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"Einfach in Kontakt bleiben" Über WLAN in Senioreneinrichtungen

Vor kurzem machten zwei über 90-jährige Senioren Schlagzeilen. Sie heirateten, nachdem sie sich vor acht Jahren auf einem Online-Dating-Portal kennenlernten. Senioren im Internet – eine Ausnahme? Auf keinen Fall! Und das lässt die Frage nach dem Internetzugang an den Orten aufkommen, an denen sich viele ältere Menschen befinden, wenn sie nicht mehr zu Hause leben können.

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Schon die BITKOM hielt bereits 2014 in einer Studie fest, dass etwa die Hälfte der 65-jährigen im Netz aktiv sind und auch Social-Media-Plattformen wie Facebook nutzen. Für sie ist es Alltag E-Mails zu schreiben, sich über Nachrichten und auch über Gesundheitsfragen zu informieren. Etwa ein Viertel der Befragten chatten und sehen sich Filme im Netz an. Das älteste Online-Dating-Paar Deutschlands zeigt daher eher, wie normal, ja geradezu selbstverständlich der Umgang mit dem Internet mittlerweile in den älteren Generationen geworden ist. Ereignisse wie diese werden in nicht allzu ferner Zeit den Boulevardblättern keine Meldung mehr wert sein. Sie werden Alltag, da auch der Umgang mit dem Internet in hohem Alter Alltag ist.

Bewohner und Einrichtungen profitieren von WLAN gleichermaßen

Steht aber der Umzug in ein Seniorenheim an, ist die Ernüchterung sowohl bei den Betroffenen als auch bei Angehörigen oft groß und kann dazu führen, dass Senioren den bislang gewohnten Kontakt zur Außenwelt über das Internet verlieren. Für viele kommt das einer Entmündigung und Isolierung gleich. Warum? Flächendeckender Internetzugang ist für die Bewohner heutzutage in den meisten Senioreneinrichtungen schlicht nicht vorgesehen und wird nicht angeboten. Dabei gibt es zwei Kernbereiche, die eindeutig dafür sprechen diese Technologie in den Einrichtungen anzubieten:

  • Zum einen profitieren die Bewohner von der Möglichkeit, über das Internet mit der Außenwelt in Verbindung zu bleiben. Sie können die Gewohnheiten aus dem häuslichen Umfeld, einschließlich dem Schreiben von E-Mails mit Freunden und Verwandten, dem Online-Einkauf oder der Recherche im Netz weiterführen. Ein Stück Kontinuität und Struktur bleibt – auch wenn sich das Umfeld radikal verändert hat. Das unterstützt die Eingewöhnung, die Agilität und die Zufriedenheit der Senioren. „Wieso sollten sie ihr elektronisches Leben von heute auf morgen aufgeben müssen, nur weil es einfach nicht mehr angeboten wird?“ hinterfragt Stefan Baumann.
  • Zum anderen stellen sich die Einrichtungen selbst zukunftssicher auf und können in der Pflege neue, digitale Lösungen wie mobile Pflegeakten oder Smart-Home-Lösungen einsetzen, die sowohl dem Personal als auch den Bewohnern Verbesserungen bringen. Seniorenheime und betreute Wohneinrichtungen, die sich heute mit einer einfachen aber durchdachten wachstumsfähigen WLAN-Lösung beschäftigen, sind für die zukünftigen Anforderungen an die Pflege bestens vorbereitet. Man denke nur an elektronische Pflegepläne, schnellen mobilen Zugriff auf medizinische Daten, Speisepläne oder auch die Kommunikation unter dem Pflegepersonal.

WLAN – bald eine Grundausstattung in Pflegeheimen

Umfassende WLAN-Infrastruktur, die von den Wohnbereichen über Gemeinschaftsräume bis hin zu den Außenanlagen reicht, wird künftig genauso zur Grundausstattung gehören müssen und einfach von den Bewohnern erwartet werden wie der Fernseh- und Telefonanschluss. In Hotels und Hostels gehört diese bereits seit geraumer Zeit einfach dazu – wann wird dies in Seniorenheimen zur Selbstverständlichkeit? Wie die Einrichtungen diese Infrastruktur aufsetzen – ob über eine eigene IT oder umfassende Leasingmodelle – ist dabei nur eine Organisationsfrage.

Lebenselixir Internet

Auch Heike Schubert wünscht sich eine flächendeckende WLAN-Abdeckung in deutschen Pflegeeinrichtungen. Mit dem Nicht-Vorhandensein dieser hat sie in jüngster Vergangenheit diverse Erfahrungen gemacht. Ihr kürzlich verstorbener Schwiegervater, 96, war bis zuletzt ein "leidenschaftlicher Computernutzer" wie sie im Gespräch mit HCM erklärte. Dank Internet konnte er mit der Welt auch noch in Kontakt bleiben, als er nicht mehr gut gehen konnte. "Er bestellte sich seine Einkäufe online, war in regem E-Mailkontakt und recherchierte zu seinen Hobbys wie Japan, Orchideen und Ägyptologie gerne und häufig im Netz. Er sagte mir vor einigen Jahren, dass er glaubt, dass er schon lange tot sein würde, hielte ihn nicht sein Computer und das Internet auf dem Laufenden und würd ihn stestig herausfordern. So hat er z.B. noch im Alter von 90 Jahren Post gescann und zu uns via Mail nach Singapur geschickt, als wir dort für einige Jahre lebten. Regelmäßige Skype-Gespräche gehörten zu dieser Zeit auch zu seinem Alltag", erinnert sich Schubert. Im Seniorenheim, in dem er allerdings seine letzte Lebensphase verbrachte, musste er die Tage ohne Anschluss ins Internet verbringen. Es blieb ihm nur die Option mit seinem Handy online zu sein.

Dieses Beispiel zeigt gut, das WLAN die Verbindung der Senioren zur Außenwelt sein kann und dessen Angebot zur Verbesserung der Pflege beiträgt – und mit ein bisschen Glück wird sogar eine späte Liebe daraus.

Wie steht es in Ihrer Einrichtung um das Thema WLAN? Ist es Ihrer Einschätzung nach ebenso elementar? Teilen Sie gerne Ihre Einschätzungen mit uns!

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