Textilhygiene Warum Pflegebekleidung nicht zuhause gewaschen werden sollte

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Berufsbekleidung in Pflegeeinrichtungen ist einigen Verschmutzungen ausgesetzt – und sollte deshalb zum Schutz der Beschäftigten und der pflegebedürftigen Menschen hygienisch aufbereitet werden. Kasack & Co. in der heimischen Waschmaschine zu waschen, ist keine gute Idee, wie ein Experte im Interview erklärt.

Bei Berufsbekleidung im Mietservice wird die fachgerechte, hygienische Pflege sichergestellt. Die Mitarbeiter in der Wäscherei sind entsprechend geschult. – © DBL

Menschen in den Pflegeinstitutionen brauchen Zuwendung und Unterstützung – ob beim Wenden im Bett, dem Toilettengang oder dem Essen. Das erfordert vom Pflegepersonal Einsatz und das Zulassen körperlicher Nähe. Wichtig ist, dass die Berufsbekleidung, die dabei getragen wird, täglich frisch und hygienisch gewaschen für die Pflegekräfte bereitsteht. Hier tragen Pflegeeinrichtungen entsprechend hohe Verantwortung, um mögliche Keimquellen einzudämmen. Das Outfit selbst in der heimischen Waschmaschine zu waschen – was einige Mitarbeiter immer noch tun – ist nicht nur zeitaufwendig, sondern birgt auch Risiken. Für das Personal. Und für die pflegebedürftigen Menschen.

Im Interview erläutert Stefan Jürgensen, Betriebsleiter beim textilen Mietdienstleister DBL Wulff, mögliche Defizite und gibt einen Einblick in professionelle Waschverfahren.

Stefan Jürgensen, Betriebsleiter der Wulff Textil-Service GmbH, einem regionalen Partner der DBL – Deutsche Berufskleider-Leasing GmbH. – © DBL

Herr Jürgensen, warum sollte das Pflegeteam seine Berufsbekleidung nicht selbst zuhause waschen?

Jürgensen: Die Berufsbekleidung ist oft stark verschmutzt, etwa durch Fäkalien etc. – es können sich Keime auf der Bekleidung festsetzen. Ob in der ambulanten oder in der mobilen Pflege. Wird die Bekleidung dann nicht hygienisch aufbereitet, kann es zu direkter oder indirekter Übertragung von krankheitserregenden Mikroorganismen auf nicht kontaminierte Flächen kommen. Eine Wäsche in der heimischen Waschmaschine reicht hier für die Beseitigung der Verschmutzung meist nicht aus. Zudem gibt es das Risiko, das die eigene Bekleidung damit in Berührung kommt. Das sollte vermieden werden.

Was gilt es hier für Textilien denn zu beachten?

Jürgensen: Je nach Bereich, in dem die Textilien eingesetzt werden, existieren unterschiedliche Anforderungen. Textilien, die in hygienisch anspruchsvollen Bereichen wie etwa im Gesundheitsbereich – und dazu zählen auch viele Pfleginstitutionen – eingesetzt werden, müssen eine adäquate Reinheit und mikrobiologische Qualität aufweisen. Das Ziel beim Umgang mit der Wäsche oder der Benutzung der Textilien in solchen Hygienebereichen ist es, Infektionskrankheiten zu vermeiden und das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten.

Gibt es hier rechtliche Vorgaben?

Jürgensen: Ja, es gibt Regularien. Die notwendige Qualität, bzw. der maximal zulässige Keimgehalt auf den Textilien wird in Richtlinien mit Gesetzescharakter – hier EU- und RKI-Richtlinien oder durch nationale und internationale Normen vorgegeben.

Welche Sicherheiten bieten Sie den Pflegeinstitutionen mit ihrer Dienstleistung?

Jürgensen: Als textiles Dienstleistungsunternehmen sind wir zertifiziert nach dem Gütezeichen RAL-GZ 992/2 zur Bearbeitung von Krankenhauswäsche sowie nach DIN EN 14065 (RABC Kontrollsystem Biokontamination von Textilien). Durch desinfizierende, nach dem Robert Koch-Institut (RKI) gelistete Waschverfahren haben die Pflegeeinrichtungen Gewissheit, die Standards in puncto hygienischer Aufbereitung zu erfüllen. Das wird ja auch von uns dokumentiert. Zudem übernehmen wir im Mietservice den regelmäßigen Austausch. Und wir gewährleisten mit speziellen Systemen die konsequente Trennung von sauberer und getragener Berufskleidung.

Wie funktionieren die desinfizierenden Waschverfahren?

Jürgensen: Wir arbeiten in der Regel mit chemothermischen Desinfektionsverfahren. Das sind Waschprogramme, die mindestens 65 Grad Celsius erreichen und diese Temperatur dann 15 Minuten halten müssen. Das verlangt auch das Robert Koch-Institut. Zusammen mit den richtigen Waschchemikalien hat dies einen desinfizierenden Effekt. Ein Prozess, der regelmäßigen Kontrollen unterliegt. So wird mit Thermologgern – Loggeräte, die im Waschprogramm mitlaufen – der Temperaturverlauf gemessen. Nach der Wäsche kann man diesen auslesen und prüfen, zu welcher Zeit im Waschprozess 65 Grad über 15 Minuten gehalten wurden. Zudem werden regelmäßig Testkeime mit in die Wäsche gegeben. Nach der Wäsche prüft das Labor akribisch, ob diese Keime in der entsprechenden logarithmischen Stufe abgetötet, bzw. ob sie sich deutlich verringert haben.

Was sind hier die Vorteile für die Pflegeeinrichtungen?

Jürgensen: Pflegeeinrichtungen, deren Bewohner und Pflegekräfte haben so stets die Gewissheit, dass die eingesetzte Bekeidung in einem validierten Prozess aufbereitet wird. Durch die Hygienemanagementsysteme und Hygienekonzepte in den professionellen Wäschereien der DBL – Deutsche Berufskleider-Leasing GmbH – z.B. regelmäßige Desinfektion der Oberflächen und der Mitarbeiterhände, welche mit den gewaschenen Textilien in Berührung kommen – ist zudem auch eine Rekontamination der Ware bis zum Zeitpunkt der Auslieferung ausgeschlossen. Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind entsprechend geschult. Auch das ist ein wichtiger Punkt.

Maßnahmen für hygienisch aufbereitete Bekleidung/Wäsche in der Wäscherei:
– Trennung reine und unreine Seite
– Personalschleuse
– Schutzbekleidung (Bekleidung, Handschutz, Mundschutz, Augenschutz)
– Desinfektion von Flächen, Händen, Fahrzeugen und Containern
– regelmäßige Schulungen und Unterweisungen der Mitarbeiter
– regelmäßige interne und externe Audits der Prozesse