Umfrage Unzufriedene Assistenzärzteschaft

Assistenzärztinnen und Assistenzärzte sind so unzufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen, dass sich 36 Prozent einen Jobwechsel vorstellen können. Die Arbeitszeiten und der ökonomische Druck stören sie besonders.

Viele Assistenzärztinnen und Assistenzärzte sind unzufrieden mit ihrem Job – v.a. aufgrund von herausfordernden Arbeitszeiten. – © Drazen (stock.adobe.com)

Mehr als 70 Prozent der Assistenzärzteschaft arbeiten trotz Tarifvertrag 45 Wochenstunden oder mehr, das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Hartmannbundes unter mehr als 1.200 Ärzten und Ärztinnen in Weiterbildung hervor. Bei jeder zweiten befragten Person werden die Überstunden dabei nicht angemessen dokumentiert. Die dadurch entstehende hohe Arbeitsbelastung hat zur Folge, dass 36 Prozent über einen Berufswechsel nachdenken, während 56 Prozent sich eine Teilzeitstelle wünschen, um auf eine normale 40-Stunden-Woche zu kommen. „Nicht nur, dass wir jungen Ärztinnen und Ärzte aufgrund des Personalmangels über die Belastungsgrenze hinaus eingesetzt werden, auch unsere Weiterbildung wird vernachlässigt. Dies kann sich langfristig negativ auf die Versorgungsqualität auswirken“, erklärt Dr. Theodor Uden, Sprecher des Assistenzärzte-Ausschusses im Hartmannbund.

Druck und Aufwand sind hoch

Ökonomischen Druck bei der Arbeit spüren 47 Prozent der Teilnehmenden. Mehr als 60 Prozent haben nur „manchmal bis nie“ zufriedenstellend viel Zeit für ihre Patientinnen und Patienten. „Ich bekomme Zettel in die Patientenakte gelegt, bei welcher Aufenthaltszeit die Klinik plus macht und wann minus“, lautet einer der Kommentare. Eine weitere Auswirkung ist, dass die Arbeitsverträge der Assistenzärzte nur um zwei Jahre verlängert werden.

Zwar sind die Arbeitsplätze bei 60 Prozent weitgehend digitalisiert, allerdings so ineffizient, dass Mehrfachdokumentationen an der Tagesordnung sind. Eine elektronische Patientenakte ist bei der Hälfte nicht vollständig vorhanden. Infolgedessen übersteigt der Dokumentationszeitraum überwiegend den Zeitraum mit Patientenkontakt. Digitale Gesundheitsanwendungen kennen 60 Prozent nicht, 18 Prozent wissen nicht, wie sie diese verschreiben können. „Hier braucht es unbedingt mehr Aufklärung – nicht nur auf ärztlicher Seite, sondern auch auf der Patientenebene“, stellt Dr. Galina Fischer fest, sie ist ebenfalls Sprecherin des Assistenzärzte-Ausschusses.

Hier geht es zu den Ergebnissen der Umfrage des Hartmannbundes: https://www.hartmannbund.de/wp-content/uploads/2021/04/HB-Umfrageergebnisse_Ueberblickspraesentation.pdf