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Qualitätsmonitor 2017 Viele Herzinfarkt-Patienten in Deutschland nicht optimal versorgt

40 Prozent der Krankenhäuser, die 2014 Herzinfarkte behandelten, verfügten nicht über ein Herzkathederlabor. Das sollte allerdings für die Versorgung von akuten Infarkten Standard sein. Betroffen davon sind rund 22.000 Patienten pro Jahr.

Themenseite: Patientensicherheit
Viele Herzinfarkt-Patienten in Deutschland nicht optimal versorgt
22.000 Patienten mit Herzinfarkt können im Jahr nicht ausreichend versorgt werden, weil im behandelnden Krankenhaus kein Herzkathederlabor vorhanden ist. -

Viele Herzinfarkt-Patienten werden in Deutschland nicht optimal versorgt. Das zeigt der Qualitätsmonitor 2017 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) und des Vereins Gesundheitsstadt Berlin. Er wurde Ende November in Berlin vorgestellt. Laut einer eigens für den Qualitätsmonitor durchgeführten Befragung der Kliniken verfügten etwa 40 Prozent der Krankenhäuser, die 2014 Herzinfarkte behandelten, nicht über ein Herzkatheterlabor, das für die Versorgung von akuten Infarkten der Standard sein sollte. „Diese Kliniken behandeln zwar relativ wenige Fälle, nämlich etwa zehn Prozent aller Herzinfarkte. Aber das sind hochgerechnet knapp 22.000 Patienten pro Jahr, die keine optimale Versorgung bekommen, obwohl es in Deutschland sicher keinen Mangel an Herzkatheterlaboren gibt", sagt Prof. Thomas Mansky, Leiter des Fachgebietes Strukturentwicklung und Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen der Technischen Universität (TU) Berlin und einer der Autoren des Qualitätsmonitors.

Bessere Rettungskette gefordert

Besonders ausgeprägt sei das Problem in dem Viertel der Kliniken mit den wenigsten Behandlungsfällen gewesen: 82 Prozent dieser Krankenhäuser, die 2014 weniger als 34 Herzinfarkt-Patienten pro Jahr versorgten, verfügten nicht über die optimale Ausstattung mit einem Herzkatheterlabor. Aus Sicht der AOK zeigen diese Ergebnisse, „dass in der Krankenhausplanung eine stärkere Konzentration auf Kliniken mit guter Behandlungsqualität und guter Ausstattung nötig ist“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. „Außerdem brauchen wir eine besser gesteuerte Einweisung der Patienten in die richtigen Kliniken“, betont Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Eine vernünftig organisierte Rettungskette mit Einbindung der Rettungsdienste sei notwendig: Der Rettungswagen solle nicht das nächste, sondern das am besten geeignete Krankenhaus ansteuern. Litsch fordert einen neuen Anlauf für ein sektorenübergreifendes Konzept zur Notfallversorgung, das die Notaufnahmen der Kliniken, den ärztlichen Bereitschaftsdienst und den Rettungsdienst einbezieht.

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