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4. Fachmesse Krankenhaus Technologie mit Fachtagung Technik im Krankenhaus Umschlagplatz für technischen Fortschritt

Neue Technologien und Methoden müssen schneller ihren Weg ins Krankenhaus finden. Die 4. Fachmesse Krankenhaus Technologie und die Fachtagung Technik im Krankenhaus am 17. und 18. September liefern das nötige Handwerkszeug, um professionell das Richtige zu tun.

Topic channels: FKT, Digitalisierung und Einrichtung & Ausstattung

Projektmanagement (PM) ist das Titelthema der Fachtagung in Gelsenkirchen. Warum ist Projektmanagement aus Ihrer Sicht so erfolgsrelevant und wie kann es das Gesundheitswesen vorantreiben?

Siewert: Im Gesundheitswesen herrscht ein noch nie dagewesener Innovationsdruck. Egal, ob es um die sichere Vernetzung von Geräten und Anlagen geht, die Automatisierung von Prozessen oder smarte Lösungen für den Alltag, um die Nutzung von Big Data und andere Innovationen im Zusammenhang mit der Digitalisierung, um intelligente Antworten auf den Klimawandel und den Fachkräftemangel oder ganz banal um den Bau eines vorschriftenkonformen Hubschrauberlandesplatztes – für unzählige Herausforderungen müssen wir ebenso praktikable wie zukunftstaugliche Lösungen finden, und zwar besser gestern als heute. Erarbeitet und wichtiger noch umgesetzt werden können diese Lösungen nur in professioneller interdisziplinärer Projektarbeit. Geeignete Projektmanagement-Tools sowie menschliche und methodische Kompetenzen entscheiden damit wesentlich über die Zukunft unserer Krankenhäuser. Schon jetzt verbringen wir 40 Prozent unserer Arbeitszeit in Projekten. Dieser Anteil wird in den nächsten Jahren sicher noch zunehmen. Außer Arzt, Pflegekraft, Hygieniker, Verwaltungsdirektor oder Techniker etc. werden alle Mitarbeiter Player in unterschiedlichsten, mal besser und mal schlechter funktionierenden Projektteams sein und in dieser Funktion die Zukunft ihrer Häuser gestalten.

Träger: Ob Projekte zu Ergebnissen mit einem echten Mehrwert führen, zu den kalkulierten Kosten und in der vorgegebenen Zeit, hat erheblichen Einfluss auf den Erfolg unserer Unternehmen und die Leistungsfähigkeit sowie Innovationsleistung unseres Gesundheitswesens allgemein. Die mit Projektarbeit verbundenen zusätzlichen Kosten werden, wenn die Projekte optimal laufen, durch die erzielten Einsparungen und durch eine zügigere Durchführung der geplanten Maßnahmen überkompensiert. In Gelsenkirchen zeigen wir nicht nur wie das theoretisch geht und wie es andere Branchen machen – z.B. Tornadopiloten –, sondern anhand vieler gelungener Beispiele aus dem Krankenhaus auch, dass es tatsächlich klappt. Mehrwert im PM wird durch das Bereitstellen von klaren Strukturen geschaffen, die den Prozess der Zielerreichung unterstützen. Dies geschieht z.B. durch das Messen der Fortschritte und das Schaffen von Verantwortlichkeitsbereichen. Kurz: Das Projekt wird in kleine Teile zerlegt, deren Umsetzung an Projektteammitglieder delegiert wird. Zum Schluss wird alles wieder zum Großen und Ganzen zusammengesetzt und das Projektziel ist erreicht. Ohne die geordneten Strukturen des PM verlaufen Vorhaben chaotisch, häufig außerhalb des vorgesehenen Budgets und in einem größeren zeitlichen Rahmen als geplant. Das erzeugt Stress für alle Beteiligten. PM kann hier einen großen Nutzen bringen.

