Qualifizierte Gesundheitsfachkräfte Transparenz und Orientierung bei der Fachkräftegewinnung

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Im Oktober 2021 wurde das vom Kompetenzzentrum für internationale Fachkräfte in den Gesundheits- und Pflegeberufen (DKF) entwickelte Gütesiegel „Faire Anwerbung Pflege Deutschland“ eingeführt. Nun will auch eine neue unabhängige Netzwerk-Initiative mit dem Namen „Match“ den Kampf gegen den Pflegenotstand mit Hilfe von Pflegekräften aus dem Ausland unterstützen.

Initiative Match
Die Initiative Match möchte alle Akteure rund um die Gewinnung von ausländischen Pflegekräften vernetzen. – © Match/istock

Die größten Hürden für die erfolgreiche und nachhaltige Bindung der internationalen Fachkräfte sind die sprachliche, fachliche und soziale Integration. Hier will die Initiative „ Match“ ansetzen – u.a. durch mehr Transparenz bei den Anerkennungsverfahren und Förderangeboten sowie durch Sicherung der Qualität.

Wichtige Schritte für die Abhilfe beim Pflegenotstand

Beide Neuheiten, das Gütesiegel „Faire Anwerbung Pflege Deutschland“ und die Initiative “ Match“, sind wichtige Schritte, um dem Pflegenotstand mithilfe von Pflegefachkräften aus dem Ausland zu begegnen. Dazu wird es eine Online-Veranstaltungsreihe von “ Match“ mit einer Auftaktveranstaltung am 1. Dezember 2021 sowie 16 weiteren Regional-Events in den Bundesländern geben (kostenfreie Anmeldung unter www.match-pflege.de).

Ziel des Gütesiegels „Faire Anwerbung Pflege Deutschland“ ist es, Arbeitgebenden eine Orientierung im Markt der privatwirtschaftlichen Fachkraftvermittlung aus dem Ausland zu geben. Die Initiative “ Match“ setzt hier an und will den Prozess der gesamten Einwanderung, Anerkennung und Integration transparenter gestalten.

100.000 Pflegekräfte fehlen derzeit

In deutschen Krankenhäusern und Pflegeheimen fehlen derzeit 100.000 Pflegefachkräfte. Laut Prognosen werden bis 2030 mehr als 500.000 Stellen im Pflegebereich unbesetzt bleiben. Diese abstrakten Zahlen sind für Einrichtungsleitende täglich gelebte Realität. Eine Lösung für diese Situation ist neben der verstärkten eigenen Ausbildung von Pflegefachkräften hierzulande die Gewinnung und Integration von internationalen Gesundheitsfachkräften. Doch die Einrichtungen stehen hier vor enormen Herausforderungen: sei es die Rekrutierung im Ausland, das behördliche Anerkennungsverfahren, die sprachliche Qualifikation oder die soziale und betriebliche Integration des ausländischen Pflegepersonals.

Initiative “ Match“

Letztere bringt auch für die bestehenden inländischen Teams zunächst einmal mehr Verantwortung mit sich. Die Folge ist, dass etwa 60 Prozent der Gesundheitseinrichtungen auf die Rekrutierung internationaler Pflegefachkräfte verzichten. Die neu gegründete trägerübergreifende Initiative Match ist angetreten, um Orientierung zu bieten, den Prozess transparent zu machen und durch Wissen und Erfahrungsaustausch zu helfen, die Hindernisse zu überwinden. Der Weg zum Ziel: bundesweite und regionale Veranstaltungen, Expertengespräche und der Aufbau eines Netzwerks aus Fachleuten und Praktiker sowie Praktikerinnen.

Bei der Match-Auftaktveranstaltung werden u.a. Dr. Sarina Strumpen und Ann-Christin Wedeking als Expertinnen sprechen. Sie haben für das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) an der Entwicklung des Gütesiegels mitgewirkt. Das Gütesiegel wurde auf Wunsch der Pflegeeinrichtungen vom Deutschen Kompetenzzentrum für internationale Fachkräfte in den Gesundheits- und Pflegeberufen (DKF), welches beim KDA angesiedelt ist, entwickelt.

Anwerbeprogramme der Bundesagentur für Arbeit

Stephan Heuke, Bereichsleiter und stellvertretender Geschäftsführer des Geschäftsbereiches Internationales von der Bundesagentur für Arbeit wird beim Match-Kick-off über die internationale Fachkräfteanwerbung im Gesundheitssektor und aktuelle Projekte sowie neue Vermittlungsabsprachen der Bundesagentur mit den Herkunftsländern berichten. Außerdem werden die Referenten und Referentinnen einen Einblick in den staatlichen Anwerbeprozessund die Möglichkeiten der Fachkräftegewinnung gebenund die rechtlichen Rahmenbedingungen aufzeigen.

