Pflege -

Die Kolumne von Eckhard Eyer Was passiert, wenn nichts passiert?

HCM-Kolumnist Eckhard Eyer betrachtet die Diskussionen um die Pflege in seiner aktuellen Kolumne kritisch – "es scheint als sollte dadurch Zeit gewonnen werden, um nicht handeln zu müssen".

Es hat sich in unserer Gesellschaft eingebürgert immer über das zu diskutieren "was gerade hipp ist". Und hipp ist in der öffentlichen Wahrnehmung das, was gerade in den Medien, auch den sozialen Medien, gehypt wird. Die Diskussionen werden immer zugespitzter, emotionaler und kurzzyklischer geführt. Zugegeben, dadurch ist der Unterhaltungswert der Diskussionen hoch, aber sind diese Diskussionen und Aufgeregtheiten auch relevant? Spannend ist einmal zu betrachten, was wir nicht diskutieren, weil wir die gehypten Diskussionen führen.

Einige Schlagzeilen zur Arbeit in der Pflege

Arbeitsbedingungen in der Pflege sind einerseits ein Dauerbrenner und deshalb selten gehypt und andererseits systemrelevant. Eine Reihe von Schlagzeilen der letzten Zeit führen dem Leser die Situation der Pflege – und die sich abzeichnende Entwicklung – vor Augen.

  • Wertvolle Pflege
    - Klatschen für die Pflege im Bundestag
    - Corona-Bonus für Pflegekräfte – steuer- und sozialversicherungsfrei
    - Corona-Bonus – nur für eine Teil der Pflegenden
    - Keine Prämie für Diakonie-Beschäftigte in Bayern
  • Arbeitssituation in der Pflege
    - Corona v.a. in Sozialberufen verbreitet
    - Studie: Pflegekräfte mit am häufigsten wegen Corona krankgemeldet
    - Pflegende fühlen sich nicht genug geschützt
 
  • Die Konsequenzen
    - Pflegeberufe in der Krise - den Beruf halte ich nicht bis zur Rente aus
    - Corona: Tausende Pflegekräfte kehren Job den Rücken
    - DIVI Präsident Marx: Intensivstationen vor massivem Personalmangel
    - DIVI Präsident Marx: Wir müssen die Flucht aus dem Pflegeberuf unbedingt stoppen
  • Die Maßnahmen zur Beseitigung des Pflegenotstandes
    - Webinar: Burnout in der Pflege vermeiden
    - Kommunikation: Wie Pflegeheime ihr Personal vor Burn-out schützen
    - Guter Rat – jederzeit in allen Lebenslagen, ein Angebot des Arbeitgebers an die Pflegekräfte
    - Webinar für Führungskräfte: Fehlzeiten konstruktiv mangen
  • Die (Zukunft der) Arbeitsbedingungen
    - Hilfskräfte: 53 Jahre Arbeit für 832 Euro Rente
    - Pflege: 4.000 Euro Einstiegsgehalt gefordert
    - Caritas lehnt allgemeinverbindlichen Tarifvertrag ab
    - Tarifvertrag: Diakonie stimmt erst gar nicht ab
    - Erwin Rüddel, Vorsitzender des Gesundheitsausschusses des Bundestages: Angehörige sollen als Freiwillige in den Heimen in Pflege, Hauswirtschaft und Reinigung mitarbeiten - Spahn: Gesetzentwurf zur Pflegereform kommt bald
    - Westerfellhaus startet zum Jahresbeginn 2021 das auf drei Jahre angelegte Projekt "GAP – Gute Arbeitsbedingungen in der Pflege"
 
  • Die Konsequenzen
    - Immer mehr Pflegende geben auf
    - Pflegeberufe: Pflegebeauftragter warnt vor Massenflucht
    - Altenpflegeberuf für Schulabgänger wenig attraktiv
    - Hochschulische Pflegeausbildung bricht ein
 
  • Es könnte auch anders sein
    - Studie: Hohes Potenzial für Rückkehr in die Pflege unter besseren Arbeitsbedingungen
    - Don’t worry be happy: Arbeitszufriedenheit in der Pflege
    - Studie: Wie Pflegende am Arbeitsplatz zufriedener werden
    - Wertschätzung motiviert Pflegekräfte in der Pandemie
  

Eigentlich ist alles erforscht und gesagt, aber offensichtlich noch nicht von jedem sich dazu berufen fühlendem Menschen. Die Zukunftsszenarien liegen auf dem Tisch und sind im Kern unstrittig. Statt zuzupacken und zu handeln werden mehrjährige staatlich finanzierte Studien als Forschungsprojekte auf den Weg gebracht. Es scheint als sollte dadurch Zeit gewonnen werden, um nicht handeln zu müssen.

Ich denke an das Management der Corona-Pandemie durch die Regierenden und mich beschleicht kein gutes Gefühl. Ich frage mich: Was passiert, wenn nichts passiert? Und: Wer profitiert davon, wenn nichts passiert?

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