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Lesetipp Was hilft gegen den Pflegenotstand?

Das KWA Kuratorium Wohnen im Alter lud im Frühjahr 2017 zu einem Symposium unter dem Titel „CareKarriere – Personalentwicklung in der Langzeitpflege“. Fachleute tauschten sich über die derzeitige Personalsituation aus und suchten nach Lösungen für eine nachhaltige Personalgewinnung. Die Referenten haben ihre Vorträge in „Arbeitsplatz Langzeitpflege“ aktualisiert und verschriftlicht.

In sieben Beiträgen lassen die zwölf Autoren das Symposium Revue passieren und reichern ihre Vorträge auf rund 200 Seiten mit Zahlen, Fakten und aktualisiertem Wissen an. Prof. Dr. Ulrike Höhmann und Dipl.-Päd. Laura Schwarz beleuchten, welche Bedeutung Führung und professioneller Souveränität für die Arbeitsbedingungen haben. Rudolf Kast, Personalmanagementexperte, empfiehlt u.a. eine flexible und familienorientierte Arbeitsorganisation. „Arbeitsplatz Langzeitpflege“ beleuchtet viele relevate Punkte, um dem Pflegekräftemangel entgegenzuwirken. Die Herausgeber, Dr. Stefan Arend und Prof. Dr. Thomas Klie, sowie Autor Dr. Claus Heisbetz übernehmen zum Schluss die Transferleistung und ordnen die Beiträge in die aktuelle pflegepolitische Diskussion ein.

Vorbild USA

Birgit Heyden, Franziska Salinger, Manfred Zwick und Prof. Dr. Adelheid Susanne Esslinger stellen das in den USA erprobte Konzept des Magnetkrankenhauses als Vorbild für deutsche Pflegeheime vor. Das Magnetkrankenhauskonzept wurde in den 1990er Jahren vom American Nurses Credentialing Center (ANCC), als Antwort auf den Pflegekräftemangel, erarbeitet. Grundgedanke des Konzeptes ist es, die Arbeitsbedingungen für Pflegefachkräfte zu steigern und in der Konsequenz die Qualität der Pflege zu verbessern. Durch (sehr) gute Arbeitsbedingungen werden diese gehalten (Magnetisierung) und verrichten gute Arbeit.

Seit 1994 vergibt das ANCC auf Grundlage seines Kriterienkataloges den Magnetkrankenhausstatus. Mehr als 400 Krankenhäuser tragen bereits den Titel, der in den USA als „wichtiger Parameter für die Attraktivität eines Hauses, sowohl als Arbeitgeber für Pflegepersonal, als auch als medizinischer Versorger“ gilt. Die Schlüsselkomponenten der Magnetkrankenhäuser sind

  • transformationale Führung: „Führungskräfte mit einem transformationalen Führungsstil werden als Vorbild wahrgenommen und respektiert.“ Empfinden die Mitarbeiter Vertrauen, Respekt, Loyalität und Bewunderung gegenüber ihrem Vorgesetzten, entsteht eine Vertrauensbasis und sie erbringen eine bessere Leistung.
  • strukturelle Befähigung: Die Autoren sehen den Fehler auch darin, das Pflegefachkräfte in Deutschland oft nur als Zuarbeiter angesehen werden. Durch Empowerment und Gleichstellung mit anderen Professionen könne dies verändert werden.
  • neues Wissen, Innovation und Verbesserungen: Auch diese Komponente hat die Stärkung der Profession „Pflege“ im Sinn, z.B. durch Kooperationen mit Hochschulen.
  • professionelle Praxis: Pflegekräfte müssen als gleichwertige Mitglieder im Gesundheitsbereich gesehen werden. Sie arbeiten in einem interdisziplinären Arbeitsumfeld und können auch als Lehrer und Berater fungieren.

„Pflege-Magnethaus“

Das Konzept wurde bisher noch nicht ganz für die Pflege in Heimen adaptiert. Aufgrund des Personalmangels und der hohen Krankheitsraten innerhalb der Berufsgruppe der Pflegefachkräfte gibt es aber einzelne Versuche. Das KWA Albstift Aalen setzt derzeit ein ähnliches Modell mit Blick auf die Langzeitpflege um.

Um das „Pflege-Magnethaus“ zu realisieren, wird das Magnethauskonzept aus den USA durch verschiedene Maßnahmen in die Bereichen „Mitarbeiter & Lernen“, „Prozesse“, „Kunden“ und „Finanzen“ integriert. So hat das KWA Albstift Aalen für den Punkt „Mitarbeiter & Lernen“ eine neue Feedbackkultur eingeführt. Tourenpläne optimieren den Prozessablauf und gehen auf die verschiedenen Bedürfnisse der einzelnen Bewohner ein und „Kunden“ mit Demenz erhalten eine besondere Behandlung, z.B. durch besser ausgeleuchtete Räumlichkeiten, die die Selbstständigkeit der Bewohner steigern sollen. Zuvor war jedoch die Aufnahme des Status Quo notwendig, um geeignete Anschlusspunkte für eine erfolgreiche Integration auszumachen.

Buchtipp
Klie/Arend (Hrsg.) (2018) Arbeitsplatz Langzeitpflege. Schlüsselfaktor Personalarbeit. Heidelberg: medhochzwei Verlag. ISBN: 978-3-86216-415-8

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