Austausch von Erfahrungswissen

Neben der Vermittlung von Informationen geht es in den Veranstaltungen auch um den Austausch von Erfahrungswissen. Daher ist auch Markus Kowalik dabei. Er ist Leiter Personalmanagement bei der creatio GmbH , einer mittelständischen Gruppe von vier Seniorenresidenzen in Rheinland-Pfalz. Kowalik weiß, wie langwierig die Anerkennungsverfahren von Gesundheitsfachkräften sein können – gerade wenn diese aus dem außereuropäischen Ausland kommen. Zuweilen dauert es viele Monate bis Jahrevom Erstkontakt bis zur Anerkennung der fachlichen Qualifikation. Dadurch geht wertvolle Zeit verloren, in der das Pflegepersonal dringend in den Einrichtungen gebraucht wird. Kowalik hat für seine Einrichtungen im Laufe der letzten Jahre eine Vielzahl an Gesundheitsfachkräften und Pflegeauszubildenden aus dem Ausland rekrutiert. Dabei hat er wertvolles Wissen und Erfahrungen zur Gewinnung von internationalen Pflegefachkräften und zur Bewältigung der beruflichen Anerkennung in Deutschland gesammelt: „Ich weiß, welche Hürden bis zur Anerkennung der Fachkräfte überwunden werden müssen. Die regionalen Möglichkeiten für Vorbereitungskurse und Kenntnisprüfungen sind insbesondere für Altenpflegeeinrichtungen oft noch sehr beschränkt. Wenn wir den Pflegenotstand mit Fachkräften aus dem Ausland lindern wollen, müssen wir auf diesen Umstand hinweisen, Lösungen aufzeigen und uns gegenseitig helfen“, erklärt er.

Unterschiedliche Verfahren – je nach Region

Allerdings braucht es neben den Praktikern und Praktikerinnen auch die Experten und Expertinnen aus den Behörden. Denn: Die Anerkennungsverfahren und praktischen Abläufe sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Dies ist für die Einrichtungsleitenden schwer zu durchschauen. Regionale Veranstaltungen mit Fachleuten aus den Landesbehörden sollen helfen, das erforderliche Wissen weiterzutragen. Außerdem sollen sich die Akteure untereinander regional vernetzen und sich gegenseitig unterstützen. So können auch kleinere, lokal verankerte Gesundheitseinrichtungen die Bedenken vor der Anwerbung von ausländischen Pflegefachkräften verlieren.

Sprache als Schlüssel zur Integration

„Ob es um Anerkennungsverfahren geht oder um Prüfungs- und Fördermöglichkeiten – es ist wichtig, dass Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen Orientierung in diesem Dschungel bekommen – auf Bundes- und Landesebene, aber auch in den Städten und Kommunen“, weiß auch Robert Mittelstädt aus seiner langjährigen Erfahrung als Verbandsreferent aus der Altenpflege. Jetzt unterstützt er als Senior Leader bei dem Bildungsträger Lingoda die Qualifizierung internationaler Pflegekräfte. Der Bildungsträger Lingoda war es auch, der Match ins Leben gerufen hat: “ Lingoda bietet schon seit längerem spezialisierte Sprachkurse und Vorbereitungskurse für Gesundheitsfachkräfte aus dem Ausland an“, erklärt sein Kollege Duniel Cardenas-Rodriguez. „Die Sprache ist der Schlüssel zur Integration – auch in der Pflege. Daher sorgen wir dafür, dass die ausländischen Pflegekräfte sprachlich qualifiziert sind. Dann können sie in den Einrichtungen, vor allem in der Kommunikation mit den Pflegebedürftigen und deren Angehörigen, hervorragende Arbeit leisten, betont Cardenas-Rodriguez.“

Empowerment für Gesundheitseinrichtungen

Durch die Gespräche und Vernetzung mit unterschiedlichen Partnern im Integrationsprozess haben Cardenas-Rodriguez und seine Kollegen erfahren, welche Hürden die Einrichtungen auf dem Weg zu den ausländischen Pflegefachkräften überwinden müssen. Außerdem mussten sie feststellen, dass viele Einrichtungen die staatlichen Fördermöglichkeiten bei der sprachlichen und fachlichen Weiterbildung nicht kannten. Beispielsweise werden die Kosten für anerkannte Bildungsmaßnahmen über den Bildungsgutschein gefördert. „Für uns ist es eine Herzensangelegenheit, die Initiative Match ins Leben zu rufen. So können wir den Krankenhäusern und Pflegeheimen nicht nur punktuell durch die sprachliche Qualifikation helfen, sondern auf dem ganzen Weg von der Anwerbung bis zur erfolgreichen Integration. In diesem Sinne ist es ein gemeinschaftliches Zusammenwirken aller Akteure im Sinne eines Wir-Projektes“, sagt Cardenas-Rodriguez.

Netzwerkpartner willkommen

Damit das Schreckensszenario von bis zu 500.000 fehlenden Pflegefachkräften abgewendet wird, wünschen sich die Initiatoren weitere Unterstützer für Match und ein Netzwerk auf breiter Basis: „Wir möchten alle Akteure rund um die Gewinnung von ausländischen Pflegekräften vernetzen: Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser, Pflegeschulen, Arbeitsagenturen, Anerkennungs- und Ausländerbehörden, Personalvermittlungen und Bildungsträger. Unser Ziel: Gesundheitseinrichtungen jeder Größe sollen das Potenzial nutzen, das die internationalen Pflegefachkräfte bieten“, betonten die Initiatoren.

Kontakt zur Autorin:
Dr. Marion Steinbach, freie Journalistin. steinbach@steinbach-pr.de