Studie Versorgungslücke bei Long-Covid-Reha

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Einer Studie der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) zufolge gibt es bei der Behandlung des Long-Covid-Phänomens Kapazitätsengpässe in der Versorgung.

Long-Covid Versorgungslücke Studie
Dr. Stefan Schwarz (rechts), Chefarzt der Pneumologie in der Paracelsus Harzklinik Bad Suderode bei der Lungenfunktionsdiagnostik – Voraussetzung für eine spezialisierte Long-Covid-Rehabilitation. – © Paracelsus Kliniken

Mehr als zehn Prozent der befragten Kliniken registrierten zusätzlich Kapazitätsengpässe in der Versorgung von Long-Covid-Patientinnen und -Patienten und gaben an, dass Plätze für andere Reha-Angebote reduziert werden mussten und dass sich die Wartezeit auf einen Reha-Platz insgesamt verlängert habe. Die häufigsten Gründe dafür, dass keine Reha für Menschen mit Long-Covid angeboten wurde, waren fehlende Zulassungen (58,8 Prozent) und fehlende Behandlungskonzepte für Long-Covid-Erkrankungen (48,5 Prozente). Bei den weiteren Gründen gaben 13,3 Prozent der Einrichtungen an, dass Long-Covid-Erkrankungen nicht in das Fachgebiet der Einrichtung passen und daher keine entsprechenden Reha-Angebote bestünden. Das bestätigen die Ergebnisse einer Umfrage, die BAR auf Initiative des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) im September durchgeführt hat.

Long-Covid-Diagnose sichern und Reha ausbauen

Zur Verbesserung der rehabilitativen Versorgung bei Long-Covid wünschen sich die Reha-Einrichtungen in den frei formulierten Teilen des Fragebogens

  • eine Verlängerung der Behandlungsdauer bei einer Long-Covid-(Zusatz)Diagnose,
  • mehr und bessere Qualifizierung des Personals,
  • eine bessere personelle Ausstattung, um insbesondere auch die begleitenden psychischen und kognitiven Langzeitfolgen von Covid-19 angemessen behandeln zu können,
  • mehr finanzielle Mittel der Leistungsträger für die Behandlung von Long-Covid in den Einrichtungen,
  • zusätzliche internistische Kompetenz/Expertise in den Reha-Einrichtungen sowie
  • verbindliche Behandlungsstandards bzgl. Long-Covid (Leitlinien, Reha-Konzepte).

Die Reha-Einrichtungen würden sich zudem entlastet fühlen, wenn die ambulante Versorgung jenseits von Rehabilitation ausgebaut würde, kombinierte Einrichtungen vorhanden wären, die sich auf die Behandlung von Long-Covid spezialisiert haben und eine höhere Diagnosesicherheit bezüglich erreicht werden könnte.

Praxisbeispiel Paracelsus Harzklinik Bad Suderode

Die Paracelsus Harzklinik Bad Suderode stellte sich Anfang 2021 auf die interdisziplinäre Anschlussheilbehandlung von Covid-19-Erkrankten ein. „Wir haben hier ein Jahr lang fast täglich medizinisches Neuland betreten“, erklärt Dr. Stefan Schwarz, Chefarzt der Pneumologie in Bad Suderode. Besonders häufig beobachteten die Medizinerinnen und Medizinner auch neurologische und kognitive Ausfälle mit Langzeitfolgen. Mittlerweile hat die Klinik ihr Therapiespektrum Stück für Stück erweitert und ein differenziertes Konzept entwickelt. „Wir wissen heute, dass gerade wegen der Langzeitfolgen die Behandlung nach der Reha nicht aufhören darf“, erklärt Schwarz. Die Klinik hat darum einen intensiven Kontakt zu den Berufsgenossenschaften zur weiterführenden Versorgung ihrer Patientinnen und Patienten aufgebaut. Darüber hinaus plädiert Schwarz für den dringenden Ausbau ambulanter Nachsorgestrukturen und erweiterter Möglichkeiten der Reha. So sei z.B. die Gründung einer Selbsthilfegruppe in der aktiven Planungsphase.

Quelle:

Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e.V. (BAR). Bestandsaufnahme zu Long-Covid in der medizinischen Rehabilitation: Ergebnisse einer quantitativen Befragung, 2021. Online-Publikation. Frankfurt/Main, Oktober 2021.