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DiGA-Marketing Wie die Apps auf Rezept in den Einsatz kommen

Seit kurzem gibt es die Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) als Apps auf Rezept. Wie die DiGA bei Verschreibern und Patienten bekannt gemacht werden können, wer hier in der Pflicht steht und welche Kommunikationswege erfolgsversprechend sind.

Themenseite: Digitalisierung

Das Interesse an den verordnungsfähigen Apps ist groß. Ebenso groß ist aber auch der Informationsbedarf seitens der Ärzteschaft, der Verbände, der Krankenkassen und der Patienten. Wie funktionieren die Anwendungen? Wie läuft die Abrechnung? Wie sieht es mit dem Datenschutz aus? Die Antworten auf all diese Fragen müssen die App-Anbieter im Sinne einer breiten Akzeptanz schnell und überzeugend kommunizieren. Die Kommunikationsstrategie sollte dabei ganz unterschiedliche Stakeholder und Spielfelder berücksichtigen.

Transparenz schafft Durchblick

Die Forschungen zum tatsächlichen Nutzwert von Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) stehen noch ganz am Anfang, eine natürliche Skepsis ist nachvollziehbar. Umso wichtiger ist es, Informationen – wie etwa Studien zur Wirksamkeit – leicht zugänglich zu machen und auch einen Austausch mit Verschreibenden und bereits erfahrenen Anwendern zu ermöglichen. Online-Informations-Plattformen sind eine gute Möglichkeit, um mit allen Beteiligten in den Dialog zu treten.

Wer verschreibt, ist an vorderster Front

Wer eine DiGA nicht selbst gesehen und getestet hat, wird eine solche App nicht verordnen. Der beste Weg, die Bekanntheit von DiGAs zu steigern, ist also, seitens der Anbieter direkt an die entsprechenden Haus- oder Facharztbereich heranzutreten. Zusätzlich zum klassischen, kostenintensiven Außendienst eignen sich v.a. Demo-Versionen oder Webinare zur Aufklärung und Information. Neben der Wirkweise und den Möglichkeiten der digitalen Therapie müssen die Verschreiber auch darüber Bescheid wissen, wie die DiGA verschrieben und abgerechnet werden.

Pharma- und Medizintechnikunternehmen einbinden

Vertrauen ist im Healthcare-Sektor essenziell und klarer Erfolgsfaktor Nummer eins, wenn es um die digitale Verarbeitung von Patientendaten geht. Zudem unterliegt die Kommunikation für medizinische Produkte gewissen Einschränkungen, die Wissen und Erfahrung erfordern. Es macht daher Sinn, wenn Anwendungsentwickler mit großen Marken des Gesundheitswesens kooperieren und mit deren Kredibilität für die App-Lösungen werben. Auch die Nutzung bestehender Vertriebswege oder Marketingstrukturen kann die nötigen PS auf die Straße bringen. Die großen Pharma- und Medizintechnikunternehmen profitieren ihrerseits ebenfalls von der Zusammenarbeit, indem sie ihre vorhandenen Produkte mit den DiGAs sinnvoll ergänzen und deren Potenziale für die Weiterentwicklung bewährter Therapieprogramme nutzen.

Kooperationen mit Krankenkassen

Krankenkassen beraten ihr Klientel immer stärker in puncto Therapiemöglichkeiten, Kostenübernahmen und der Arztwahl. Für die Anbieter von DiGA eine große Chance. Denn überzeugen sie Krankenkassen vom Nutzwert ihrer Anwendung, profitieren sie von deren direkten Draht zu Patienten und Ärzten. Im Idealfall übernehmen Krankenkassen eine allgemeine Awareness-Kampagne zum Thema DiGAs und klären Patienten über Nutzung- und Abrechnungsmodalitäten auf.

Aktive Nachfrage triggern

Da es sich um ein digitales Produkt handelt, rückt die digitale Ansprache der Patienten in den Vordergrund. Grundlagen der digitalen Zielgruppenansprache bei den DiGA und deren Nutzung sind Social Media-Kanäle und der Aufbau einer Content-Marketing-Plattform. Beta-Testing-Communities bzw. Influencer-Marketing runden die Aktivitäten ab. Das digitale Marketing sollte hier klar die Funktion der Mehrwert- und Aufklärungskommunikation übernehmen.

Patient Centricity – Bedürfnisse im Fokus aller Maßnahmen

Grundsätzlich gilt: Egal ob verschreibender Mediziner, Healthcare-Unternehmen, Krankenkassen oder Patienten – eine DiGA wird sich nur dann durchsetzen, wenn sie wirklich hilft. Neben den integrierten medizinischen Maßnahmen ist dafür auch eine einfache und nutzerfreundliche Anwendung Grundvoraussetzung. Folgt die App keiner intuitiven und leicht verständlichen Nutzerführung, sinkt auch die Therapietreue automatisch. Dann bringt auch die durchdachteste Kommunikationsstrategie nichts.

Damit DiGA künftig eine ernsthafte Alternative zur klassischen Therapie darstellen, gilt es, ihren Nutzwert herauszustellen und sie langfristig über einen Multi-Stakeholder-Ansatz und so digitalfokussiert wie möglich zu positionieren und zu kommunizieren.

Über den Autor:
Georgios Manolidis ist geschäftsführender Gesellschafter der Digitalagentur cyperfection in Ludwigshafen. Mit seinem knapp 50-köpfigen Team berät Georgios Manolidis Unternehmen wie Roche, BHB, Hermes Arzneimittel, Omega Pharma, Engelhard Arzneimittel und Philips in allen Bereichen der digitalen Kommunikationsstrategie und Markeninszenierung.
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