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Das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz Verstärkung aus der Ferne für die Gesundheitsberufe

Am 1. März ist das im Vorfeld intensiv diskutierte Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FESG) in Kraft getreten. Es soll den Gesundheitsberufen helfen und hat folgende Auswirkungen auf die Branche.

Themenseite: Fachkräftemangel

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FESG) regelt die gezielte Einwanderung von Fachkräften und erstmalig auch den Aufe nthalt von Personen mit qualifizierendem Hochschulabschluss zwecks Suche eines Ausbildungsplatzes. Die dauerhafte Niederlassung von bereits im Arbeitsmarkt integrierten aber bisher nur geduldeten Asylbewerbern wird dadurch ebenfalls vereinfacht.

Das Gesetz schafft hierzu erstmalig einen einheitlichen Fachkräftebegriff. Fachkräfte sind demnach Personen mit einer qualifizierten inländischen Berufsausbildung oder einer gleichwertigen ausländischen Berufsqualifikation. Hochschulabsolventen gelten dann als Fachkraft, wenn der Abschluss in Deutschland erworben, offiziell anerkannt oder mit einem deutschen Hochschulabschluss vergleichbar ist.

Für die Gesundheitsbranche dürften in der Praxis v.a. die neuen Sonderregelungen für Mangelberufe und der auf z wei Jahre befristete Aufenthalt zu Zwecken der Nachschulung neue Möglichkeiten zur Fachkräftegewinnung bieten.

Nachschulungen und Sonderregelungen für Mangelberufe

Arbeitssuchende aus sogenannten Drittstaaten – grobgefasst nicht EU-Staaten – dürfen künftig auch ohne qualifizierten Berufsabschluss für zwei Jahre in Deutschland arbeiten. Voraussetzung sind neben einer bestehenden beruflichen Basisqualifikation, die eine Nachschulung innerhalb von zwei Jahren ermöglicht, außerdem ein gültiger Arbeitsvertrag und die Zusage des Arbeitgebers, durch Schulungen dafür Sorge zu tragen, dass die geforderte berufliche Qualifikation innerhalb von zwei Jahren nachgeholt wird.

Für Mangelberufe, worunter laut Definition im Gesundheitswesen mehrere Berufsgruppen inklusive der Pflege fallen, ist der Zugang noch weiter vereinfacht worden. Der vereinfachte Zugang für den Arbeitnehmer geht jedoch mit nicht unerheblichen finanziellen Risiken für den jeweiligen Gesundheitsbetrieb als Arbeitgeber einher. So dürfen Angehörige von Drittstaaten künftig auch ohne formalen Nachweis ihrer Berufsqualifikation in Deutschland arbeiten, sofern sie mindesten fünf Jahre praktische Berufserfahrung in einem Mangelberuf vorweisen können. Jedoch muss sich der Arbeitgeber dazu verpflichten, nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses für bis zu zwölf Monate den Lebensunterhalt und bei möglicher Ausreiseunwilligkeit auch die Abschiebungskosten zu tragen.

Wie wirkt sich das Gesetz auf die Personalsituation im Gesundheitswesen aus

Angesichts der Entwicklung der vergangenen Wochen dürfte die Fachkräftezuwanderung aus Drittstaaten in den kommenden Monaten zum Erliegen kommen. Die Corona-Pandemie verdeutlicht den nationalen Fachkräftemangel im Gesundheitssystem und erinnert uns gleichzeitig daran, dass in einer globalisierten Welt im Krisenfall auch globale Versorgungsengpässe drohen.

Im Jahr 2017 kamen insgesamt 38.000 Menschen aus Drittstaaten als Fachkräfte nach Deutschland. Die Bundesregierung erhoffte sich ursprünglich durch das FESG 25.000 weitere zugewanderte Fachkräfte je Jahr, über alle Branchen hinweg. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass uns jedoch alleine in der Pflege bis 2025 cicra 200.000 Fachkräfte fehlen werden. Das Gesetz ist daher als erster Schritt in eine mögliche und richtige Richtung zu sehen. Eine tatsächliche Lösung des Fachkräftemangels im Gesundheitssystem wird jedoch deutlich größerer Anstrengungen bedürfen. Es bleibt zu hoffen, dass die aktuelle Krise für ausreichend gesellschaftlichen Druck und politischen Willen sorgt, um das System nachhaltig besser aufzustellen.

Digitalisierung als Baustein zur personellen Entlastung und Integration ausländischer Fachkräfte

Die wachsenden Dokumentationspflichten dienen dem nachvollziehbaren Wunsch, Qualität im System zu sichern, Missbrauch zu vermeiden und eine akteursübergreifende Versorgung zu gewährleisten. Ohnehin knappes und überlastetes Personal leidet besonders unter der resultierenden Mehrarbeit. Die wichtige Zeit am Patienten verlagert sich hin zu Dokumentation und Administration. Dies verstärkt oft belastungsbedingte Frustrationen und verschlimmert in der Konsequenz durch Abwanderung den Fachkräftemangel.

Der Zugang und die Vereinheitlichung digitaler Schnittstellen zwischen den Systembereichen muss daher konsequent vorangetrieben werden, um den reibungslosen Datenaustausch und hohe Verfügbarkeit zu gewährleisten. Ein höherer Automationsgrad, gesteigerte Nutzerfreundlichkeit und spürbare Verbesserung der Versorgungsleistung für Leistungserbringer und Patient sind ein wichtiger Schritt, pflegerische Berufe durch Digitalisierung wieder attraktiver zu machen.

Digitale Tools und Prozesse können auch ausländischen Fachkräften die Integration in das deutsche System erleichtern. So können z.B. ausländische Pflegekräfte digital und in ihrer Muttersprache durch die anfänglich unbekannten Prozesse und Dokumentationspflichten geführt werden.

Besonders in der Pflege bedeutet mehr Zeit am Patienten mehr Qualität und zufriedenere Mitarbeiter. So ergänzen sich freiwerdende Ressourcen, Patientenwohl und eine dadurch allgemein höhere Attraktivität des Pflegeberufes. Das die Attraktivität dieser wichtigen Berufe auch von gesellschaftlicher sowie monetärer Wertschätzung abhängt, ist ein Fakt der künftig mehr Beachtung und resultierendem Steuerungswillen bedarf.

Infos zum Autor
Julius Knoche ist Geschäftsführer bei der BoS&S GmbH. Das Unternehmen der NOVENTI Gruppe hat sich auf die Entwicklung von ERP-Softwarelösungen für Pflegedienste spezialisiert. Knoche studierte Kommunikation, Kultur & Management mit dem Fokus auf Systemtheorie an der Zeppelin Universität, Friedrichshafen (Bodensee).

 

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