Technik lautet das beinahe universal eingesetzte Zauberwort für die effiziente und humane Gesundheitsversorgung einer alternden Gesellschaft mit immer weniger Personal. Wie landen Innovationen schneller im Krankenhaus? Welche Technologien brauchen wir und welche Rolle spielt in diesem Prozess das Technikmanagement im Krankenhaus?

Träger: Nachdem unsere menschlichen Ressourcen längst bis an die Schmerzgrenze ausgelutscht sind, kann eine weitere Effizienzsteigerung augenblicklich tatsächlich nur durch technischen Fortschritt erzielt werden. Automatisierung, Vernetzung und die darauf aufbauende Nutzung großer Datenmengen durch künstliche Intelligenz sind die vorherrschenden Trends, die unsere Häuser entscheidend verändern werden. Wie von Geisterhand gesteuerte automatische Transportsysteme, Roboter, die einen Teil der Pflegeaufgaben oder auch OPs übernehmen, Avatare am Empfang und viele andere smarte Lösungen stehen bereit, Routineaufgaben im Krankenhaus zu übernehmen. Damit diese Technologien schneller vor Ort ankommen, brauchen wir ein gezieltes Innovationsmanagement und schlankere Entscheidungsstrukturen. Wir – damit meine ich alle Berufsgruppen im Krankenhaus – sollten gemeinsam Visionen entwickeln, wie unsere Häuser in fünf oder zehn Jahren aussehen und wo wir dann stehen könnten. Auf diese Weise sollten wir stimmige Gesamtkonzepte für die Zukunft der Häuser erarbeiten. Der eher punktuelle, hauptsächlich durch eine Aneinanderreihung von prestigeträchtigen – meist medizinischen – Einzelprojekten stattfindende Fortschritt, wie wir ihn aktuell erleben, sollte von diesem ganzheitlichen Denken abgelöst werden. Da die Technik augenblicklich so rasant voranschreitet, müssen diese Visionen sehr viel Raum für Flexibilität lassen. Dennoch sollten sie einen roten Faden bieten, der ganz gezielt verfolgt werden kann – in Projekten.

Siewert: Das Problem ist: Im Augenblick passiert technisch so viel Neues, dass wir gar nicht mehr wissen, wo wir anfangen sollen. Dazu kommen völlig neue Herausforderungen durch den Klimawandel, den Fachkräftemangel, immer neue Regeln und Vorschriften etc. Und: Die bestehenden (technischen) Infrastrukturen müssen bei alledem ja auch noch sicher weiterbetrieben werden. Hier hilft wie oben beschrieben nur, das unübersichtliche Große und Ganze in kleine Teile zu zerlegen und Schritt für Schritt abzuarbeiten. Uns Technikern kommt in dem anstehenden Technologiesprung die Aufgabe zu, die besten Lösungen für unsere Häuser aufzuspüren und zu einer stimmigen technischen Performance zusammenzufügen. Wir werden in den kommenden Jahren viel Spreu vom Weizen, sprich brauchbare Lösungen von technischem Schnickschnack und Scheinlösungen trennen müssen. Außerdem liegt es in unseren Händen, technische Innovation auch Nichttechnikern begreifbar zu machen. Wir müssen Berührungsängste abbauen und die Faszination Technik rüberbringen. So und mit dem nötigen Kleingeld wohlgemerkt könnten Kliniken von den Hinterbänklern der Technisierung zu den Klassenbesten aufrücken, wo sie nach meiner Meinung hingehören.

Wenn Sie es in der Hand hätten, Ihr Krankenhaus bzw. das Gesundheitswesen so zu gestalten, wie Sie es für richtig halten. Was würden Sie ändern, was wäre Ihnen wichtig?

