dpa News -

Altenpflege-Einrichtungen Werben für umfassenderen Impfschutz

Die anrollende Grippewelle setzt das Thema Impfen wieder auf die Tagesordnung, auch im Landtag in Schwerin. Nach Auffassung der SPD/CDU-Koalition besteht v.a. bei Älteren weiter Aufklärungsbedarf.

In Altenheimen und Einrichtungen der Tagespflege soll nach dem Willen des Landtags künftig verstärkt für umfassenden Impfschutz geworben werden. Das Parlament stimmte auf seiner Sitzung am Freitag (31.01.2020) mit der Mehrheit der SPD/CDU-Koalition einem von der CDU initiierten Antrag zur Fortsetzung der schon seit Jahren laufenden Impfkampagne zu. Dabei sollten künftig Personengruppen mit erhöhten Infektionsrisiken wie ältere Menschen in Pflegeeinrichtungen besonders in den Fokus gerückt werden, betonte der CDU-Abgeordnete Sebastian Ehlers. Der Anteil der Älteren an der Bevölkerung nehme zu und durch Vorerkrankungen seien diese häufig auch anfälliger für Infektionen, sagte er zur Begründung.

Kritik kam von der Opposition

Der AfD-Abgeordnete Gunther Jess warf den Koalitionsfraktionen vor, mit ihrem Vorstoß Zweifel an der medizischen Betreuung in den Pflegeeinrichtungen zu schüren. «Das ist eine Ohrfeige für die Ärzte und die Fachkräfte vor Ort», sagte Jess.

Der SPD-Politiker Julian Barlen wies die Kritik zurück. Regelmäßige Information über die Wirkung von Impfungen erhöhe die Bereitschaft sich impfen zu lassen, und dies komme nicht nur dem Einzelnen, sondern der Gemeinschaft zugute. Die räumliche Nähe in Wohngruppen und Pflegeeinrichtungen bedeute höheres Infektionsrisiko und deshalb seien Immunisierungen älterer Menschen insbesondere gegen Influenza, Pneumokokken und Gürtelrose wichtig, sagte Barlen. Nach seinen Angaben gibt es im Nordosten 450 ambulante Pflegedienste, 204 Einrichtungen der Tagespflege und 369 stationäre Pflegeheime.

Ein möglichst vollständiger Impfschutz sowohl für Bewohner als auch für Mitarbeiter dieser Einrichtungen sei besonders wichtig, betonte Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU). «Zur Prävention stehen gut verträgliche und hochwirksame Impfstoffe zur Verfügung, die zu einem langfristigen Schutz für den Einzelnen, aber auch zu einem Kollektivschutz in der Bevölkerung führen», betonte der Minister.

Es bestehen Impflücken

Doch würden auch in Mecklenburg-Vorpommern Impflücken bestehen, insbesondere bei Menschen im höheren Alter. Laut Glawe waren in der Grippesaison 2018/2019 knapp 56 Prozent der Menschen über 60 Jahre in Mecklenburg-Vorpommern gegen Influenza geimpft. Schutzimpfungen gegen Pneumokokken hätten sich etwa 26 Prozent der 60- bis 67-Jährigen unterzogen.

Torsten Koplin von der Linksfraktion sprach sich dafür aus, die Umsetzung der bisherigen Impfkampagne auszuwerten. «Erst dann kann treffsicher nachgesteuert werden», sagte er zur Begründung. Beim Impfschutz älterer Menschen sei das Land schon auf gutem Weg. Mit der Impfquote von fast 56 Prozent beim Grippeschutz für über 60-Jährige liege Mecklenburg-Vorpommern nach Brandenburg auf Platz zwei unter allen Bundesländern. Diesen Spitzenrang nehme der Nordosten auch beim Schutz vor Pneumokokken zur Vermeidung von Lungenentzündungen ein.

Allerdings gelte es, die Werbung für Auffrischungsimpfungen gegenüber allen Senioren zu verstärken, sagte Koplin.

© hcm-magazin.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen