Health&Care -

St. Johannissstift Virtual Reality für die Geriatrie

VR ist ab jetzt Therapiebestandteil in der Geriatrie des Evangelischen Krankenhauses St. Johannisstift. Dank VR-Brille und zwei Joysticks sollen Patienten nun in einzigartige Welten eintauchen und nahezu spielerisch ihre Genesung und Mobilität vorantreiben können.

Themenseite: Digitalisierung

„Es ist wirklich irre und sagenhaft, was dank dieser Technik möglich ist“, sagt Werner Friedrich, Patient in der Geriatrie des St. Johannisstiftes in Paderborn. „Als ich hier nach mehreren schweren Herz-OPs ankam, hatte ich große Angst. Das Laufen fiel mir schwer und ich war dafür einfach viel zu schwach. Die Übungen in dieser anderen Welt, haben mir wieder ein sicheres Gefühl gegeben“, führt der 73-jährige aus. „Dank Inmersion (Eintauchen) vergessen Patienten nahezu, wo sie sind und können oft Bewegungen ausführen, die sie sich in der realen Welt nicht zutrauen. Mit Übungen in der virtuellen Welt bauen die Patienten Muskeln auf und das Schmerzgedächtnis sowie das Einschränkungsbewusstsein wird quasi überschrieben“, erläutert Mathias Obwioslo, Leitung Physio- und Ergotherapie. „Wir können diese High-Tech-Ausstattung perfekt für die Therapie unserer Patienten einsetzen. Es ist grandios, etwas sehr Innovatives und Besonderes hier im St. Johannisstift.“

Muskeln und Gleichgewicht virtuell schulen

In Apps, die auf dem Computer installiert sind, sollen die Therapeuten zwischen unterschiedlichen Aufgaben wählen können, die für die Genesungsförderung des jeweiligen Patienten passend sind. Bei Friedrich ist es z.B. wichtig, Muskeln aufzubauen, Koordination und Gleichgewicht zu schulen, sowie die Ausdauer zu trainieren. So hebt er in der virtuellen Welt Steine von rechts nach links und stapelt sie aufeinander. Er bleibt dabei stabil stehen weil er sich sehr stark auf die Aufgabe konzentriert. Auch den Tennisschläger nimmt Friedrich in der virtuellen Welt in die Hand. In früheren Jahren hat er Tennis gespielt und schlägt gern einmal wieder ein paar Bälle. Eine Übung, die er zuerst im Sitzen durchführt, um Gefühl für Ball und Schläger zu bekommen. Nach kurzer Zeit äußert er jedoch den Wunsch, auch einmal im Stehen den Ball zu schlagen. Nach maximal zehn Minuten ist der Ausflug in die virtuelle Welt beendet. „Das war ganz schön anstrengend“, sagt Friedrich, „wenn ich daran denke, wie unsicher und wackelig ich auf den Beinen war als ich hier angekommen bin. Das ist schon überwältigend, was mir hier alles geboten wird.“ Auch Ausflüge in Unterwasserwelten, nach Florida via google earth oder in die Paderborner Innenstadt hat er bereits dank VR gemacht.

Eine zusätzliche Therapieform

„Die Therapieeinheiten von VR sind relativ kurz, da es für die geriatrischen Patienten schon sehr aufregend ist, mit Brille und Joysticks in dieser doch fremden Welt sich zu verhalten. Wir achten sehr darauf, dass sie sich nicht aus lauter Begeisterung überschätzen. Und natürlich gibt es noch viele andere Therapieformen, die wir hier durchführen, um die Genesung voranzutreiben. Die virtuelle Welt ist nur eine Therapieform von vielen“, erklärt Nadine Genius, Ergotherapeutin im Ev. Krankenhaus St. Johannisstift.

© hcm-magazin.de 2021 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen