Pandemie Unikliniken fürchten Triage

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Corona-Pandemie

Zwei Drittel der Krebszentren haben keine Kapazitäten mehr, um weitere Patienten und Patientinnen aufzunehmen. Das geht aus der Erhebung einer Corona Task Force des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Krebsgesellschaft hervor.

Triage
Die Krebszentren in Deutschland befürchten, dass es aufgrund des hohen Infektionsgeschehens zu personellen Engpässen und zu Verschiebungen von dringenden Operationen kommt. – © Robert Kneschke (stock.adobe.com)

Die Lage an den großen Krebszentren in Deutschland spitzt sich weiter zu. Die Versorgungskapazitäten der Zentren sind nahezu ausgeschöpft und das Personal arbeitet unter maximaler Belastung, warnen die Organisationen. Derzeit scheine es zwar, als würde sich die Zahl der Neuinfektionen stabilisieren, doch rechnen Experten damit, dass die Inzidenz bald wieder ansteigt. „Tritt dies ein, wird die Triage zum Klinikalltag“, betont Prof. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des DKFZ in Heidelberg.

Sicherstellung der Versorgungskapazitäten

Es sei wichtiger als je zuvor, Versorgungskapazitäten in den Krankenhäusern, insbesondere in den Krebszentren, für Menschen mit Krebserkrankung sicherzustellen. Der Anteil an freien Intensivkapazitäten liegt aufgrund der Pandemie in weiten Teilen Deutschlands bei zehn Prozent oder darunter. Der ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Ulm, Prof. Thomas Seufferlein, berichtet aus der Praxis: „Er ist täglich damit konfrontiert, dass aufgrund des enormen Betreuungsaufwands von Covid-19-Erkrankten personelle Engpässe in der stationären Krebsversorgung entstehen, auch dringende Operationen verschoben werden oder Patienten und Patientinnen nach einer Krebs-OP frühzeitig die Intensivstation verlassen müssen, weil ihr Bett dringend gebraucht wird“. Das führe zu einer ungewollten Priorisierung der zu behandelnden Menschen und damit zu einer „stillen Triage“.

Doch nicht nur die Politik, sondern auch die Gesellschaft sei gefordert, um den Kollaps des Krankenversorgungssystems abzuwenden. Darum appellieren die Organisationen an die Bevölkerung, das Impfangebot wahrzunehmen und Kontaktbeschränkungen einzuhalten.