Träger: Das wichtigste Stichwort dazu hat mein Kollege schon gegeben: Allem voran würde ich Kliniken bedarfsgerecht finanzieren. „Ohne Moos projektlos“ lautet einer der Vortragstitel auf der diesjährigen Fachtagung Technik im Krankenhaus. Der bringt unser Dilemma auf den Punkt: Innovation braucht nicht nur Ideenreichtum in gelingenden Projekten, sondern auch die nötigen finanziellen Mittel. Derzeit überhäuft uns eine überbordende Legislative mit immer neuen Vorschriften und Regelungen, von denen wir gar nicht wissen, wie wir diese umsetzen, geschweige denn finanzieren sollen. Das hemmt Innovation und macht vor allen Dingen unzufrieden. Damit Normen, Vorschriften und Gesetze das Gesundheitswesen wirklich sicherer und besser machen, müssten diese von Praktikern aus dem Krankenhaus verfasst werden. Auch dabei geht es wie immer ums Geld: Solange die Expertise aus dem Krankenhaus nicht bezahlt wird, kann diese nicht zur Verfügung gestellt werden. Auch das würde ich anders regeln. Zudem würde ich den Personalmangel bekämpfen und bei allen Innovationen die bestehende Infrastruktur erneuern und nicht aus den Augen verlieren. Die Verteilung finanzieller Mittel und die Priorisierung von Projekten wäre bei mir eine andere.

Siewert: Hier sind wir bei einem weiteren großen Problem: Vielen Klinikmitarbeitern ist ihre enorme Technikabhängigkeit in keiner Weise bewusst. Sie denken nicht darüber nach, dass hochkomplexe Datennetze, Big Data, Operationsroboter und andere in ihren Augen wirklich interessante Technologien eine zuverlässige und leistungsstarke Stromversorgung brauchen. Die immer länger anhaltenden Hitzeperioden im Sommer, Stark­regen und andere extreme Wetterphänomene schreien nach adäquaten Lösungen. Klima- und Kälteanlagen sind zugegebenermaßen nicht so sexy wie Dr. Watson oder ein Operationsroboter, bei 40 Grad im Schatten aber dennoch durchaus angenehm. Das Bewusstsein aller Mitarbeiter und v.a. auch der Politik für Technik im Krankenhaus muss ein anderes werden. Technik ist nicht nur Treiber der Innovation, sondern v.a. auch Garant für einen sicheren und komfortablen soliden laufendenBetrieb.

Mit der 4. Fachmesse Kranken­haus Technologie, in die die Fachtagung Technik im Krankenhaus eingebettet ist, bieten Sie den Entscheidern ein Branchentreffen, auf dem diese sich umfassend über Techniken und Services informieren können. Sie stellen hier betontermaßen Inhalte in den Mittelpunkt. Warum war und ist Ihnen diese Veranstaltung mit diesem besonderen Konzept so wichtig?

Siewert: Die Veranstaltung bringt die vielfältigen Herausforderungen und Aufgabenstellungen des Krankenhauses mit den entsprechenden Lösungen aus der Industrie zusammen. Unser Anliegen bei der Entwicklung des Branchentreffens war und ist es, das komplette Angebot für das Krankenhaus an einem zentralen Ort zu überblicken und gleichzeitig viel Raum und Zeit für den Austausch zu bieten.

Träger: Nur so können wirklich zukunftstaugliche Lösungen entstehen. Klinikentscheidern ermöglicht die Fachmesse Krankenhaus Technologie, Einfluss zu nehmen auf neue Produktgenerationen und auch untereinander ausgiebig zu fachsimpeln und voneinander zu lernen. Die persönliche und erfrischende Atmosphäre sorgt für ein angenehmes und komfortables informatives Update. Durch die gewollt kleinen Stände wird die Information verdichtet. Kurze Wege, intensive Kontakte, hochkarätiges Programm – so wollten wir unser Branchentreffen haben. Dass in diesem Jahr die WGKT als Mitveranstalter mit an Bord ist, unterstreicht die Bedeutung der Veranstaltung als Umschlagplatz für technischen Fortschritt im Gesundheitswesen.

Das Interview führte Maria Thalmayr.

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