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Kommunikation für den Krisenfall Was wäre, wenn …

Egal, ob es um Starkregen geht oder um einen Massenanfall an Verletzten: Die Vorbereitung auf schwierige Situationen setzt Phantasie voraus, professionelle Zusammenarbeit und letztendlich lösungsorientiertes Handeln. Im Krankenhausalltag hapert es mitunter an alledem.

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Ob das immer nur an der fehlenden Zeit und dem knappen Geld liegt, sei hier mal dahingestellt. „Was wäre, wenn …?“, lautet die zentrale Frage bei der Erarbeitung schlüssiger Katastrophenpläne. „Wir alle haben dazu etwas in unseren Schubladen“, erklärt FKT-Präsident Horst Träger, „und doch bereiten unsere Strategien für den Ernstfall nur lückenhaft auf viele für Gesundheitseinrichtungen denkbare Ausnahmeszenarien vor.“ Kaum eine deutsche Metro­pole sei im Augenblick für einen Massenanfall an Verletzten, womöglich nach einem Terroranschlag oder einem Flugzeugabsturz, gewappnet, mahnt FKT-Vizepräsident Wolfgang Siewert. „Käme es zu einem größeren Unglück, hätten wir zu wenige Intensivplätze. Schon der schnelle Transport einer größeren Zahl an Verletzten in die umliegenden Kliniken wäre ein Problem. Die Zusammenarbeit der zahlreichen an einem solchen Einsatz beteiligten Kräfte ist nicht richtig abgestimmt.“ Eine besondere Problematik liege zudem darin, dass wir auf auf eine größere Anzahl an Opfern mit Verletzungen durch Schüsse oder Explosionen, wie man sie sonst nur aus Kriegsgebieten kennt, kaum vorbereitet sind. Abgesehen davon, dass es nach einem Terrorakt an Blutkonserven und Behandlungsplätzen fehlen würde, sind Ersthelfer, Pflegekräfte und Ärzte für solche Verletzungen nicht besonders geschult worden. Zu sehr weichen diese von der Routine in der Individualmedizin ab.“ Das heißt, die wachsende Terrorgefahr stellt Krankenhäuser vor massive neue Herausforderungen. (Beachten Sie dazu auch den Beitrag auf Seite 9 in dieser Ausgabe von HCM). Dass Kliniken selbst Ziel eines Terroranschlags werden könnten, mag man sich gar nicht ausmalen. Dennoch sei auch dieses Szenario nicht so abwegig, dass man sich nicht dafür wappnen sollte, betont Siewert.

Kleine Ursachen mit großer Wirkung

Für Träger ist die Vorbereitung auf einen möglichen Terroranschlag jedoch nur die Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs. Er betont: „Es gibt viel banalere und alltäglichere kleine Katastrophen, die ein Krankenhaus in eine Krise stürzen und den Betrieb ernsthaft gefährden könnten. Gerade diese vermeintlichen Nichtigkeiten werden bei der Katastrophenplanung gerne übersehen; oder aber die Eintrittswahrscheinlichkeit und das mögliche Schadens­ausmaß werden zu geringgeschätzt. So lassen z.B. die Erfahrungen der zurückliegenden Jahre keinen Zweifel mehr daran, dass wir uns v.a. auch auf extreme Wettersituationen einstellen müssen. In den letzten 40 Jahren gab es die zehn stärksten Gewitter, davon sieben allein seit 2013. Starkregenereignisse werden immer häufiger. Oder was wäre, wenn starke Schnee­fälle unsere Stromversorgung für längere Zeit lahmlegten?“ Katastrophenplaner sensibler Infrastrukturen sollten ihre Einrichtungen für solche Wetterlagen wappnen. Dabei sollten sie realistisch vorhersehen, dass sie mit allen auftretenden Problemen selbst klarkommen müssten. Feuerwehren und technische Hilfsdienste seien dann nämlich zweifellos anderweitig beschäftigt, betont Träger und wirft die Frage auf: „Wie viele Krankenhäuser sind wirklich auf vollgelaufene Keller vorbereitet?“ Pumpen, mit denen bei Starkregen geflutete Bereiche vom Wasser befreit werden können, haben die wenigsten. Wider besseren Wissens werden Technikzentralen, Stromverteiler und Serverräume immer noch bevorzugt in Untergeschossen platziert. Schon eine intelligentere Planung könnte hier sehr viel mehr Versorgungssicherheit schaffen.

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