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Lesetipp Traumatisierte Flüchtlinge richtig behandeln

Während in Europa weiter über Aufnahmegrenzen für Flüchtlinge diskutiert wird, steht die Gesellschaft längst vor der Herausforderung, diejenigen zu integrieren und zu versorgen, die seit Monaten bzw. Jahren u.a. in Deutschland, Österreich und der Schweiz leben. Was nicht zuletzt von sozialen und medizinischen Diensten besondere Leistungen erfordert. Das interdisziplinäre Handbuch „Trauma – Flucht – Asyl“ bietet dafür allerbeste Hilfestellung.

Im Moment sind weltweit weit über 65 Millionen Menschen auf der Flucht, weil sie zu Hause von Gewalt, Misshandlung und Tod bedroht sind. Ein Teil dieser Flüchtlinge erreicht auf ihrer Suche nach Sicherheit und Würde Europa und stellt die Aufnahmegesellschaften vor große Herausforderungen.

Flüchtlinge werden dabei einer komplizierten Rechtsprozedur, dem Asylverfahren, unterworfen, sollen möglichst rasch die Sprache des Aufnahmelandes erlernen, sich beruflich und kulturell integrieren und einen Beitrag an die Gesellschaft leisten. Ein großer Teil der Asylsuchenden ist jedoch schwer traumatisiert, leidet unter psychischen und körperlichen Folgen der erlebten Gewalt.

Best Practice-Beispiele u.a. zu Traumastörungen

39 Experten versammelt das Handbuch „Trauma – Flucht – Asyl“, um Best Practice-Beispiele und noch mehr Hilfestellungen zu erläutern. Gegliedert ist es in drei Teile: Grundlagen; Gesundheit, Versorgung und Integration; sowie Behandlung von Traumastörungen. Dabei stehen Themen wie Abklärung und Früherkennung, Dolmetschen, Rechts- und Sozialberatung, Unterbringung, Arbeitsintegration und interdisziplinäre Behandlungen (u.a. medizinische Besonderheiten, verschiedene Therapieverfahren) im Fokus.

Auch Fragen der Begutachtung, der Sekundärtraumatisierung, der Auswirkungen auf Schule und Ausbildung oder der Umgang mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen werden skizziert.

Detaillierte Unterstützung für Ärzte und Pflegende

Speziell für in der Medizin Tätige gibt das gut 500 Seiten starke Nachschlagewerk detaillierte Einblicke. In Teil 1 (Grundlagen) etwa werden psychische, körperliche und soziale Folgen von Krieg, Vertreibung und Flucht beschrieben, auch postmigratorischer Stress. Zudem geht es um die notwendige kulturelle Kompetenz für (Psycho-)Therapeuten.

Teil 2 (Gesundheit) gibt u.a. Anregungen für die allgemeinmedizinische und hausärztliche Behandlung, darüber hinaus Hinweise zu Gutachten und klinischen Expertisen. Der zugleich längste Teil 3 (Behandlung) schildert auf 200 Seiten Screening und Diagnostik, diverse Besonderheiten der Psychotherapie, überhaupt verschiedene Verfahrensmöglichkeiten, darunter beispielsweise bei posttraumatischen Schmerzen.

Blick über den Tellerrand

Interessant ist der Sammelband auch deshalb, weil die Autoren die mitunter unterschiedlichen Situationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz schildern. Der Blick über den Tellerrand im deutschsprachigen Raum vermittelt Ärzten, Therapeuten, Pflegenden und Sozialarbeitern somit zusätzliche Kenntnisse, die u.a. für die Flüchtlingswege über verschiedene Landesgrenzen relevant sind.

So komplex dieses ganze Thema ist und bleibt – so sinnvoll ist die Lektüre dieses Buches für alle Interessierten.

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