Pflege -

Bertelsmann Stiftung Vergleichsportal Weisse-Liste.de im Visier

Die Qualität von Pflegeheimen in Deutschland sei deutlich schlechter als vom Pflege-TÜV des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) bisher dargestellt. Für eine bessere Pflegeheimwahl hat die Bertelsmann Stiftung nun ein Vergleichsportal Weisse-Liste.de aufgestellt und die Daten des Pflege-TÜVs neu aufbereitet.

Seit 1999 prüft der MDK alle Pflegeheime und ambulanten Pflegedienste regelmäßig nach einem festgelegten System. Dabei erhielten die meisten Einrichtungen bundesweit die Durchschnittsnote 1,3. Seit Jahresbeginn arbeitet das Bundesministerium für Gesundheit daran, ein neues Bewertungsverfahren zu entwickeln, das bis Ende 2017 vorliegen soll.

Bis dahin sollen sich Pflegebedürftige und ihre Angehörigen über Weisse-Liste.de auf einer besseren Grundlage über die Stärken und Schwächen einzelner Einrichtungen informieren können. Bernhard Schneider, Vorsitzender des Deutschen Evangelischen Verbands für Altenarbeit und Pflege, begrüßt das neue Vergleichsportal. „Allerdings weisen wir deutlich darauf hin, dass es sich um eine Übergangslösung handelt, da die Datengrundlage weiterhin kritisch einzuordnen ist“, merkt er an. Auch das neue Portal würde grundlegende Mängel des Pflege-TÜV übernehmen. Deutlich schärfere Kritik kommt von Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk: „Es macht keinen Sinn, wenn die Bertelsmann-Stiftung suggeriert, man könne die Prüfergebnisse mit mehr Transparenz erfüllen und dann für die Auswahl einer Pflegeeinrichtung nutzen“, so das Netzwerk in seiner Pressemitteilung. Viel dringender sei es, bessere Personalbemessungssysteme einzuführen. Auch Thomas Knieling, Bundesgeschäftsführer des Verbands Deutscher Alten- und Behindertenhilfe, betrachtet Weisse-Liste.de mit Skepsis: „Das Problem mit den geltenden Pflegetransparenzvereinbarungen ist, dass ihre Kriterien nur Aussagen über Struktur- und Prozessqualität zulassen, aber nichts über die tatsächliche Qualität der Pflegeleistungen aussagen“. Eine andere Form der Datenaufbereitung sei nicht die Lösung, so Knieling.

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