PwC-Analyse Weniger Frauen in den Führungsetagen des Gesundheitswesens

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Female Empowerment

Mehr als drei Viertel der Beschäftigen in der Gesundheitswirtschaft sind weiblich. In C-Level-Positionen ist das Verhältnis ein anderes: Dort sind nur 29 Prozent Frauen. Das ist weniger als noch vor fünf Jahren. In einigen Bereichen zeichnet sich dennoch eine positive Entwicklung ab.

Im Vergleich zu 2015 sind heute vier Prozent weniger weibliche Führungskräfte in der Gesundheitswirtschaft zu finden. Betrachtet man allerdings einzelne Bereiche, zeichnet sich ein positiveres Bild ab. – © fotogestoeber (stock.adobe.com)

PwC führte in diesem Jahr zum zweiten Mal die Erhebung „Frauen in der Gesundheitswirtschaft“ durch und erhält im Vergleich zur ersten Durchführung 2015 ein ernüchterndes Ergebnis: Die Quote von Frauen in Führungspositionen ist um vier Prozentpunkte von 33 Prozent auf 29 Prozent zurückgegangen. Laut Sevilay Huesman-Koecke und Corinna Friedl, den Initiatorinnen von women&healthcare , ein Zeichen dafür, dass die deutsche Gesundheitswirtschaft an dieser Stelle in den vergangenen fünf Jahren keinen Schritt vorangekommen ist. Und das obwohl mehr als drei Viertel der Beschäftigten in der Gesundheitswirtschaft weiblich sind. „Für deren Karriereperspektive ist das ein fatales Signal. Angesichts von Pflegenotstand und Fachkräftemangel gelingt es der Gesundheitswirtschaft damit auf keinen Fall, sich als attraktiver Arbeitgeber für Frauen zu präsentieren. Dabei spielen genau diese in Führungspositionen eine wirklich wichtige Rolle für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen“, erklärt Sevilay Huesman-Koecke, Head of Business Development im Bereich Gesundheitswirtschaft bei PwC Deutschland.

Lichtblick mittleres Management, Pharma und Krankenhaus

Laut den aktuellen Erhebungen zeigen sich dennoch einige Lichtblicke bei der Teilhabe von Frauen in den Führungsetagen des Gesundheitswesens, nämlich im mittleren Management von Krankenhäusern. Dort sind Frauen fast gleichauf und bilden einen Anteil von 49 Prozent. Vor fünf Jahren lag dieser Wert noch bei 40 Prozent. Für die Zukunft bedeutet das laut PwC, dass für die Besetzung von Führungsstellen auch auf oberster Ebene mit einer steigenden Anzahl an Bewerberinnen zu rechnen ist. Auch im Pharmabereich (s. dritte Darstellung rechts) gibt es mehr Frauen an der Spitze. Im Top-Management ist laut den PwC-Erhebungen jede fünfte Stelle mit einer Frau besetzt, 2015 waren es nur 15 Prozent. Und auch im Vorstand gibt es hier mit einem Anteil von 21 Prozent im Vergleich zu 5 Prozent in 2015 vier Mal mehr Frauen. Hintergrund ist laut PwC, dass im mittleren Management des Pharmabereichs mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Führungspositionen von Frauen besetzt sind.

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    © PwC-Studie „Frauen in der Gesundheitswirtschaft 2020“
    Der Anteil weiblicher Führungskräfte ist gegenüber einer PwC-Messung im Jahr 2015 um vier Prozentpunkte gesunken.
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    © PwC-Studie „Frauen in der Gesundheitswirtschaft 2020“
    Die mittlere Managementebene v.a. im Krankenhaus verspricht einen Lichtblick in der allgemeinen Entwicklung: Hier ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen bei 49 Prozent.
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    © PwC-Studie „Frauen in der Gesundheitswirtschaft 2020“
    In Pharmaunternehmen ist mittlerweile jede fünfte Top-Führungskraft weiblich. Auf Vorstandsebene bilden Frauen inzwischen einen Anteil von 21 Prozent.
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    © PwC-Studie „Frauen in der Gesundheitswirtschaft 2020“
    Bei Krankenversicherungen, die als Männerdomäne gelten, wird das Personalwesen zu 51 Prozent von Frauen verantwortet.

Die weiblichen Domänen: Öffentlichkeitsarbeit, Personal und Verwaltung

In der Wissenschaft sowie in Verbänden und Interessenvertretungen der Gesundheitsbranche sind Frauen ebenfalls vergleichsweise gut in Führungspositionen vertreten: In wissenschaftlichen Instituten liegt ihr Anteil bei 35 Prozent (2015: 32 Prozent), in Verbänden bei 36 Prozent (2015: 32 Prozent). Als typische Frauendomäne erweist sich die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Diese Aufgabe verantworten in wissenschaftlichen Instituten laut der PwC-Erhebung weibliche Angestellte zu 69 Prozent, in Interessenvertretungen und bei Verbänden sind es 56 Prozent. Ein weiteres Tätigkeitsfeld, in dem Frauen Karriere machen, ist das Personalwesen. Bei Krankenversicherungen, die als Männerdomäne gelten, wird dieser Bereich zu 51 Prozent von Frauen verantwortet. In der Medizintechnik sind leitende Verwaltungsaufgaben zu 48 Prozent in weiblicher Hand, im Personalwesen sind es 42 Prozent, in der Buchhaltung 40 Prozent (s. vierte Darstellung rechts)

Frauenanteil bricht in Ministerien, Ausschüssen und Behörden ein

In Politik und Verwaltung – also in Ministerien und Behörden von Bund und Ländern, die mit Gesundheitsthemen befasst sind – ist der Anteil an Frauen an der Spitze laut PwC regelrecht eingebrochen. Hatten Frauen vor fünf Jahren 44 Prozent der Leitungspositionen inne, ist diese Zahl auf 31 Prozent gesunken. Überraschend sei auch, dass die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Politik und Verwaltung nur noch zu 28 Prozent von Frauen geleitet wird. In der Vergleichsstudie von 2015 lag dieser Wert noch bei rund 46 Prozent. Besonders drastisch falle dieser Rückgang in den ostdeutschen Bundesländern aus, die im Gesundheitsbereich bis dahin ein fast ausgewogenes Verhältnis in Leitungspositionen von Politik und Verwaltung vorweisen konnten: Dort beträgt die Frauenquote auf Führungsebene nur noch 30 Prozent – ein Minus von 19 Prozentpunkten im Vergleich zu 2015.

Die ausführlichen Studienergebnisse können Sie auf der Website von PwC kostenlos downloaden.

Einen tieferen Einblick in die Thematik mit Einschätzungen der Experten von PwC erhalten Sie in Kürze in einem exklsuvien HCM-Interview.