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Lesetipp Was im Leben wirklich zählt

Ein Höhlenkrankenhaus in Syrien und eine Kaulquappensuppe im burmesischen Dschungel – Tankred Stöbes Schilderungen von Einsätzen mit „Ärzte ohne Grenzen“ erinnern an Indiana-Jones-Filme. Doch die Botschaft seines neuen Buches ist bitter: Weltweit sterben Millionen Menschen, da es an medizinischer Basisversorgung fehlt. Wie der Mediziner trotz allem nicht die Hoffnung verliert.

„Nach etwa anderthalb Stunden lassen wir die letzten Behausungen und Fischerboote hinter uns, und die Wasserwege werden immer schmaler. Schließlich münden sie in einen Flusslauf, und als auch dieser flacher wird, schlagen wir plötzlich auf Felsen auf. Damit ist die Fahrt zu Ende, mit anderen Transportmitteln ist kein Weiterkommen und wir müssen zu Fuß gehen. Mit einer Machete bahnen wir uns den Weg in unberührte Einsamkeit. Viele Jahre hat sich kein Mitarbeiter mehr auf diese Route gewagt.“

„Stell dir vor es ist Krieg und du gehst hin“

Tankred Stöbes erster Einsatz mit „ Ärzte ohne Grenzen“ führte ihn 2002 nach Myanmar (ehemals Burma). Der Notarzt aus Berlin half seitdem in vielen Krisengebieten und berichtet in seinem neuen Buch über Erfahrungen, Patienten und persönliche Gedanken. Den ersten Einsatz in Asien bezeichnet Stöbe als „größten Freiheitsentschluss als Arzt“, mittlerweile ist er seit über 17 Jahren für die Organisation um die Welt gereist.

„Aufzubrechen tut gut. Und ich erkenne wie frei ich bin, für ein Projekt nach Südostasien gehen zu können und damit über das eigene Schicksal zu entscheiden.“

Dazu zählen Krisenherde wie Syrien, Sierra Leone oder der Sudan. In Syrien wurde Stöbe beauftragt, einen Operationssaal in einer Höhle zu bauen. Er behandelt Patienten mit schwersten Verletzungen durch Bombenangriffe und Krankheiten wie Malaria, Ebola und Cholera. Viele müssen trotzdem sterben, da es an einer medizinischen Basisversorgung fehlt.

Hingabe, Hoffnung und Humor

Der Intensivmediziner verliert dennoch nicht den Mut: „Die ärztliche Arbeit in Krisengebieten ist nicht nur von Tragik bestimmt, diese Lektüre soll nicht beklemmend sein. Denn zum Lachen gab es viele Anlässe. Die schönsten Begegnungen verdanke ich Menschen in existenziellen Momenten zwischen Krankheit, Überleben und Tod.“

Und genau diese Brücke schlägt der Autor: Zwischen Anekdoten aus fernen Ländern und bitterem Ernst liegt oft nur ein Absatz. Aber genauso scheint auch das Leben der „Ärzte ohne Grenzen“ abzulaufen. Das Buch liest sich wie ein Roman aus der Ich-Perspektive, doch alle Geschichten sind wahr. Stöbe findet Antworten auf viele Fragen, die sich jeder schon einmal gestellt hat: Wann ist der richtige Zeitpunkt etwas zu verändern?

Fazit

Das Werk führt chronologisch durch Stöbes Stationen mit der Hilfsorganisation und jedes Kapitel steht für ein anderes Land. Er führt den Lesern vor Augen, wie klein manche Sorgen des Alltags sind. Eine gute Lektüre gegen Stress, denn sie rückt den Blick auf die Welt zurecht. 

Über den Autor

Der Notarzt und Intensivmediziner war von 2007 bis 2015 Präsident der deutschen Sektion von „Ärzte ohne Grenzen“. Seit 2015 ist er Mitglied des internationalen Vorstandes der Organisation. Die Bundesärztekammer zeichnete Stöbe 2016 für seine „ärztliche Haltung und unerschütterliche Einsatzbereitschaft“ mit der Paracelsus-Medaille aus, ihrer höchsten Auszeichnung.

Dieses Buch und weitere Fachbücher können Sie direkt über den Holzmann-Medien-Shop beziehen:
Stöbe T. (2019) Mut und Menschlichkeit – Als Arzt weltweit in Grenzsituationen. Frankfurt am Main: Fischer. ISBN: 978-3596704392

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