Erkrankungswelle VKD: Untergrenzen gefährden Kindermedizin

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Ein düsteres Bild zeichnet der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) von der derzeitigen Situation in der Kindermedizin. Denn eine Welle von Atemwegserkrankungen bringe viele Kliniken an den Rand ihrer Kapazität. Schuld daran seien die Pflegepersonaluntergrenzen in der Kinderheilkunde. Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) schlägt Alarm: „Die Lage spitzt sich im Moment zu.“

Kinderklinik
Selbst Krankenhäuser, die noch freie Kapazitäten hätten, dürften die kleinen Patienten vielfach nicht mehr aufnehmen. Schuld daran seien die Pflegepersonaluntergrenzen in der Kinderheilkunde. – © Nutthavee (stock.adobe.com)

Besonders dramatisch sei die Situation in Nordrhein-Westfalen. „Dort ist derzeit bereits die Verlegung der Kleinen aus übervollen Häusern in andere nur noch eingeschränkt möglich. Selbst Krankenhäuser, die noch freie Kapazitäten hätten, dürften die kleinen Patienten vielfach nicht mehr aufnehmen. Sie tun es oft dennoch, obwohl sie damit in Schwierigkeiten kommen können“, sagt VKD Präsident Dr. Josef Düllings. „Der Verordnungsgeber hat sie in ein ethisches Dilemma gebracht, das sofort aufgelöst werden muss“, betont Düllings.

Temporäre Aussetzung der Pflegepersonaluntergrenzen gefordert

Halten sich Krankenhäuser nicht an die Untergrenzen, werden ihre Stationen geschlossen oder sie müssen Strafgelder zahlen. Personal sei zwar mitunter vorhanden, aber nicht so viel, wie es die Regelung vorschreibe, merkt Düllings an. Angesichts dieser Situation fordert der VKD eine temporäre Aussetzung der Pflegepersonaluntergrenzen in der Kinderheilkunde. Düllings sagt: „Was im vergangenen Jahr unter Corona-Bedingungen möglich war, muss nun im Sinne der kranken Kinder ebenfalls ermöglicht werden.“ BVKJ-Sprecher Jakob Maske bezeichnet die Sperrung von Stationen wegen Personalmangels als Hauptgrund für die derzeitige Zuspitzung der Lage. Der Kinderarzt hält Untergrenzen generell für sinnvoll, „jedoch muss man sich als Gesetzgeber eben auch überlegen, wo dann das Personal herkommen soll, wenn man ein Gesetz schafft, das mehr Personal bindet“, meint Maske. „Die Atemwegserkrankungen würden nicht nur durch das Respiratorische Syncytial-Virus (RSV) ausgelöst, das ist nur ein kleiner Teil“, sagt Maske.