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Lesetipp Wenn die Diagnose zum Krimi wird

Das Leben schreibt bekanntlich die besten Geschichten. Ob es nun gute Erzählungen sind, wenn es dabei um mysteriöse Krankheiten geht, darf bezweifelt werden – spannend sind die wahren „Fälle“ des Sammelbandes „Abenteuer Diagnose“ jedoch allemal. Nach der gleichnamigen Sendereihe im NDR-Fernsehen, die sich großer Beliebtheit erfreut, kommt man bei den zwölf medizinischen Phänomenen aus dem Staunen tatsächlich nicht heraus.

Seit fast zehn Jahren geht die TV-Sendereihe „Abenteuer Diagnose“ mysteriösen Krankheiten nach – für Anfang März 2019 ist die Jubiläumsausgabe geplant. Woche für Woche berichten die Macher darin über unglaubliche Patientenfälle, die im Rahmen des NDR-Gesundheitsmagazins „Visite“ zu sehen sind.

Spektakuläre Spurensuchen

Das Erfolgsrezept ist einfach, das Ergebnis stets umso spannender: Patienten werden besucht und erzählen von ihren Leiden, die Autoren führen dann Interviews zum Beispiel auch mit Angehörigen, Therapeuten und Ärzten.

Denn meistens – und deshalb lohnt das genaue Zuschauen und Zuhören – handelt es sich um spektakuläre Spurensuchen nach Krankheitsauslösern. Nicht selten stellt sich dabei heraus, dass es manchmal eine „Kleinigkeit“ war, die schon ganz zu Anfang schlicht übersehen wurde und aber einen wichtigen Hinweis gab. Oder: hätte geben können.

Prosa statt nüchterne Fakten

Das Buch ist letztlich ähnlich aufgebaut: Unabhängig der Symptome wird jeder Fall, jeder Patient sehr bildlich und lebendig präsentiert, wie in den TV-Reportagen. Stilistisch also eher Prosa statt nüchterne Fakten, was den Vorteil hat, dass sich der Leser schnell mit den wirklich geplagten Patienten identifizieren kann.

Ähnlich anschaulich stellen die drei versierten Autoren – allesamt lange bei „Abenteuer Diagnose“ an Bord – den oftmals kriminalistischen Spürsinn der beteiligten Fachleute dar. Und es wird verständlich erklärt, wie es zu (Fehl-)Diagnosen kommt bzw. wo die Medizin der ärztlichen Arbeit einfach ein Schnippchen schlägt.

Kniffeleien zum Mitraten

Sei so viel verraten: Im Fokus der zwölf verblüffenden Fälle stehen u.a. eine nahezu unbekannte Autoimmunkrankheit, ein höchst seltener Gendefekt und ein unsichtbarer Fremdkörper im Zwölffingerdarm.

Das Fachpublikum darf sich ansonsten auf Kniffeleien zum Mitraten freuen – für interessierte Laien gibt’s auf knapp 300 Taschenbuchseiten am Ende auch ein Glossar und ansonsten allerbeste spannende Krimilektüre.

Buchtipp:
Arend V., Christians A., Präkelt V. (2018) Abenteuer Diagnose. München: Wilhelm Heyne Verlag. ISBN: 978-3-453-60486-5
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