Gesundheitskompetenz Viele Deutsche verstehen ihren Arzt nicht

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Eine repräsentative Studie der Universität Bielefeld hat gezeigt, dass sich mehr als die Hälfte aller Deutschen von der Informationsflut zu Gesundheitsthemen überfordert fühlen. Besonders betroffen seien dabei Menschen mit vielen Arztkontakten. Der „Nationale Aktionsplan Gesundheitskompetenz“ soll nun Abhilfe schaffen.

54,3 Prozent der Deutschen kommen mit den zahlreichen Informationen zu gesundheitsrelevanten Themen nicht klar. Rund 44 Prozent weißen eine eingeschränkte, zehn Prozent sogar eine unzureichende Gesundheitskompetenz auf. Diese Zahlen ergab jüngst eine Studie der Universität Bielefeld. Damit liegen die Deutschen nicht nur weit unter dem europäischen Schnitt (47,6 Prozent), sondern teilweise eklatant unter dem vergleichbarer EU-Staaten. In den Niederlanden etwa mangele es lediglich 28,7 Prozent der Bürger an Gesundheitskompetenz, jeder Vierte verfüge sogar über ein exzellentes Verständnis – in Deutschland sind es lediglich 7,3 Prozent. Probleme haben der Studie zufolge hierzulande v.a. Menschen mit geringer Bildung, niedrigem Sozialstatus und Migrationshintergrund. Allerdings sind auch viele Rentner und chronisch Kranke mit besonders vielen Arztkontakten betroffen. Bei den über 65-Jährigen liege die Quote der Überforderten bei 66,3 Prozent, bei Zugewanderten beträgt sie 70,5 Prozent.

Mangelnde Kompetenz kann zu höherem Krankheitsrisiko führen

Studienleiterin Prof. Doris Schaeffer bezeichnet die Studienergebnisse als „bedenklich“: Menschen mit fehlender Gesundheitskompetenz hätten es äußerst schwer, sich im komplexen Gesundheitssystem zurechtzufinden und die zahlreichen Anforderungen der Gesundheitserhaltung im Alltag zu bewältigen. Die Folge sei ein falsches Verhalten und dadurch letztlich auch ein höheres Krankheitsrisiko.

Hilfe naht

Die Universität Bielefeld, der AOK-Bundesverband und die Hertie-School of Governance wollen dieser Entwicklung nun mit dem „Nationalen Aktionsplan Gesundheitskompetenz“ entgegenwirken. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe agiert dafür als Schirmherr.

Zur Studie:

Für die Studie wurden 2.000 Menschen über 15 Jahren vom Forschungsinstitut Ipsos befragt. Basis war der international erprobte Fragebogen „Health Literacy Questionaire Europe“.