Politik -

Deutscher Evangelischer Krankenhausverband e.V. Vier Handlungsfelder für die neue Legislatur

Der Deutscher Evangelischer Krankenhausverband e.V. (DEKV) hat anlässlich der Bundestagswahlen im September 2021 seine gesundheitspolitischen Forderungen veröffentlicht. Ein Überblick.

"Eine Aufgabe des neu gewählten Bundestags und der nächsten Bundesregierung wird es sein, die Schwächen zu beheben und das Gesundheitssystem zukunftsorientiert aufzustellen. Eine Herausforderung wird dabei darin liegen, mit begrenzten Ressourcen eine an den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten orientierte, qualitativ hochwertige sowie effiziente Gesundheitsversorgung sicherzustellen", erklärt Christoph Radbruch, Vorsitzender des DEKV. Um diesen komplexen Aufgaben gerecht zu werden, seien Veränderungen in folgenden vier Handlungsfeldern notwendig:

  1. Qualität,
  2. Vernetzung,
  3. Personal und
  4. Finanzierung

Wie die Umsetzung aussehen sollte, hat der DEKV-Vorstand in seinen Forderungen zusammengefasst. Im Folgenden ein erster Einblick. Die detaillierten gesundheitspolitischen Positionen sind beim DEKV erhältlich.

Qualitätspolitik mit Augenmaß und Zuwendung

Die Basis einer pateintenorientierten und qualitativ hochwertigen Versorgung sind laut DEKV ein bundeseinheitlicher Planungs- und Finanzierungsrahmen mit Mindeststandards sowie eine regionale Planung, die evidenzbasierte, wissenschaftliche Qualitätsparameter einbezieht. Mindestanforderungen an die Krankenhausbehandlung sollen dabei die Versorgungsqualität stärken, vorausgesetzt, sie führen nicht zu einer intransparenten Strukturpolitik, die die regionalen Versorgungserfordernisse gefährdet. Bestehende Qualitätsparameter und Qualitätskriterien wie Mindestmengen müssen im Hinblick auf ihren Beitrag zur Verbesserung der Versorgung und der Patientensicherheit überprüft werden.

Menschliche Zuwendung schaffe ein heilungsförderndes und die Gesundung unterstützendes Umfeld. Dabei sei sie facettenreich und gehe über Patientenorientierung und -zufriedenheit hinaus. Sie stellt eine eigene medizinisch-pflegerische Kategorie dar. Auch bezieht Zuwendung die Perspektive der Mitarbeitenden aller Berufsgruppen im Krankenhaus ein. "Wir fordern, das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) über den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) mit der Entwicklung eines Zuwendungsindex für die stationäre und tagesstationäre Patientenversorgung zu beauftragen. Er muss in die Qualitätsmessung der Krankenhausversorgung eingeführt und in den Qualitätsberichten veröffentlicht werden. Nur mit einer umfassenden Betrachtung des Handlungsfeldes Qualität, die eine patientenorientierte Sicht einschließt, sind wir für die Herausforderungen der Zukunft gut vorbereitet. Die evangelischen Krankenhäuser sind bereit, diesen Prozess aktiv mitzugestalten", erläutert Radbruch.

Vernetzung über Sektorengrenzen hinweg

"Die bestehenden Grenzen zwischen Krankenhaus und niedergelassenen Ärzten, der stationären und ambulanten Altenhilfe und Rehabilitationseinrichtungen sowie pflegenden Angehörigen müssen durchlässiger werden. Die so entstehende Vernetzung führt unmittelbar zu einer erhöhten Versorgungsqualität. Dabei ist auch die Ambulantisierung von Krankenhausleistungen ein aus medizinischer und wirtschaftlicher Sicht nötiger Schritt. (...) Patientinnen und Patienten fällt die Orientierung in einem komplexen Netzwerk im Gesundheitswesen oft schwer. Daher befürworten wir quartiersbezogene Patientenlotsen flächendeckend einzuführen, die über die Regelversorgung finanziert werden“, sagt Radbruch.

Pflege stärken

Mittel- bis langfristig könne dem Personalmangel nach Ansicht des DEKV nur durch bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege, mehr Wertschätzung und attraktive Karrieremöglichkeiten begegnet werden. Die interprofessionelle Zusammenarbeit im Behandlungsteam müsse gefördert und darüber die Pflege gestärkt werden. Dazu seien die vorbehaltenen Tätigkeiten durch den Gesetzgeber zu konkretisieren. Ebenso brauche es eine Neuverteilung von Verantwortung zwischen den Berufsgruppen durch ein Anreizsystem im Krankenhauswesen zu entwickeln. Benötigt werde laut Radbruch zudem ein modernes, wissenschaftlich fundiertes Pflegebedarfsbemessungsinstrument, das sowohl den Qualifikationsmix als auch die akademische Pflege berücksichtigt.

Finanzierung sicher und transparent gestalten

Die nachweislich nicht gedeckten notwendigen Kosten durch die Länderinvestitionslücke sollten nach Ansicht des DEKV durch Steuermittel ausgeglichen werden. Dazu erklärt Radbruch: "Es ist eine hoheitliche staatliche Aufgabe, die Daseinsfürsorge in den Versorgungsregionen zu finanzieren, in denen Krankenhäuser dies aus eigener wirtschaftlicher Kraftanstrengung nicht schaffen." Um hinsichtlich der Unterschiede Transparenz zu schaffen, müsse das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) beauftragt werden, die unterschiedlichen Kostenstrukturen der privaten, öffentlich-rechtlichen und kirchlichen Krankenhäuser sowie der unterschiedlichen Versorgungsstufen auf Grundlage einer breiten Datenbasis in regelmäßigen Abständen zu analysieren. "Um eine qualitativ hochwertige, an den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten orientierte Versorgung zu erreichen, muss die Politik in der kommenden Legislaturperiode alle vier Handlungsfelder berücksichtigen. Dabei wirken wir als DEKV gern mit“, erklärt Radbruch.

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