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Welttag des Hörens Wenn die Maske zum Hindernis wird

Hörgeschädigte haben es zurzeit schwer, mit anderen Menschen zu kommunizieren. Die Mund-Nasen-Masken machen das Lippenlesen unmöglich. Die Rostocker HNO-Klinik nimmt den Welttag des Hörens am 3. März zum Anlass auf die Probleme und Bedürfnisse hörgeschädigter Menschen mit einem sichtbaren aufmerksam zu machen.

Rund 16 Prozent der Deutschen leiden unter einer Hörschädigung, fünf Prozent davon schwer. Eine Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit ist nicht sichtbar. Deshalb hat die Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde der Unimedizin Rostock zum Welttag des Hörens ein sichtbares Zeichen gesetzt und kostenlos Anstecker mit dem internationalen Zeichen für Hörbehinderung und Gehörlosigkeit verteilt.

Einschränkung sichtbar machen

Die Idee dazu hatte die Promovendin Anna von Düring. "Wir möchten den Betroffenen damit die Möglichkeit bieten, ihre Einschränkung sichtbar zu machen", erklärt Düring die Aktion. Es sei wichtig, dass Hörgeschädigte in der Öffentlichkeit besser wahrgenommen werden können, findet auch Oberärztin Dr. Wilma Großmann, die Leiterin des Hörzentrums Nord-Ost in Rostock. "Viele Betroffene wollen eigentlich ihre Beeinträchtigung für sich behalten, doch die Pandemie macht es häufig nötig, dass sie sich offener zu erkennen geben müssen". Die gut sichtbaren Anstecker sollen die Kommunikation für beide Seiten vereinfachen.

Lippenablesen mit Maske unmöglich

Viele Schwerhörige und Gehörlose müssen sich sowohl beim Lippenlesen, als auch beim Lesen der Mimik auf das Mundbild des Gegenübers verlassen. In Corona-Zeiten, haben sie es natürlich viel schwerer. "Gerade wenn ihr Gegenüber eine Mund-Nasen-Maske trägt, wird das Lippenablesen unmöglich", erklärt Prof. Dr. Robert Mlynski, Direktor der HNO-Klinik.

Viele Hörgeschädigte, erklärt Großmann, wollen sich nicht ständig erklären und manche schämen sich so für ihr Handicap, dass sie sich zurückziehen und dadurch schlimmstenfalls sogar Depressionen entwickeln. "Dabei gibt es viele Mittel und Wege, die eine Verbesserung bewirken können und das ist nicht immer eine große Operation, vor der sich gerade ältere Patienten fürchten", erklärt die HNO-Ärztin.

Krankenkassen sollen Kosten für Hörtests übernehmen

Dazu gehören auch regelmäßige Hörtests, die, geht es nach dem Bundesverband der Hörsysteme-Industrie (BVHI), von den Krankenkassen übernommen werden sollten. Auch der Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte (BVHNO) unterstützt die Forderung und unterstreicht deren medizinische Notwendigkeit: Der altersbedingte Hörverlust beginnt schleichend und unbemerkt. Durch Kompensationsmechanismen verlernen einige Menschen das richtige Hören regelrecht. Um den damit verbundenen Risiken entgegenzuwirken, fordert auch der BVHNO ein Hörscreening ab dem 50. Lebensjahr als Früherkennungsuntersuchung.

WHO: Früherkennung wichtig

Auch der aktuelle Word Report on Hearing der Weltgesundheitsorganisation WHO kommt zu diesem Ergebnis: Bleibt eine Hörminderung unversorgt, kann das in jeder Lebensphase schwerwiegende Konsequenzen haben: von verzögerter Sprachentwicklung und Bildungsdefiziten in Kindheit und Jugend über soziale Isolation bis hin zu einem höheren Risiko für Arbeitslosigkeit im Erwerbsalter. Schwerhörigkeit im mittleren Lebensalter ist zudem der größte modifizierbare Risikofaktor für eine Demenzerkrankung.

Das frühe Erkennen einer Hörminderung ist eine wichtige Voraussetzung, um auch im fortgeschrittenen Alter gesund und unabhängig zu bleiben und verhindert auch hohe gesamtgesellschaftliche Folgekosten. Zusätzlich bestätigt der WHO-Report, dass Hörsysteme wie Hörgeräte oder Cochlea-Implantate effektive und kostengünstige Mittel für die Versorgung von Hörgeschädigten sind. Das gilt für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Die WHO beziffert eine Rendite von fast 16 US-Dollar für jeden US-Dollar, der in die Ohr- und Hörversorgung investiert wird.

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