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Zukunft Pflege Was Start-ups leisten

Das Gesundheitssystem ist aktuell von zwei sich gegenseitig beeinflussenden Trends gekennzeichnet: Eine wachsende Anzahl an pflegebedürftigen Personen, die einem sinkenden Arbeitskräftepotenzial in der Pflege gegenübersteht. Können Start-ups Lösungen für diese Herausforderung bieten?

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Die Zahl der alten, meist multi­morbiden Menschen, die in das Pflegesystem eintreten, steigt kontinuierlich. Das Statistische Bundesamt verzeichnet aktuell 3,5 Millionen Pflegebedürftige, wovon circa 70 Prozent Zuhause allein durch Angehörige versorgt werden. In Anbetracht des spürbaren Pflegekräftemangels wird deutlich, dass ihre Versorgung künftig vermehrt durch Angehörige übernommen werden muss. Ihre Tätigkeit ist somit für unsere Gesellschaft und für die Tragfähigkeit des Pflegsystems essenziell. Dennoch wird oft zu spät erkannt, dass sie dringenden Unterstützungsbedarf aufweisen.

Zur Entlastung könnten von ambulanten Diensten über Tages- und Nachtpflege bis hin zur stationären Pflegeeinrichtung hinzugezogen werden. Jedoch gestaltet sich die Suche nach einem verfügbaren Angebot oft schwierig. Die meisten Einrichtungen sind an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen. Verfügbarkeiten lassen sich durch Anstellung neuer Fachkräfte realisieren. Nachwuchskräfte sind jedoch im hochkonkurrierenden Gesundheitsmarkt sehr gesucht und häufig nicht verfügbar. Die Abbruchquote in der Pflegeausbildung liegt bei etwa 30 Prozent und nach der Ausbildung arbeiten genauso viele Pflegekräfte in Teilzeit wie auch in Vollzeit.

Innovative Start-ups als Chance

Die skizzierten Probleme stehen in gegenseitiger Wechselwirkung. Um ein möglichst hohen Verbesserungseffekt erzielen zu können, sind mindestens zwei Lösungsansätze notwendig.

Zwei konkrete Beispiele

Eine Entlastung von Angehörigen kann nur erreicht werden, sofern diese über unterstützende Maßnahmen informiert und aufgeklärt sind. Dies entspricht jedoch oft nicht der Realität. Das Team um EllaCare entwickelt einen KI-basierten Chatbot, der künftig Angehörigen bei organisatorischen Fragen, die primär das SGB V und XI betreffen, unterstützend zur Seite stehen soll. Insbesondere mit Eintreten eines Pflegefalls in der Familie sind in erster Linie Fragen organisatorischer Natur zu beantworten, die sich oftmals wiederholen. Ein digitaler Assistent kann als erste, schnelle und smarte Anlaufstelle dienen.

In Anbetracht des Pflegenotstandes und der ab 2020 neu geregelten generalistischen Pflegeausbildung stehen Betriebe und Pflegeschulen vor neuen, großen Herausforderungen. Sie müssen permanent um Nachwuchskräfte kämpfen und sich ab sofort auch mit der Umsetzung der neuen gesetzlichen Regelungen auseinandersetzen. Mit careUnity wird eine Cloudlösung errichtet, die integrative und digitale Lösungen, sowohl für Ausbildungsbetriebe als auch für Pflegeschulen, auf einer Plattform vereint. Ziel ist es, die Begleitung der Auszubildenden für alle Nutzer zu erleichtern. Das Start-up wird mit einer Fördersumme von 100.000 Euro vom Wirtschaftsministerium Rheinland-Pflanz gefördert.

Die sind nur zwei Beispiele. Die Liste innovativer Start-up-Ideen in der Pflege sollte möglichst lang werden. Es benötigt nämlich außerordentlichen Innovationsgeist, um die bevorstehenden Hürden zu meistern.

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