusätzliche Legionellenprüfungen sowie eine kostspielige Gefährdungsanalyse ersparen.

„Mit dem Ergebnis der Umrüstung auf das Hycleen Automation System sind wir sehr zufrieden. Es gelang mit dieser Maßnahme, ohne größeren bautechnischen Aufwand, das Trinkwassersystem in unserem Haus hydraulisch abzugleichen und so stabile Wassertemperaturen zu sichern. Somit können wir die Versorgung mit keimfreiem Trinkwasser für den Krankenhausbetrieb jederzeit sicherstellen und durch die Einbindung in unsere Gebäudeleittechnik auch lückenlos dokumentieren und nachweisen“, fasst Matthias Köhler, Fachbereichsleiter HLS des evangelischen Krankenhauses Paul Gerhardt Stift zusammen.