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Deutscher Bildungsrat für Pflegeberufe Weiterführung der pflegewissenschaftlichen Fakultät gefordert

Der Deutsche Bildungsrat für Pflegeberufe (DBR) hat bestürzt auf das Aus der pflegewissenschaftlichen Fakultät an der Hochschule Vallendar reagiert. Jetzt fordert er die Rücknahme der Schließungsentscheidung.

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Die Stilllegung der Pflegewissenschaftlichen Fakultät wurde am 31. März 2021 von der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar verkündet. Begründet wurde der Schritt mit wirtschaftlichen Motiven. Für den DBR wird damit "ein Leuchtturm im Bereich der Pflegewissenschaft in Deutschland mit internationalem Ruf aus der Landschaft verschwinden". Der Rat befürchtet negative Folgen für die Pflegewissenschaft in Forschung, Lehre und akademische Nachwuchsförderung. "Wir fordern eindringlich zur Rücknahme dieser Entscheidung auf", sagt Heike Lohmann, die Vorsitzende des DBR.

Schließung ist kurzsichtig und nicht zukunftsfähig

Die Aussagen aus den veröffentlichen Pressemitteilungen rund um die Schließung besorgen den DBR, u.a. die Begründung des Trägers, dass sich die Erwartungen bezüglich der Akademisierung in Deutschland nicht im nötigen Maß erfüllt hätten. Eine solche Feststellung sei für den Bildungsrat unverständlich, kurzsichtig und nicht zukunftsfähig da das Pflegestudium gerade im Pflegeberufegesetz verankert wurde.

Insbesondere das vergangene Jahr, in dem die Welt von einer schweren und unüberschaubaren Pandemie ergriffen ist, mache deutlich, welchen hohen Stellenwert der Pflegeberuf mit allen seinen komplexen Anforderungen habe. "Eine genügend hohe Anzahl fachlich exzellent qualifizierter Pflegender ist eine zentrale Voraussetzung für ein die Gesellschaft schützendes Gesundheitswesen", heißt es in einer Pressemeldung des DBR.

In der Pandemie ist nicht mit vielen Studierenden zu rechnen

Auch die Aussage, dass die Zahlen der Studierenden kontinuierlich abnehmen würden, ist aus Sicht des DBR mit Vorsicht zu betrachten. Abgesehen davon, dass von der Universität veröffentlichten Zahlen diese Aussage nicht bestätigen würden, sei zum Studienbeginn im Jahr 2020, d.h. in der Zeit der Pandemie, kaum mit einer hohen Zahl an Studierenden zu rechnen gewesen. "Von Pflegefachkräften, die zurzeit eine enorme berufliche Belastung haben, kann nicht erwartet werden, dass sie neben der Arbeit ein Studium aufnehmen", sagt Lohmann.

Aufruf an die Landesregierung

Der DBR mahnt, dass es sich in der aktuellen Lage in Deutschland keiner leisten könne, pflegepädagogische Studiengänge abzubauen und fordert einen deutlichen Ausbau von Studiengängen mit entsprechenden politischen Rahmenbedingungen. Im Zuge dessen ruft der Rat das Land Rheinand-Pfalz dazu auf, die Pflegewissenschaftliche Fakultät der PTHV zu unterstützen, um den Weiterbetrieb zu gewährleisten.

Wie berichtet, sieht sich die Gemeinschaft der Pallottiner aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen, die Fakultät an der PTHV zu schließen. Als Hauptgrund wird der Ausstieg der Marienhaus-Unternehmensgruppe aus dem Hochschulbetrieb gesehen. Die Ordensgemeinschaft ist seitdem alleiniger Träger der Hochschule in Vallendar.

Kritik von vielen Seiten

Neben dem DBR hat auch die Pflegekammer Rheinland-Pfalz scharfe Kritik an der Schließung des Studienzweiges geäußert. Auch CDU und Bündnis90/Die Grünen im Mayen-Koblenz-Kreis sowie die Studentenorganisation RCDS sparen nicht mit Kritik und fordern ein klares Bekenntnis zur PTHV und die Zusage finanzieller Unterstützung.

Der Deutsche Bildungsrat für Pflegeberufe besteht aus 18 Vertreterinnen verschiedener Verbände. Darunter Mitglieder des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBFK), des Verbandes der Schwesternschaften vom Deutschen Roten Kreuz, des Katholischen Pflegeverbandes (KPV) und des Bundesverbandes Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe (BLGS).

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