Lockdown Viele lebensrettende Tumoroperationen verpasst

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Ein Siebtel der Patienten und Patientinnen weltweit hat während der Lockdowns eine potenziell lebensrettende Krebsoperation nicht erhalten. Das zeigen Daten einer Studie des Forschungsnetzwerkes CovidSurg.

Tumoroperation
Während der Lockdowns erhielten ein Siebtel der Patienten und Patientinnen (15 Prozent) die eigentlich notwendige Tumoroperation überhaupt nicht. – © Liudmila Dutko (stock.adobe.com)

An der Studie beteiligten sich knapp 5.000 Chirurginnen und Chirurgen aus aller Welt, um Daten von mehr als 20.000 Patientinnen und Patienten mit 15 häufigen Tumorerkrankungen zusammenzutragen. Die Angaben stammen aus 466 Krankenhäusern in 61 Ländern. In Deutschland waren mehr als 90 Ärzte und Ärztinnen aus 19 Klinken beteiligt, die dafür Daten von 399 Patienten und Patientinnen beigesteuert haben.

Die Ergebnisse der Studie

Bei vollständigen Lockdowns erfolgten Operationen im Mittel mit 5,3 Monaten Verzögerung. Ein Siebtel der Patienten und Patientinnen (15 Prozent) erhielt die eigentlich notwendige Operation überhaupt nicht. In Zeiten,in denen es nur geringe Einschränkungen gab, lag der Anteil von nicht operierten Patienten und Patientinnen bei unter einem Prozent. Besonders problematisch war die Situation bei Menschen mit Krebserkrankung, die bereits mehr als sechs Wochen auf ihre Operation warteten oder die sehr gebrechlich waren beziehungsweise bei fortgeschrittener Krebserkrankung sowiein ärmeren Ländern. Geradein Ländern mit einer weniger ausgeprägten Gesundheitsinfrastruktur hatten die Einschränkungen signifikante Auswirkungen auf die medizinische Versorgung der Patienten und Patientinnen mit Tumorleiden.

Sicherstellung von Kapazitäten wichtiger Baustein

„Die Daten zeigen sehr klar, dass Schließungen von Kliniken und einschneidende Maßnahmen im Gesundheitswesen während der Pandemie weltweit nachteilige Auswirkungen auf die Schutzbedürftigsten unserer Patientinnen und Patienten hatten“, sagt Prof. Alfred Königsrainer vom Universitätsklinikum Tübingen. Die Sicherstellung von Kapazitäten für Krebsoperationen sollte ein wichtiger Baustein der nationalen Pandemieplanung werden.

Dr. Markus Löffler, ebenfalls Universitätsklinik Tübingen, rechnet damit, dass durch Verschiebungen und verminderte Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen während der Pandemie fortgeschrittene Krebserkrankungen auchin Deutschland verstärkt auftreten werden. „Für dieses Szenario sollten wir bereits jetzt Vorkehrungen treffen“, betont Löffler.

An der Studie sind Ärztinnen und Ärzte des Universitätsklinikums Tübingen beteiligt. Die Studie können Sie mit einem Klick hierauf einsehen.