Management Parkgespräche Versorgungs- und Wohnkonzepte neu denken

Rund 50 Personen aus der Pflegewirtschaft diskutierten am 9. und 10. Mai 2022 in Würzburg auf der Steinburg zum Thema „Attraktiver Wirtschaftsmotor Pflege – Vision oder Realität?“.

Versorgungskonzept Management Parkgespräche
Bei den Management Parkgesprächen wurde über zukünftige Wohn- und Versorgungskonzepte diskutiert. – © WiBU

„Wer glaubt gut zu sein, hat aufgehört besser zu werden“, sagte Ingo Poggensee von Pawlick Consultants zu Beginn der Management Parkgespräche. Die Pflegebranche habe aus seiner Sicht einen Vorteil gegenüber anderen Wirtschaftszweigen – und das sei der sogenannte „Purpose“, also der Sinn und Zweck eines Unternehmens bzw. einer Einrichtung. Was fehlt, wäre eine gemeinsame Stimme durch Kollaboration. Innovative Schritte könnten beispielsweise in gemeinsamen Thinktanks erarbeitet werden, wie es auch andere Branchen erfolgreich praktizierten.

Dr. Albert Weiler, Schirmherr der Veranstaltung, gab einen Bericht aus der Politik und Dr. Stefanie Wiloth vom Institut für Gerontologie an der Uni Heidelberg einen Impuls aus der wissenschaftlichen Sicht in die Teilnehmendenrunde. Altern heiße auch sich entwickeln – Prävention, Gesundheitsförderung und v.a. Selbstbestimmung wären daher eine neue Perspektive in Verbindung mit Aktivitätsunterstützung, um den „Verlust“ durch das Altern ausgleichen zu können.

Städtebauliche Perspektive der Zukunft

Zum Thema Architektur erhielten die Teilnehmenden zum Auftakt einen Blick aus der städtebaulichen Perspektive für die Zukunft durch den international agierenden Architekt Max Schwitalla aus Berlin. Das Quartier werde dabei für alle Menschen eine größere Rolle spielen. Es gehe um Gemeinsamkeit anstatt Einsamkeit, um Rückzug und gesellschaftliche Teilhabe für alle – und nicht zuletzt auch um umwelttechnische Aspekte.

Der Impuls von Dr. Stefan Arend stellte passend dazu die derzeitigen baulichen Konzepte für Pflegeheime in Frage und gab als Diskussionsgrundlage verschiedene mögliche Perspektiven an die Teilnehmenden. Eine der möglichen Antworten darauf gab Axel Winckler, Architekt aus Hamburg, in seinem anschließenden Beitrag. Er präsentierte einen Ansatz für eine „lebenswerte Architektur für alle“ anhand eines realen Projektes für ein Quartierskonzept.

Wie kann die Pflegewirtschaft als attraktiver Wirtschaftsmotor weiterhin aktiv bleiben und dabei auch die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden stärker berücksichtigen? Hierzu gab es weitere Impulse von Kaspar Pfister (Benevit) und Dr. Walter Zorn (Terragon).

Modellprojekt „Stambulant“ als Versorgungskonzept

Durch die Präsentation des Modellprojektes „Stambulant“ stand die These im Raum, dass Menschen, die pflegebedürftig geworden sind, einfach die richtigen Leistungen erhalten sollen – und nicht wie bisher entweder ambulant oder stationär versorgt werden sollten. Das Modell liegt der Bundesregierung bereits in einer Petition vor und wartet auf Anerkennung als bundesweites Leistungsrecht. Als weitere Option für eine Wohn- und Versorgungsalternative wurde das Konzept „Service Wohnen“ vorgestellt. Darin ist verankert, dass in einem Wohnkonzept alle Serviceleistungen frei und flexibel wählbar sein sollen, die gerade gebraucht werden.

Nicht zuletzt könnten solche innovativen Konzepte ohne die passenden Finanzierungsmöglichkeiten nicht umgesetzt werden. Martin Engel (Aedifica) gab dazu den Impuls, wie passende Finanzierungsmodelle für zukunftsweisende Immobilienprojekte aussehen könnten.

Alle Beiträge boten Impulse für die Diskussionen und Open Space Workshops unter der Moderation von Karla Kämmer und Friedrich Trapp (Karla Kämmer Beratungsgesellschaft, Essen). Es wurden konkrete Fragestellungen behandelt und im Plenum diskutiert. Die Organisation der Management Parkgespräche erfolgte durch die WiBU Gruppe in Kooperation mit der Karla Kämmer Beratungsgesellschaft. Ein weiterer Termin für die Management Parkgespräche ist für 2023 bereits in Planung.