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Warum sich mehr Sport nicht nur für Diabetiker auszahlt

Diabetiker, die Sport machen, brauchen weniger Insulin: Das ist eines der Ergebnisses einer Langzeitstudie, die die Techniker Krankenkasse (TK) mit Diabetikern und Herz-Kreislauf-Erkrankten durchgeführt hat. Doch nicht nur den Patienten kommt der sportliche Einsatz zu Gute.

Mit Sport lassen sich überlebenswichtige Gesundheitsparameter langfristig verbessern, so das Ergebnis der TK-Untersuchung. Die Leistungsfähigkeit der im Durchschnitt 65 Jahre alten Patienten stieg nach sechs Monaten um fast ein Zehntel, der Insulinbedarf reduzierte sich um knapp die Hälfte (46 Prozent) und die Herzfrequenz verbesserte sich in dem Maße, als wenn die Patienten ein entsprechendes Medikament genommen hätten.

Möglich gemacht hat das nach Ansicht der Krankenkasse das Programm "Sport als Therapie", das der Münchener Sportmediziner Prof. Dr. Martin Halle entwickelt hat. Seit drei Jahren können TK-Versicherte daran teilnehmen und seit der ersten Stunde wird das Programm wissenschaftlich begleitet. Ziel ist es zu überprüfen, ob sich die Leistungsfähigkeit schwerkranker Menschen langfristig wieder steigern lässt.

Therapie von Patienten mit Herzkreislauferkrankungen verschlingt Milliarden

"Die Ergebnisse zeigen, dass wir mit einer Mischung aus sportmedizinischer Betreuung, aktiver Trainingshilfe und motivierendem Coaching auf dem richtigen Weg sind", sagt Baas. Er erklärt, mehr als sieben Millionen Menschen in Deutschland – das sei fast jeder zehnte – seien an Diabetes erkrankt. 1,7 Millionen seien insulinpflichtig. Fünf Millionen würden an Herz- und Kreislauferkrankungen leiden. Die Therapie verschlinge Milliarden – allein bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen rund 40 Milliarden Euro pro Jahr, Tendenz steigend. Die Anzahl der verschriebenen Arzneimittel habe sich seit dem Jahr 2000 "nahezu verdoppelt". Baas betont, ihm sei bewusst, dass die TK mit dem Projekt in eine Veränderung des Lebensstils investiere. Es sei ein Investment, das sich erst mittelfristig auszahlen würde, wenn die Medikation zurückginge oder Klinikaufenthalte vermieden würden, sagt der TK-Chef. Ob sich das Projekt insgesamt rechnet, ist noch unklar. 2016 sollen die Ergebnisse der ökonomischen Evaluation vorliegen.

Die Resonanz auf das Programm der Techniker Krankenkasse

In einem Zeitraum von drei Jahren hat die TK 1.352 Risiko-Patienten mit Diabetes, Herz- Kreislauferkrankungen oder beidem angerufen und auf das Programm hingewiesen. Knapp die Hälfte interessierte sich, jeder Vierte machte mit. Die Teilnehmer waren mehrheitlich männlich (81,5 Prozent) und im Schnitt knapp 66 Jahre alt. Aufgrund der positiven Ergebnisse will die TK ein ähnliches Programm ab Herbst für Krebspatienten anbieten.

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