Pflege -

Onlinekolumne Vertrauen ist ein hohes Gut

Diese Woche geht es in der HCM-Kolumne von Eckhard Eyer um die vollmundigen Versprechen der Politik und das schwindende Vertrauen in diese.

Themenseite: Corona-Pandemie

Wer kennt das nicht, man schließt eine Versicherung ab und hofft, dass man sie nie braucht. Und dann tritt doch der Versicherungsschaden ein und die Versicherung soll zahlen. Mit dem Verweis auf das sogenannte Kleingedruckte ziehen sich dann die Versicherungen nicht selten aus der Affäre und der Kunde bleibt auf seinen Kosten sitzen. Reiseveranstalter bieten, obwohl das Gesetz sagt, dass sie im Fall der Stornierung z.B. wegen Corona innerhalb von sieben Tagen die gezahlten Preise zurückzahlen müssen, ihren Kunden Gutscheine statt Bargeld an. Wird der Gesetzesverstoß geahndet? Wo lösen die Kunden ihre Gutscheine ein, wenn der Reiseveranstalter in die Insolvenz geht? Wie lange laufen sie dann hinter ihrem Geld her?

Die vollmundigen Versprechen der Politik

Mich erinnert diese Situation an das Klatschen der Bundestagsabgeordneten im Bundestag für die Menschen in der Pflege und anderen systemrelevanten Berufen im März 2020. Danach kamen die vollmundigen Zusagen der Politiker – Gesundheitspolitiker und Ministerpräsidenten – im April 2020 bezüglich der steuerfreien Sonderzahlungen – Corona-Bonus genannt – für die Pflege. Diese Zusage kam ohne einen Finanzierungsvorbehalt und ohne eine wahrnehmbare Differenzierung zwischen Menschen, die in der ambulanten und stationären Altenpflege und in Krankenhäusern, Kliniken und Hospizen ihren Dienst tun. Menschen, die alle ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Staatsdiener in der Schule hatten es da einfacher, sie durften als Mitglied einer Risikogruppe wegen Corona – bei voller Bezahlung – daheimbleiben.

War das Versprechen ein Versprecher?

Bei der Versicherung haben wir gelernt nach dem Beratungsgespräch und vor der Unterschrift auch das Kleingedruckte zu lesen. Dieses Misstrauen lehrte mich mein Elternhaus und die Lebenserfahrung. Es lehrte mich auch der Regierung die sich um das Gemeinwohl kümmert, dem Lehrer und dem Polizisten, ja dem Staat und seinen mit hoheitlichen Aufgaben ausgestatteten Dienern, zu vertrauen. Ich bekomme mittlerweile immer mehr den Eindruck, dass der Vertrauensvorschuss gegenüber Politikern nicht (mehr) gerechtfertigt ist und ich auch dort das Kleingedruckte lesen muss. Ein typisches Beispiel ist hier der versprochene Corona-Bonus für die Mitarbeiter in der Pflege.

Vertrauen ist ein hohes Gut

Wir wissen: Vertrauen erwirbt man langsam, aber man zerstört es schnell. Der Politiker und Reichskanzler Otto von Bismarck formulierte es einmal so: „Vertrauen ist eine zarte Pflanze. Ist es zerstört, kommt es sobald nicht wieder.“ Wenn Politiker das ernst nehmen und leben müssen sie sich um Politikverdrossenheit im Land keine Gedanken machen, andernfalls sollten sie sich fragen wie eine Welt zukünftig funktionieren wird, in der kein ausreichendes Vertrauen mehr herrscht, in der „die Stützen der Gesellschaft“ keine Glaubwürdigkeit mehr haben. Der Unternehmer Robert Bosch, der dafür verantwortlich war, dass sein Unternehmen erfolgreich ist und Geld verdient sagte einmal „Lieber Geld verlieren als Vertrauen.“

Kontakt zum Autor:
Dipl.-Ing. Dipl.-Kfm. Eckhard Eyer ist Gründer von Perspektive Eyer Consulting in Ockenfels, Kontakt: info@eyer.de, www.eyer.de

© hcm-magazin.de 2021 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen