Patientenkommunikation -

Lesetipp Wie Ärzte und Angehörige im Notfall "richtige" Entscheidungen treffen

Was Menschen sich im Ernstfall wünschen, können sie oft nicht mehr ausdrücken. Daher werden Mediziner, Behörden und Angehörige mittels "Advance Care Planning" rechtzeitig in die Beratung eingebunden. Doch wie ist es um den Prozess bestellt? Eine Autorin blickt kritisch auf das sensible Thema.

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Im Ernstfall trotzdem so viel wie möglich selbst entscheiden. Das ist das Ziel, wenn es um lebenserhaltende Maßnahmen geht. Patientenverfügungen spielen eine zentrale Rolle und in den letzten Jahren etablierte sich zudem das Advance Care Planning (dt. „Behandlung im Voraus planen“). Die Patienten, Angehörige und Behörden werden dabei umfassend in den Beratungsprozess eingebunden, um unnötige Krankenhauseinweisungen, Fehlinformationen im Notfall oder Sterbeprozess zu vermeiden. Seit 2015 ist die "gesundheitliche Vorausplanung" sogar im Hospiz- und Palliativgesetz verankert.

Doch wie steht es um die Beratung wirklich? Werden alle ausreichend abgeholt und mit den notwendigen Informationen versorgt? Pflegewissenschaftlerin Anne Volmering-Dierkes geht in ihrem neuen Buch "Advance Care Planning in Deutschland – Eine kritische Diskursanalyse" diesen Fragen nach.

Advance Care Planning: Großbritannien als Vorreiter

In einem Londoner Krankenhaus kam Volmering-Dierkes zum ersten Mal mit dem, damals in Deutschland noch unbekannten, Konzept in Berührung. 2013 absolvierte sie dort ein Praktikum. Als Leiterin einer interdisziplinären Abteilung in der Akutversorgung konnte die Pflegekraft beobachten, dass v.a. ältere Menschen, die nicht mehr in der Lage waren sich zu äußern, durch nicht gewünschte Untersuchungen und Behandlungen mit kurzfristigen Erfolgen am Leben gehalten wurden. Die Briten lebten mit dem Advance Care Planning einen damals noch neuen Ansatz vor.

Geschichte des Advance Care Planning

In ihrer Masterarbeit, die nun als Buch erschienen ist, setzt sich Volmering-Dierkes wissenschaftlich und kritisch mit dem Thema auseinander. Hierfür untersucht sie die Entstehung, Ziele, Umsetzung und Ergebnisse des Advance Care Planung in Deutschland, sowie die Argumente der Befürworter und Gegner der Methode.

Denn eine sorgende Praxis mit alten, kranken und sterbenden Menschen kann nicht durch Einführungsbroschüren umgesetzt werden, wie Prof. Dr. Helen Kohlen, stellvertretende Leiterin des Ethik-Instituts an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar, in ihrem Vorwort klarstellt. Kohlen fordert daher: „Um ein Instrument wie Advance Care Planning sinnvoll einzusetzen und weiterzuentwickeln, braucht es eine multiprofessionelle, aber auch gesamtgesellschaftliche Auseinandersetzung über die Grenzen der Expertokratie hinaus.“

Über die Autorin

Anne Volmering-Dierkes, geb. 1964, ist Krankenschwester und Pflegewissenschaftlerin (M. Sc.) mit über dreißigjähriger Erfahrung in der Akutversorgung. Sie unterrichtet in der Fort- und Weiterbildung sowie im fachhochschulischen Bereich der Kaiserswerther Diakonie. Zurzeit arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP) und promoviert gleichzeitig an der philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar.

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