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Lesetipp Verschiedene Blickwinkel auf die Gesundheitsversorgung

Wie können Klienten im Gesundheitswesen Versorgungswünsche realisieren? Das ist eine der grundlegenden Fragen, mit denen sich die Wilhelm Löhe Hochschule in Fulda beschäftigt. Nun haben Fachleute der Hochschule einen Band veröffentlicht, der die „Versorgungsgestaltung“ im Gesundheitswesen unter diesem Aspekt genauer unter die Lupe nimmt.

Unterschiedliche Perspektiven, kritische Abwägungen und kreative Vorschläge bezogen auf verschiedene Aspekte des Gesundheitswesens schließen sich aus? Das sehen die Experten aus den Bereichen Ethik, Ökonomie, Gesundheitswirtschaft und Pädagogik anders. Mit dem Herausgeberband „Versorgung gestalten. Interdisziplinäre Perspektiven für eine personenbezogene Gesundheitsversorgung.“, erschienen bei der W. Kohlhammer GmbH, verdeutlichen sie Berührungspunkte zwischen verschiedenen Blickwinkeln im Management und geben so die Grundlagen für wissenschaftliche Diskussionen.

Das Buch, herausgegeben von Jürgen Zerth, Jan Schildmann und Elmer Ness unterteilt sich in eine thematische Hinführung und in drei Hauptkapitel. Jedes Kapitel hat ein eigenes Themenfeld. So werden

  • ordnungspolitische und grundlegende Positionen,
  • handlungstheoretische Gestaltung – Versorgungs- und Organisationsentwicklung und
  • Bildung und Befähigung im Gesundheitssektor betrachtet.

Die Gestaltungsgrundlage für die Gesundheitsversorgung ist der Mensch

In der thematischen Hinführung schreiben Zerth, Schildmann und Ness: „Die Frage nach der Zukunft des Gesundheits- und Sozialsystems betrifft jeden.“ Es sei also kein Wunder, dass Diskussionen emotionaler seien. Sie sollten jedoch trotzdem ernst genommen werden und bräuchten eine sachlich fundierte Argumentation. Es sei wichtig, sich nicht nur mit der Frage auseinanderzusetzen, wie Gesundheit und Pflege institutionell gestaltet und finanziert werden können, sondern auch, wie Versorgungskonzepte gestaltet werden können und welche Grenzen in der Versorgungsgestaltung liegen. Zu klärende Fragen seien deswegen:

  • Soll die Wirkungsebene von Organisations- oder Versorgungsmodellen in der Gesundheitsversorgung analysiert werden?
  • Sind Resultate und Wirkungsindikationen zu adressieren und relevante Outcomes bei Patienten, Versicherten, Anwendern und letztendlich auch für das Gesamtsystem zu analysieren?

Laut der Autoren soll der Band thematisch abgegrenzte Beiträge zu Fragen der „Versorgungsgestaltung“ verbinden.

Ordnungspolitische und grundlegende Positionen

Das erste Kapitel ist in vier Unterkapitel unterteilt. Peter Jaensch und Elmar Nass entwickeln ein Model, um sowohl die Technik und deren Einsetzbarkeit, als auch die Akzeptanz bei den Nutzern, ethisch einzuordnen – alles aus Sicht der Personaler. Stefanie Richter beleuchtet anschließend die gesundheitliche Ungleichheit. Sie berücksichtigt dabei besonders die Gesundheitskompetenzen der Menschen (Health Literacy). Die solidarische Wettbewerbsordnung, inklusive des darin enthaltenen Leistungswettbewerbs wird von Jürgen Zerth angesprochen. Er sieht in der Kombination homogener Rahmen mit heterogenen Ausgestaltungsfreiräumen Ansatzpunkte um das System effizient weiterzuentwickeln. Diesen Aspekt greift Herbert Rebscher auf und führt ihn in seinem Kapitel fort. Dabei wirft er die Frage auf: „Was wird im Gesundheitswesen von einer solidarischen Wettbewerbsordnung in Zukunft noch bleiben?“

SIEB (Social, Individual, Economic und Business Development) verbindet Produkt- Prozess und Organisationsebenen

Das zweite Kapitel teilt sich in fünf Unterkapitel und beginnt „mit einer ökonomischen Positionierung zur Arbeitsteilung im Gesundheitswesen“ von Michael Schneider. Stefanie Popp und Michael Garschick entwickeln im Anschluss „alternative Ideen für die Hausarztgewinnung im ländlichen Raum“, während Clemens Werkmeister in seinem Kapitel den „Pflegeversorgungsfonds als kapitalgedeckte Kollektivkomponente der sozialen Pflegeversicherung“ unter die Lupe nimmt. Im dritten Unterkapitel unterbreiten Tom Schaal und Silke Geithner einen methodischen Ansatz für die künftige Personalbemessung zur Personalbedarfsermittlung für die stationären Pflegeeinrichtungen. Das Kapitel der Organisationsentwicklung endet mit der Vorstellung einer eigens am IDC der WLH entwickelten Systematik (SIEB) für technische Assistenzsysteme in der Langzeitpflege von Peter Jaensch, Michael Schneider, Christian Heidl, Sebastian Müller und Jürgen Zerth.

Bildung und Befähigung

Carl Heese untersucht im dritten Kapitel das Leben alter Menschen in Hinblick auf eine differenzielle Sozialpädagogik. Jan Schildmann und Tanja Krones geben aus einer „klinisch-ethischen Perspektive einen Überblick über die gesundheitliche Vorausplanung im Rahmen des sogenannten Advance Care Planning (ACP)“. Mit der bildungstheoretischen Perspektive zur organisationalen Ko-Konstruktion im Spannungsfeld zwischen Selbstsorge und Fürsorge von Thomas Prescher schließt das Buch.

 

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